Wirtschaft Salzburg : Warum Handelsriesen Salzburg lieben – und was ihnen Sorgen bereitet
Inhalt
- Salzburg als Standortvorteil
- Rückblick: Wie Salzburger Festspiele den Standort prägten
- Spar Österreich: der Marktführer mit Tradition
- Rückblick: Wie Salzburg vom idealen zum erfolgreichen Standort wurde
- Porsche Holding Salzburg: vom regionalen Importeur zum Global Player
- Lidl Österreich: Export-Champion mit lokaler Verwurzelung
- dm drogerie markt: Koordinationszentrale für Südosteuropa
- Aldi Süd: der stille Riese mit Expansionsplänen
- Herausforderungen und kritische Stimmen
- Die Wohnkostenfalle: wenn der Erfolg zum Problem wird
- Salzburgs Kampf um die besten Köpfe
- Bürokratie als Innovationsbremse auch in Salzburg
- Blick in die Zukunft: zwischen Wachstum und Warnzeichen
- Wissenschafts- und Innovationsstrategie Salzburg (WISS)
Von der Salzburger Zentrale aus orchestriert Spar ein Netzwerk von über 3.000 Märkten nicht nur in Österreich, sondern auch in sechs Nachbarländern
- © SPARDie Stadt Salzburg ist viel mehr als nur beeindruckende Altstadtidylle. Sie ist einer der bedeutendsten Handelsstandorte Europas.
Denn von hier aus steuern Handelsriesen wie Spar, Lidl, Hofer oder Porsche ihre Geschäfte in über 40 Ländern auf drei Kontinenten.
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Was macht Salzburg so attraktiv für diese Handelsriesen? Die Antwort liegt in einer einzigartigen Kombination strategischer Vorteile, die wir im nächsten Abschnitt beleuchten.
Weitere Beispiele für herausragende Unternehmen in Salzburg finden Sie hier in unserer Übersicht über Salzburgs Hidden Champions.
Salzburg als Standortvorteil
Zentrale Lage und Verkehrsanbindung. Salzburg fungiert als logistisches Drehkreuz zwischen West- und Osteuropa.
Die optimale Anbindung über Autobahnen, Schienennetz und den internationalen Flughafen ermöglicht es, wichtige Wirtschaftszentren wie München, Wien, Zürich oder Mailand schnell zu erreichen.
Salzburg befand sich seit jeher an einem zentralen und wichtigen Handelsweg, der die Mittelmeerländer mit Zentraleuropa verband. Die Römer bauten die Handelswege zu Land und zu Wasser aus und errichteten an der Stelle der heutigen Stadt Salzburg den römischen Verwaltungssitz Juvavum, der zu einer blühenden Handelsmetropole wurde. Von der Ostsee führte von Norden die „Bernsteinstraße“ in den mitteleuropäischen Handelsraum. Im böhmischen Bereich war es die „Glasstraße“, die durch Salzburg verlief. Diese historischen Handelsrouten etablierten die Stadt als natürlichen Knotenpunkt zwischen Nord und Süd sowie Ost und West.
Außergewöhnliche Lebensqualität. Die hohe Lebensqualität, das reiche Kultur- und Freizeitangebot sowie die landschaftlich reizvolle Umgebung machen Salzburg für Fachkräfte und deren Familien besonders attraktiv. Unternehmen profitieren davon, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden.
Innovations- und Forschungslandschaft. Mit sechs Universitäten, Fachhochschulen und zahlreichen Forschungseinrichtungen ist Salzburg ein Hotspot für Innovation.
Besonders attraktiv sind die Förderquoten für Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Bis zu 70 Prozent der Projektkosten können durch eine Kombination aus Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen finanziert werden.
Rückblick: Wie Salzburger Festspiele den Standort prägten
Salzburg ist eine mehr als anerkannte Weltmarke.
Dazu haben vor allem die Salzburger Festspiele beigetragen. Ihr Bestreben seit über einhundert Jahren, als europäisches Zentrum für Kunst und Kultur von Weltformat zu wirken und wahrgenommen zu werden, hat den Standort Salzburg deutlich nach vorne gebracht.
