Standort Österreich unter Druck : China-Schock erreicht Österreich

Chinese engineer working on EV car battery cells module in a electric vehicle factory

Die Konkurrenz aus China verschärft sich und wird zur Gefahr für den heimischen Standort.

- © Keitma - stock.adobe.com

Diese Analyse hat es in sich. Die steigende Importkonkurrenz aus China setzt den Industriestandort Österreich zunehmend unter Druck, ist der deutliche Befund einer neue Analyse des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) und des Büros des Produktivitätsrates der Österreichischen Nationalbank (OeNB). 

Diese deutet auf einen verstärkten China-Schock in Österreich hin - also auf einen deutlich zunehmenden Wettbewerbsdruck durch rasch wachsende, preisgünstige und technologisch fortgeschrittene Importe aus China. Demnach erhöht die wachsende Importkonkurrenz aus China die Wahrscheinlichkeit von Standortverlagerungen und Beschäftigungsabbau in Österreich. Die Ergebnisse basieren auf der jüngsten WIFO-Industriebefragung.

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"China-Konkurrenz nimmt spürbar zu"

China ist mittlerweile der weltweit größte Warenproduzent. Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter hat in vielen für Österreich wichtigen Industriebranchen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Besonders stark war der Anstieg von Importen aus China in technologieintensiven Bereichen, wie etwa bei Datenverarbeitungsgeräten und Elektronik sowie elektrischen Ausrüstungen - hier haben sich die chinesischen Marktanteile zwischen 2007 und 2023 sogar verdreifacht. 

Dennoch zeigen Analysen für den Zeitraum 2013 bis 2022, dass sich besonders betroffene österreichische Unternehmen bei Beschäftigung, Wertschöpfung, Arbeitsproduktivität und Exporten nicht nachweisbar schlechter entwickelt haben. 

Dennoch schlägt sich der steigende Wettbewerbsdruck auf den heimischen Industriestandort nieder. Immer mehr österreichische Industrieunternehmen planen eine Verlagerung in das Ausland - inklusive Jobabbau im Inland. 

Alarmierende Zahlen

Bei Unternehmen mit bedeutenden chinesischen Konkurrenten ist die Wahrscheinlichkeit, eine Verlagerung zu beabsichtigen, um rund 15 Prozent erhöht. Die Wahrscheinlichkeit, einen Abbau von Produktionsarbeitsplätzen zu planen, liegt um rund 18 Prozent höher. Darüber hinaus planen diese Unternehmen um rund 16 Prozent häufiger einen Abbau der Gesamtbeschäftigung an österreichischen Standorten. 

Insgesamt geben rund 30 Prozent aller befragten Industrieunternehmen an, ihre Produktion bis 2030 im Ausland ausbauen zu wollen – bei besonders stark von chinesischer Konkurrenz betroffenen sind es sogar über 40 Prozent. Etwa 35 Prozent planen, zumindest eine Unternehmensfunktion zu verlagern. Besonders häufig betroffen ist dabei die Fertigung. 

Als Hauptgründe werden niedrigere Personalkosten, gefolgt von Energiepreisen, einem als ungünstig empfundenen regulatorischen Umfeld sowie niedrigeren Steuern und Abgaben im Ausland genannt. Als Zielregionen werden vor allem Ost- und Südosteuropa sowie Südostasien, einschließlich China, genannt, während die USA nur von einer kleinen Minderheit als attraktiver Standort gesehen werden. Die Daten machen zudem deutlich, dass wirtschaftspolitische Unsicherheit - insbesondere getrieben durch globale Risikofaktoren wie die internationale Handelspolitik - Investitionen dämpft und Standortentscheidungen beeinflusst. Viele Unternehmen melden rückläufige Ausrüstungsinvestitionen und eine zurückhaltendere Beschäftigungspolitik, während Offshoring- und Outsourcing-Aktivitäten zunehmen. 

