Ford News : Ford-Europa-Chef: "Schnellster Weg zu null Emissionen geht über Kunden"
Inhalt
- Ford neue Modelle: Fünf Pkw mit Rally-Genen für Europa
- Ford Pro: Wie wichtig ist es für das Europageschäft?
- Ranger Super Duty und Transit City: Zwei neue Nutzfahrzeuge
- Vernetzte Dienste: Mehr Betriebszeit durch Fahrzeugdaten
- Ford Marktanteil Europa: Aufholen nach spürbaren Verlusten
- Ford Hybrid und CO2-Strategie: Realismus vor regulatorischer Übereilung
Fords europäische Strategie wird durch die neue globale Markenplattform "Ready-Set-Ford" unterstützt.
- © FordIn aller Kürze: Sieben neue Ford-Modelle bis 2029 – Fords Europastrategie mit Elektro, Hybrid und Rally-DNA
Ford hat am 18. Mai bei einem Treffen mit europäischen HändlerInnen und PartnerInnen eine weitreichende neue Strategie für den europäischen Markt vorgestellt. Der US-Autobauer will sein Europageschäft mit sieben neuen Fahrzeugen bis 2029 beleben.
Die neuen Modelle sollen fünf in Europa gefertigte Pkw sowie zwei neue Nutzfahrzeuge sein. Flankiert wird die Offensive von der neuen globalen Markenplattform Ready-Set-Ford, die auf die Bereiche Build, Thrill und Adventure setzt. Erste europäische Kampagnen unter diesem Banner starten noch im Mai.
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Ford neue Modelle: Fünf Pkw mit Rally-Genen für Europa
Bis Ende 2029 bringt Ford fünf komplett neue Pkw auf den Markt, die allesamt in Europa produziert werden. Das Lineup umfasst ein neues Mitglied der globalen Bronco-Familie als robusten Kompakt-SUV, das ab 2028 im Werk Valencia in Spanien vom Band läuft.
Dazu kommen ein elektrischer Kleinwagen mit markantem Design, ein kleiner Elektro-SUV sowie zwei weitere Multi-Energy-Crossover-Modelle.
Ford hat mit Renault eine Kooperation für die Elektromodelle vereinbart; zwei der neuen Fahrzeuge entstehen im französischen Werk des Partners.
Das verbindende Gestaltungsprinzip lautet Rally. Ford nutzt seine mehr als hundertjährige Rennsporttradition und will die neuen Modell damit auf die Herausforderungen europäischer Straßen ausrichten: Alpenpässe, Kopfsteinpflaster, kurvenreiche Landstraßen.
„Wir unterstützen Fords Strategie, in Europa in die Offensive zu gehen, voll und ganz", sagte Nicola Gilda, Geschäftsführerin der Peoples Automotive Group und Vorsitzende des europäischen Händlerrats von Ford. Die Offensive würde auf dem Erfolg von Ford Pro aufbauen, so Gilda weiter.
Ford Pro: Wie wichtig ist es für das Europageschäft?
Im Nutzfahrzeugsegment zählt Ford nach wie vor zu den führenden Anbietern in Europa. Ford Pro ist seit elf Jahren in Folge Europas am stärksten verkaufte Nutzfahrzeugmarke. Die Sparte wandelt sich vom reinen Hersteller zum integrierten Produktivitätspartner für Betriebe jeder Größe – mit Fahrzeugen, Software und Dienstleistungen als zusammenhängendes Ökosystem.
„Ford Pro ist das Rückgrat unseres Europageschäfts", sagt Jim Baumbick, Präsident von Ford in Europa. Um die Fahrzeuge herum habe man "einen Produktivitätsbeschleuniger geschaffen, den unsere Konkurrenz nicht erreichen kann. Wir liefern unseren Kunden nicht nur eine Transportlösung, sondern gesteigerte Wirtschaftlichkeit."
Im ersten Quartal 2026 kletterten die weltweiten kostenpflichtigen Software-Abonnements um 30 Prozent auf 879.000, bei Bruttomargen von über 50 Prozent. Als übergeordnetes Ziel strebt Ford an, 25 Prozent des EBIT von Ford Pro künftig aus Software- und Serviceleistungen zu erzielen.
Ranger Super Duty und Transit City: Zwei neue Nutzfahrzeuge
Für das Nutzfahrzeugsegment kündigt Ford zwei neue Modelle an. Der Ranger – seit elf Jahren in Folge Europas meistverkaufter Pickup – bekommt mit dem Ranger Super Duty eine Variante für die härtesten Einsatzbereiche: Rettungsdienste, Forstwirtschaft, Bergbau und Militär. Das Fahrzeug kommt auf ein zulässiges Gesamtzuggewicht von 8 Tonnen, zieht bis zu 4,5 Tonnen und trägt eine Nutzlast von fast 2 Tonnen. Es ist ab sofort erhältlich.