Bildungsminister Martin Polaschek (neben Nicole Meisner-Kober, Direktorin Ludwig-Boltzmann-Institut für nanovesikuläre Präzisionsmedizin und Landeshauptmann a.D. Wilfried Haslauer): „Salzburg ist ein Hotspot für Life Sciences, ein Vorzeigemodell für ganz Österreich, wie die Forschungseinrichtungen und die Wirtschaft hier mit einander kooperieren. Das Bekenntnis des Landes, die Forschung zu unterstützen, ist beispielgebend für Österreich und auch für andere Länder."
- © Land Salzburg/Neumayr/LeopoldSpar Österreich: der Marktführer mit Tradition
An der Spitze der Salzburger Handelsgiganten steht Spar Österreich.
Die Geschichte begann 1954 mit der Gründung der Zentrale, die seither kontinuierlich gewachsen ist. Heute erzielt das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 21,4 Milliarden Euro (2024, +4,5 Prozent Wachstum) und hält mit 36,9 Prozent den größten Marktanteil im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel.
Von der Salzburger Zentrale aus orchestriert Spar ein Netzwerk von über 3.000 Spar-, Eurospar- und Interspar-Märkten nicht nur in Österreich, sondern auch in sechs Nachbarländern.
Mit fast 52.000 Mitarbeitern ist das Unternehmen Österreichs größter privater Arbeitgeber geworden.
Die Investitionsstrategie zeigt den Modernisierungswillen: Allein 2024 flossen 780 Millionen Euro in Lagerkapazitäten, Modernisierung und Digitalisierung.
Rückblick: Wie Salzburg vom idealen zum erfolgreichen Standort wurde
Salzburg hat es überzeugend geschafft, dass aus einem idealen schließlich auch ein erfolgreicher Standort wurde.
Dabei war die Ausgangslage dafür keine sehr günstige. Die Industrialisierung konnte sich erst sehr spät, im ausgehenden 19. Jahrhundert, und auf Grund räumlicher Beengtheit nur in begrenztem Umfang entwickeln.
Dieser Nachteil hat sich in der wirtschaftlichen Entwicklung nach 1955 zu einem großen Vorteil gewandelt, denn es ist im Besonderen die „große Diversifikation der Salzburger Wirtschaft, die sich in Krisenzeiten immer wieder als vorteilhaft erwiesen hat“, wie es die Pressestelle der Wirtschaftskammer Salzburg bündig formuliert.
2023 kamen 45,4 Millionen Euro FFG-Bundesforschungsförderungen nach Salzburg.
Porsche Holding Salzburg: vom regionalen Importeur zum Global Player
Diese faszinierende Erfolgsgeschichte schrieben Louise Piëch und Ferry Porsche, als sie 1949 ihren Firmensitz von Gmünd nach Salzburg verlegten und mit dem Import von Volkswagen-Fahrzeugen begannen.
Was als regionaler Autoimporteur begann, entwickelte sich zu einem globalen Giganten: Mit 28,66 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2024 zählt die Porsche Holding zu den größten Automobilhandelsgruppen weltweit.
Heute ist das Unternehmen in 29 Ländern auf drei Kontinenten tätig. Obwohl die Porsche Holding seit 2011 vollständig zur Volkswagen AG gehört, profitiert Salzburg weiterhin erheblich. Als österreichische GmbH zahlt sie ihre 25-prozentige Körperschaftsteuer in Österreich, beschäftigt tausende Mitarbeiter vor Ort und stärkt die regionale Wirtschaftsstruktur nachhaltig.
Lidl Österreich: Export-Champion mit lokaler Verwurzelung
Lidl hat seine österreichische Zentrale strategisch klug in Salzburg positioniert und steuert von hier aus über 250 Filialen im ganzen Land. Als Teil der Schwarz-Gruppe beschäftigt das Unternehmen rund 5.800 Mitarbeiter und hat sich zudem mit 50 heimischen Produzenten vernetzt.