„Der steigende Wettbewerbsdruck trifft auf eine Phase erhöhter Unsicherheit und schwacher Industriekonjunktur und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit von Verlagerungen zulasten der heimischen Produktion“, erklärt Manuel Gruber-Német, Ökonom im Büro des Österreichischen Produktivitätsrates der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). 

steel worker and hot steel
Besonders energieintensive Industriezweige geraten unter Druck. - © Laurentiu Iordache - stock.adobe.com
„Der steigende Wettbewerbsdruck trifft auf eine Phase erhöhter Unsicherheit und schwacher Industriekonjunktur und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit von Verlagerungen zulasten der heimischen Produktion
Manuel Gruber-Német, Ökonom im Büro des Österreichischen Produktivitätsrates der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Unternehmen setzen auf Innovation und Qualität

Im vergangenen Jahrzehnt reagierten viele österreichische Industrieunternehmen auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China vor allem defensiv – etwa durch eine geografische Diversifikation, technologische und produktbezogene Spezialisierung und geringere Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die aktuellen Ergebnisse der Industriebefragung deuten jedoch auf einen Strategiewechsel hin: Unternehmen mit starker Konkurrenz aus China planen häufiger eine Verbreiterung oder qualitative Aufwertung ihres Produktportfolios. 

„Das spricht für einen teilweisen Übergang von defensiven zu offensiveren, stärker qualitäts- und innovationsorientierten Marktstrategien. Diese Neuausrichtung erfolgt allerdings in einem weiterhin gedämpften Innovationsumfeld. So lag der Anteil der Unternehmen mit neuen Produkten oder Dienstleistungen im Jahr 2025 laut WIFO-Konjunkturtest bei rund 27 % und damit deutlich unter dem Vorkrisenniveau”, erklärt Autorin Agnes Kügler, ASCII-Vorstandsmitglied und WIFO-Ökonomin. 

Mit Hightech, Innovation und Spezialisierung sind die Antworten der heimischen Industrie auf den Wettbewerbsdruck. So lässt sich der Standort mit neuen strategischen Geschäftsfeldern sichern. Im Bild der Infineon Standort in Villach.
„Das spricht für einen teilweisen Übergang von defensiven zu offensiveren, stärker qualitäts- und innovationsorientierten Marktstrategien.
Agnes Kügler, ASCII-Vorstandsmitglied und WIFO-Ökonomin

Alles hängst an der Standortpolitik

Die Analysen zeigen einen klaren wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf auf zwei Ebenen: Auf europäischer Ebene gehe es darum, faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber China sicherzustellen, etwa durch einen regelbasierten Einsatz von Anti-Dumping-, Antisubventionsinstrumenten oder gegebenenfalls Ausgleichszöllen. Neben fairen Wettbewerbsbedingungen auf EU-Ebene braucht es vor allem eine aktive Standort- und Innovationspolitik. 

„Wir sehen eine Gabelung: Viele Unternehmen verharren bei ihren Kernkompetenzen und geraten jetzt unter Druck. Andere beginnen stärker auf Innovation und Resilienz zu setzen, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Die Wirtschaftspolitik sollte diese Entwicklung durch ihre Standortpolitik unterstützen”, erklärt Kügler. Im Fokus stehen dabei Investitionen in Forschung und Entwicklung, Qualifikation sowie die Stärkung technologischer Kompetenzen. „Ein rein defensiver Ansatz reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Rahmenbedingungen vorfinden, um auf Wettbewerb mit Innovation und technologischer Aufwertung zu reagieren – und nicht mit Verlagerung“, so Gruber-Német. Nur so könne laut den Forscher:innen der Industriestandort Österreich langfristig im globalen Wettbewerb bestehen.

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A hand with the painted flag of Austria shows an OK sign on a dark background. Vertical frame
Die Standortqualität von Österreich wird nun zum entscheidenden Hebel. - © ??????? ??????? - stock.adobe.com