Start-ups Österreich : Start-ups Österreichs lukrieren nur Sechstel des möglichen Venture Capitals

Ein kleines Jungunternehmen bei einem Meeting auf engem Raum

Gegründet wird oft und gerne. Doch im europäischen Gesamtranking der größten Finanzierungsrunden liegt Österreich nicht unter den Top 50.

- © Yingyaipumi - stock.adobe.com

Europäische Start-ups zogen 2025 insgesamt knapp 62 Milliarden Euro an Risikokapital an. Das Investitionsvolumen bleibt zwar deutlich unter den Rekordwerten der Jahre 2021 und 2022 – damals flossen 88 bzw. 75 Milliarden Euro –, signalisiert aber eine klare Stabilisierung. Bereits zum zweiten Mal in Folge übertraf die investierte Summe den jeweiligen Vorjahreswert. 

Der europäische Venture-Capital-Markt scheint sich nach einem deutlichen Einbruch wieder auf hohem Niveau zu konsolidieren. Das Bild hat sich dennoch gewandelt: InvestorInnen prüfen strenger, Finanzierungsprozesse ziehen sich länger hin, und Kapital konzentriert sich auf weniger, aber deutlich größere Runden.

Und wie viel Kapital zogen Österreichs Start-ups an? Das Gründungsumfeld ist hierzulande sehr aktiv – aber  im europäischen Vergleich herrscht massiver Kapitalmangel.

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Start-ups Österreich im europäischen Vergleich: Viele Deals, aber wenig Kapital pro Runde

Mit einem Finanzierungsvolumen von 253 Millionen Euro und einem Rückgang von 56 Prozent fiel Österreich 2025 im europäischen Volumenranking von Platz 15 auf Platz 20 zurück. 

Bei der Anzahl der Runden schneidet das Land besser ab: 148 Finanzierungsrunden bedeuten Platz 13 in Europa. Das strukturelle Problem liegt jedoch in der geringen Kapitaltiefe: Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen beträgt nur rund zwei Millionen Euro – ein Sechstel bis Achtel der führenden europäischen Märkte.
 

Österreichische Unternehmen holen sich auch zu wenig Fördergelder – warum?

Während typische Runden in Deutschland und Frankreich bei rund zwölf Millionen Euro und im Vereinigten Königreich bei 8,2 Millionen Euro liegen, erhalten österreichische Start-ups häufig nur Kleinst- oder frühe Wachstumsfinanzierungen. Wachstumsrunden in zweistelliger Millionenhöhe bleiben selten. Gerade in späteren Finanzierungsphasen weichen österreichische Startups deshalb zunehmend auf internationale Kapitalmärkte aus – nicht aus strategischer Überlegung, sondern mangels ausreichender Kapitaltiefe im Inland.
 

Auch ein Vergleich mit ähnlich großen Volkswirtschaften verdeutlicht die strukturelle Lücke. In Finnland (8,5 Millionen Euro), Dänemark und Belgien (jeweils 6,4 Millionen Euro) lagen die durchschnittlichen Ticketgrößen beim Drei- bis Fünffachen von Österreich.
 

Damit entwickelte sich Österreich teilweise gegen den europäischen Trend: Während in vielen Märkten weniger, aber größere Runden stattfanden, blieb die Zahl der Deals in Österreich vergleichsweise hoch – bei gleichzeitig sehr niedrigen Volumina pro Runde.
 

"Österreich hat ein aktives Gründungsumfeld, aber die Kapitaltiefe bleibt weiterhin deutlich zu gering", analysiert Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich. "Die Zahl der Deals ist solide, aber die Runden selbst sind viel zu klein, um international mithalten zu können. Für echte Skalierung braucht es mehr Wachstumskapital, insbesondere in späteren Phasen. Es ist kein Mangel an Ideen, sondern ein Mangel an Kapitalgröße, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit begrenzt."

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  • Florian Haas, Director, Head of Brand & Growth und Head of Start-up bei EY Österreich
    Wir haben starke Gründerteams – aber ohne Kapitalgröße können sie ihr Potenzial nicht am heimischen Markt entfalten."

    Florian Haas, Director, Head of Brand & Growth und Head of Start-up bei EY Österreich 

Start-up-Städte Europa: Wien beim Volumen abgeschlagen

Der Blick auf die wichtigsten europäischen Start-up-Städte zeigt ein deutliches Gefälle in Dynamik und Kapitalstärke. London führt 2025 unangefochten: Mit 1.304 Finanzierungsrunden wurden dort fast so viele Deals abgeschlossen wie in Deutschland und Frankreich zusammen. 

