Automobilindustrie 2025 : China als Bedrohung, KI als (letzte) Chance für Autobauer
Auffällig bei den deutschen Autobauern ist derzeit ein Rückgang der Ausgaben für Forschung und Entwicklung um vier Prozent auf 7,7 Milliarden Euro.
- © dieindustrie.at/Mathias KniepeissDie westliche Automobilindustrie sieht sich 2025 weiterhin mit globalen Herausforderungen konfrontiert. Während Hersteller aus den USA und Deutschland unter stagnierender Nachfrage und rückläufigen Gewinnen leiden, konnten asiatische Hersteller – allen voran Konzerne aus China – ihre Marktstellung ausbauen.
Das zeigt eine Analyse der Finanzkennzahlen der 20 weltweit größten Autokonzerne durch das Beratungsunternehmen EY.
Mehr zur Bedrohung des europäischen Automarktes durch China
Im ersten Quartal 2025 stieg der Gesamtumsatz der 20 größten Autokonzerne weltweit zwar um 1,3 Prozent; doch hinter diesem moderaten Anstieg verbergen sich gegenläufige Entwicklungen. Die deutschen und US-amerikanischen Hersteller verzeichneten Umsatzrückgänge von 2,3 bzw. 2,9 Prozent.
Gleichzeitig steigerten die japanischen Autobauer ihre Erlöse um 5,8 Prozent. Besonders deutlich fällt das Plus bei den vier führenden chinesischen Konzernen BYD, Geely, SAIC und Great Wall Motor aus, die gemeinsam ein Umsatzwachstum von knapp 15 Prozent verbuchten.
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„Die westlichen Konzerne müssen sich grundlegend neu ausrichten. Dazu gehören die vollständige Digitalisierung der Unternehmensabläufe und die Vereinheitlichung der Datenstrukturen, um Künstliche Intelligenz umfassend einsetzen zu können."Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY Österreich
Deutliche Gewinnrückgänge bei westlichen Herstellern
Auch auf der Gewinnseite zeigt sich ein deutliches Gefälle: Während die deutschen und US-amerikanischen Autobauer im Quartalsvergleich Gewinneinbußen von 33 bzw. 32 Prozent hinnehmen mussten, fiel das Minus bei japanischen Herstellern mit 16 Prozent etwas geringer aus. Die chinesischen Top-Konzerne konnten ihren Gewinn dagegen um 66 Prozent steigern.
„Die führenden westlichen Automobilhersteller befinden sich in einer Krise. Die schwache Wirtschaftslage führt dazu, dass Konsument:innen zurückhaltender kaufen, während hohe Kosten und das schleppende Wachstum im Bereich der Elektrofahrzeuge die Branche stark belasten", sagt Axel Preiss von EY. "Gleichzeitig verlieren diese Hersteller zunehmend Marktanteile in China, wo lokale Unternehmen die früheren westlichen Marktführer verdrängen.“
Gewinnmargen unter Druck – Geely und Kia vorn
Im ersten Quartal erreichten sechs Autokonzerne eine Gewinnmarge von unter drei Prozent. Besonders profitabel schnitten der südkoreanische Hersteller Kia mit 10,7 Prozent sowie Suzuki mit 10,6 Prozent ab. BMW kam auf 9,3 Prozent, dicht gefolgt von Geely mit 9,2 Prozent – der höchste Wert unter den großen chinesischen Herstellern.
Ein differenziertes Bild zeigt sich bei den chinesischen Konzernen: Während Geely und BYD ihre Gewinne um 324 bzw. 90 Prozent steigern konnten, verzeichneten SAIC und Great Wall Motor Rückgänge um 34 bzw. 52 Prozent.
Umsatzrückgänge auch in der Zulieferindustrie spürbar
Die Entwicklungen in der Automobilindustrie zeigen, dass europäische Zulieferbetriebe stark von den globalen Veränderungen betroffen sind. Gerade kleinere Unternehmen, die von wenigen westlichen OEMs abhängig sind, bekommen die rückläufige Nachfrage besonders zu spüren.
Die Unsicherheit über die Entwicklung in China und US-Strafzölle erhöhen den Druck zusätzlich.
Lesen Sie hier, warum US-Zölle Niederösterreich und Oberösterreich besonders treffen.
"Das Wirrwarr rund um die US-Zölle macht der Autoindustrie in Deutschland zu schaffen", sagt Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl kürzlich im Zuge einer Unternehmensumfrage.
Und eine Befragung des Beratungsunternehmens Baker Tilly ergibt: 60 Prozent der Führungskräfte deutscher Autozulieferer beklagen, dass wegen der geopolitischen Veränderungen und möglicher Handelskonflikte derzeit keine verlässlichen Planungen mehr möglich sind.
Zwei Drittel der Firmen rechnen in den kommenden zwei Jahren außerdem mit einer Marktbereinigung – also damit, dass Anbieter vom Markt verschwinden. Chinesische Anbieter hätten bereits jetzt einen "einen uneinholbaren Vorsprung bei Schlüsseltechnologien".
Stagnierender Absatz und sinkende F&E-Ausgaben bei deutschen Konzernen
Auffällig bei den deutschen Autobauern ist derzeit ein Rückgang der Ausgaben für Forschung und Entwicklung um vier Prozent auf 7,7 Milliarden Euro.
„In den letzten Jahren sind die Forschungsausgaben stetig gestiegen, was jedoch oft auf überholte und ineffiziente Abläufe in diesem Bereich zurückzuführen war“, erläutert Preiss.
Heute liege der Fokus zunehmend auf Effizienz, Zielgerichtetheit und Geschwindigkeit.
Transformation und Digitalisierung im Fokus
Zu vermuten ist, dass die etablierten Hersteller ihre Bemühungen zur Kostensenkung verstärken werden.
"Das Ziel ist eine strategische Straffung", so Preiss. "Die Kostenstrukturen müssen wesentlich wettbewerbsfähiger gestaltet werden. Dies umfasst sowohl den Abbau von Hierarchien als auch eine deutliche Verschlankung der indirekten Bereiche.“
Im Zentrum der strategischen Neuausrichtung stehen kürzere Entwicklungszyklen, schnellere Entscheidungsprozesse und eine umfassende Digitalisierung. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Produktentwicklung und in internen Prozessen gewinnt dabei weiter an Bedeutung. (EY/LB/APA)
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