Besonders bemerkenswert ist Lidls Rolle als Exportplattform: Österreichische Produkte von Partnern wie SalzburgMilch oder Manner werden über das internationale Lidl-Netzwerk in 27 Länder exportiert und erwirtschaften dabei eine beeindruckende Wertschöpfung von über 1,2 Milliarden Euro, davon 550 Millionen Euro durch Exporte.
dm drogerie markt: Koordinationszentrale für Südosteuropa
In Wals bei Salzburg hat dm drogerie markt ein faszinierendes Steuerungszentrum etabliert. Die österreichische Sparte erzielt einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro (2023/24) und beschäftigt 6.955 Mitarbeiter in 382 Filialen.
Die große Bedeutung des Salzburger Standorts zeigt sich auch in der Koordinationsfunktion: Das moderne „dm dialogicum" steuert auch die sogenannten Verbundländer in Mittel- und Südosteuropa mit einem zusätzlichen Umsatz von 5,25 Milliarden Euro.
Von Tschechien bis Bulgarien werden die Geschäfte von Salzburg aus dirigiert.
Aldi Süd: der stille Riese mit Expansionsplänen
Aldi Süd betreibt in Salzburg seine wichtigste internationale Holding-Struktur. Mit einem Marktanteil von 18 Prozent hat sich das Unternehmen als Nummer drei im österreichischen Lebensmittelhandel etabliert. Global gesehen gehört Aldi Süd mit über 7.100 Filialen in elf Ländern zu den größten Einzelhandelsunternehmen der Welt.
Die Zukunftspläne sind ambitioniert: Eine neue Firmenzentrale in Salzburg-Maxglan nahe dem Flughafen soll bis 2026 Platz für 1.200 Mitarbeiter bieten und als Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen fungieren.
Herausforderungen und kritische Stimmen
Trotz der beeindruckenden Erfolgsgeschichte ist Salzburgs Weg als Handelsmetropole nicht ohne Hindernisse. Verschiedene strukturelle Probleme gefährden die weitere Entwicklung des Standorts.
Allen voran: Wohnungskrise und Wohnbau, die auch das Verkehrsproblem anheizen. Viele Menschen müssen im Umland wohnen und täglich in die Stadt pendeln, was die Verkehrsbelastung erhöht.
Die Wohnkostenfalle: wenn der Erfolg zum Problem wird
Was zunächst paradox klingt, entwickelt sich zu einem ernsten Problem: Salzburgs wirtschaftlicher Erfolg macht die Stadt für ihre eigenen Arbeitskräfte unbezahlbar.
Die Wohnkosten sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass selbst gut verdienende Fachkräfte zunehmend Schwierigkeiten haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Ein Industrievertreter aus dem Pinzgau bringt es auf den Punkt: „Manche Mitarbeiter sind erschrocken, wie hoch die Mietkosten sind und wie teuer das Wohnen ist.“
Besonders bitter ist, dass die am häufigsten fehlenden Arbeitskräfte in Branchen mit niedrigen Einkommen arbeiten, nämlich im Einzelhandel und in der Gastronomie. Das sind genau jene Bereiche, die das Fundament der Salzburger Handelsriesen bilden.
Die Verkäuferinnen bei Spar, die MitarbeiterInnen in den Lidl-Filialen und das Personal in den Restaurants können sich das Leben in der Stadt, die sie am Laufen halten, schlicht nicht mehr leisten.
Salzburgs Kampf um die besten Köpfe
Eine österreichweite Deloitte-Studie identifiziert Fachkräftemangel als eines der gravierendsten Probleme für Unternehmen.
In Salzburg verschärft sich diese Situation durch eine Art „Kannibalisierung“. Die erfolgreichen Handelskonzerne konkurrieren nicht nur mit anderen Wirtschaftszweigen um die besten Talente, sondern auch untereinander.
Gleichzeitig wirbt der boomende Tourismussektor um dieselben hochqualifizierten Fachkräfte.