Dahinter folgt das Pariser Île-de-France-Ökosystem mit 347 Runden, dann Berlin mit 218 Abschlüssen. Amsterdam, Barcelona, Stockholm und Dublin bleiben weitere zentrale Hotspots mit wachsender Kapitaltiefe.
 

Beim Finanzierungsvolumen ist das Bild ähnlich: London zog mit rund 14 Milliarden Euro mehr Risikokapital an als Paris, Berlin, München und Amsterdam zusammen. Paris liegt mit 5,5 Milliarden Euro ebenfalls weit über dem europäischen Schnitt.
 

Wien rangiert im europäischen Städtevergleich deutlich weiter hinten. Mit 86 Finanzierungsrunden belegt die österreichische Hauptstadt Platz 15. Beim Finanzierungsvolumen von 179 Millionen Euro rutscht Wien sogar auf Rang 54 ab – ein Zeichen für eine aktive, aber kapitalarm aufgestellte Gründungsszene.
 

"Europa konzentriert sein Wachstumskapital immer stärker auf einige wenige große Hotspots", führt Haas aus. "Städte wie London, Paris oder Berlin ziehen Milliarden an – und Wien kann bei dieser Kapitalintensität derzeit nicht mithalten. Unsere Start-up-Szene ist aktiv und international vernetzt, aber ohne größere Volumina wird Wien langfristig kaum Chancen haben, im europäischen Städteranking nach vorne zu kommen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, mehr internationale Fonds und größere Tickets nach Österreich zu holen."

Österreich schöpft nur ein Sechstel seines Venture-Capital-Potenzials aus

Ein Vergleich mit dem europäischen Gesamtmarkt verdeutlicht, wie stark Österreich im Bereich der Wachstumsfinanzierung hinter seinem wirtschaftlichen Gewicht zurückbleibt. Obwohl das Land rund 2,7 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung erwirtschaftet, flossen 2025 nur etwa 0,4 Prozent der gesamteuropäischen Venture-Capital-Investitionen nach Österreich. 

Gemessen am BIP-Anteil müsste das Land jährlich rund 1,5 Milliarden Euro Wachstumskapital anziehen – tatsächlich waren es nur 253 Millionen Euro, also etwa 17 Prozent des theoretisch erwartbaren Niveaus.
 

"Ohne ausreichend Wachstumskapital wandern Start-ups früher oder später in größere Märkte oder zu internationalen InvestorInnen ab", warnt Haas.

Selektiver Markt, politische Rahmenbedingungen

"Der europäische Venture-Capital-Markt hat sich 2025 spürbar verändert", sagt Haas. "Die Zahl der Finanzierungsrunden ist rückläufig, während die durchschnittlichen Tickets deutlich steigen. Das zeigt, wie selektiv der Markt geworden ist: InvestorInnen bündeln ihr Kapital, fokussieren sich stärker auf substanzielle Geschäftsmodelle und bevorzugen Unternehmen, die robuste Fundamentaldaten und klare Skalierungsperspektiven vorweisen können."

InvestorInnen verlangen also mehr Substanz. Start-ups müssen Effizienz beweisen, ihre Kostenstrukturen verbessern und überzeugende Unit Economics aufbauen. 

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Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Frage an Relevanz, wie politische Rahmenbedingungen Gründungen und Skalierung in Europa erleichtern können.
 

"Mit der EU Inc setzt die Europäische Kommission ein starkes Signal für ein moderneres und weniger fragmentiertes Gründungsumfeld in Europa", sagt Haas. "Wenn Gründungen europaweit in 48 Stunden möglich werden und einheitliche Standards die Expansion vereinfachen, profitieren GründerInnen und InvestorInnen gleichermaßen. Für Länder wie Österreich, die strukturell unterfinanziert sind, kann die EU Inc ein wichtiger Hebel sein, um Wachstum im Land zu halten und internationale Skalierung zu erleichtern."

VC-Markt Österreich: Starker Jahresstart 2026

Der Beginn des Jahres 2026 brachte für den österreichischen VC-Markt eine spürbare Trendwende. Bereits in den ersten beiden Monaten flossen rund 200 Millionen Euro in österreichische Start-ups. Das entspricht schon früh im Jahr rund 80 Prozent des gesamten Investitionsvolumens von 2025 – eine Dynamik, die im Vorjahr fehlte.
 

Auch im europäischen Kontext fällt der Aufschwung positiv auf: Österreich belegt beim Volumen aktuell Platz 12 der europäischen Märkte. Das ist deutlich besser als im Gesamtjahr 2025 mit Rang 20.
 

"Das erste Quartal könnte zum stärksten seit Jahren werden", zieht Haas Bilanz. "Jetzt wird entscheidend sein, ob diese Erholung nachhaltig ist und ob es gelingt, größere Wachstumsfinanzierungen künftig stärker im Land zu halten."
 

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