„Europäische Regierungen und Umrüster für die Verteidigungsindustrie suchen zunehmend nach Serienfahrzeugen, die die extremen Anforderungen des Militärs erfüllen", sagt Baumbick. Der Ranger Super Duty sei der "leistungsfähigste Ranger, der je gebaut wurde" und schaffe ein neues Heavy-Duty-Truck-Segment in Europa. Er ist in großen Stückzahlen direkt ab Werk verfügbar.
Das zweite neue Modell, der Transit City, richtet sich an urbane Flotten. Der rein elektrische Transporter ist speziell für Unternehmen in dicht besiedelten Städten mit Zufahrtsbeschränkungen gedacht. Er ist in einer einzigen Standardkonfiguration in drei Varianten erhältlich – darunter eine Fahrgestell-Version für individuelle Aufbauten. Das Fahrzeug soll noch in diesem Jahr über den Handel beziehbar sein.
Vernetzte Dienste: Mehr Betriebszeit durch Fahrzeugdaten
Kern der Ford-Pro-Strategie sind die Uptime Services. Seit 2019 verlässt jedes Ford-Pro-Fahrzeug mit einem integrierten Modem das Werk.
Heute sind mehr als 1,2 Millionen europäische Fahrzeuge vernetzt und liefern täglich fast sechs Millionen Statussignale. Im vergangenen Jahr ermöglichten diese vernetzten Dienste laut Ford fast eine Million zusätzliche Einsatztage für KundInnen.
Neu sind die Dealer Uptime Services, über die Ford diese Funktionen erstmals auch kleinen Unternehmen erschließt. HändlerInnen können damit den Fahrzeugzustand überwachen, proaktiv auf KundInnen zugehen und Werkstatttermine vorbereiten, bevor das Fahrzeug eintrifft.
Erste Pilotprojekte würden belegen, dass Reparaturzeiten um bis zu 50 Prozent sinken können und 80 Prozent der Reparaturen frühzeitig erkannt werden. Das bedeute wiederum für KundInnen mehr Betriebszeit und höhere Erträge pro Fahrzeug. Für HändlerInnen stehen mehr Serviceaufträge und eine festere Kundenbindung in Aussicht.
Ford Marktanteil Europa: Aufholen nach spürbaren Verlusten
In den vergangenen Jahren hat Ford in Europa erhebliche Marktanteile eingebüßt. Mit rund 426.000 verkauften Fahrzeugen hält der Konzern derzeit nur noch den achten Platz – hinter Mercedes-Benz. Das Werk in Saarlouis wurde geschlossen, am Standort Köln fallen Stellen weg.
Die neue Strategie soll die Trendwende einleiten. Partnerschaften haben dabei einen hohen Stellenwert. „Das sind nicht einfach nur Deals. Das sind strategische Hebel", sagt Baumbick. „Wir arbeiten mit den Besten zusammen, um schnell und in großem Maßstab voranzukommen."
Ford Hybrid und CO2-Strategie: Realismus vor regulatorischer Übereilung
Ford meldet sich deutlich in der europäischen Emissionsdebatte zu Wort. Der Konzern fordert einen Rahmen, der Klimaziele und tatsächliche Verbrauchernachfrage miteinander vereinbart.
CO2-Vorgaben müssten die Infrastrukturrealität abbilden – ein zu rasch erzwungener Wandel könnte die Erneuerungsrate des Fahrzeugbestands bremsen und damit den Emissionsrückgang konterkarieren.
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Ford setzt daher auf Hybrid-Lösungen wie Plug-in-Hybride (PHEVs) und Elektrofahrzeuge mit Range Extender (EREVs) ein. Diese Technologien könnten den Anteil elektrisch gefahrener Kilometer bereits steigern, während die Ladeinfrastruktur in Europa noch ausgebaut wird.
Kritik übt Ford auch an den bestehenden „Made in Europe"-Regeln: Diese müssten die Realität integrierter regionaler Lieferketten und die Rolle von Partnermärkten wie der Türkei, Marokko und Großbritannien anerkennen. Ein Ausschluss dieser Märkte würde die europäische Wettbewerbsfähigkeit schwächen und die Kosten für VerbraucherInnen in die Höhe treiben.
Derzeit sind rund 10 Prozent der neuen Transporter elektrisch – zu wenig, so Ford, weil Unternehmen mit mangelhafter Ladeinfrastruktur und Verzögerungen beim Netzanschluss zu kämpfen haben. Zu ambitionierte Nutzfahrzeugziele kämen einer zusätzlichen Belastung für HandwerkerInnen, BauarbeiterInnen und LieferantInnen gleich.
„Der schnellste Weg zu null Emissionen ist derjenige, den die Kunden tatsächlich einschlagen werden", so Baumbick. "Wir können die Emissionsreduzierung heute mit Hybridtechnologien beschleunigen, die es den Kunden ermöglichen, immer dann elektrisch zu fahren, wenn sie können."