Das Ergebnis ist ein Teufelskreis: Unternehmen müssen höhere Gehälter zahlen, um Personal zu bekommen und zu halten, was wiederum die Lebenshaltungskosten antreibt und die Wohnkostenspirale weiter anheizt.
Bürokratie als Innovationsbremse auch in Salzburg
Christoph Fuchs von der Wirtschaftskammer Salzburg schlägt ebenfalls Alarm: „Diese Belastungen sind ein großes Hemmnis für unsere europäischen Wirtschaftsstandorte. Wir stehen in direkter Konkurrenz mit vielen asiatischen Staaten, die diese Hürden nicht haben."
Die zunehmenden EU-Regulierungen treffen besonders die international tätigen Handelsunternehmen hart, die von Salzburg aus ihre globalen Operationen steuern.
Was einst als Standortvorteil galt – die Rechtssicherheit und hohen Standards der EU – wird zunehmend zur Belastung im globalen Wettbewerb. Während Konkurrenten in Asien schnell und flexibel agieren können, müssen die Salzburger Konzerne immer mehr Zeit und Ressourcen für Compliance und Bürokratie aufwenden.
Blick in die Zukunft: zwischen Wachstum und Warnzeichen
Trotz der Herausforderungen zeigt die Entwicklung noch keine Verlangsamung. Aldi Süd baut eine neue Zentrale, dm investiert 37 Millionen Euro in Filialmodernisierung, und Spar setzt verstärkt auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Die Salzburger Handelsunternehmen fungieren dabei als Innovationslabore für nachhaltige Handelskonzepte. Die neuen Unternehmenszentralen sind Vorzeigeprojekte für nachhaltiges Bauen mit Photovoltaikanlagen, E-Ladestationen und energieeffizienter Technik.
Diese Investitionen zahlen sich nicht nur ökologisch aus, sondern auch wirtschaftlich: Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen erzielen höhere Bewertungen, ziehen bessere Talente an und sind krisenresistenter.
Doch auch die Warnsignale sind unüberhörbar. Ohne Lösungen für die Wohnkosten- und Fachkräfteproblematik könnte Salzburgs Erfolgsgeschichte als Handelsmetropole bald an ihre Grenzen stoßen.
Wissenschafts- und Innovationsstrategie Salzburg (WISS)
Die vom damaligen Landeshauptmann Wilfried Haslauer 2016 initiierte Wissenschafts- und Innovationsstrategie Salzburg (WISS), der 2023 eine zweite und nachgeschärfte Fassung folgte, stellt die Grundlage für die Aus- und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Salzburg dar.
Ihre klare Zielsetzung ist es, „sich als Forschungs- und Wissenschaftsstandort ein konkretes Profil und thematische Schwerpunkte zu geben“, wie es Walter Haas, Geschäftsführer der Innovation Salzburg, deutlich macht.
Was zeichnet nun einen auf die Zukunft ausgerichteten und innovativen Standort aus, damit er sich im Wettbewerb behaupten kann?
„Marketing und Kommunikation allein sind zur Sichtbarmachung eines Standortes viel zu wenig", sagt Haas. "Es braucht genau die dahinterliegenden Kompetenzen, Qualitäten und Exzellenz, die konkreten Angebote und Leistungen in der Wissenschaft und Forschung, im Bereich Bildung und bei der Wirtschaft, was uns dann als Standort heraushebt und was uns auszeichnet. Das ist national wie international im harten Wettbewerb der Standorte essenziell.“
Die Innovation Salzburg nutzt vor allem auch die sozialen Medien, um Salzburg, seine Hidden Champions und vor allem die Stärkefelder sichtbar zu machen.
Speziell gilt das für „Work in Salzburg“, einem Schwerpunkt für die Ansprache von Fachkräften und Talenten im Bereich IKT und Technik sowie für MINT Salzburg, wo darauf hingearbeitet wird, Kinder und Jugendliche mit den Naturwissenschaften und der Wirtschaft zu verbinden.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Seit Beginn der WISS-Umsetzung konnte Innovation Salzburg bereits über 230 WISS-Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 183 Millionen Euro umgesetzt werden.
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