Digitaler Euro Österreich : Kartenzahlung überholt Bargeld in Österreich

Eine Hand gibt einen 50-Euro-Schein in eine professionelle, große Geldkasse voll mit scheinen und Münzen.

Die höheren Kosten für Bargeldzahlung sind auf wesentlich mehr Branchen und Dienstleistungsunternehmen verteilt, die mit ihrer Serviceleistung wiederum Arbeitsplätze schaffen und zum volkswirtschaftlichen Einkommen beitragen. Die Kosten für elektronischen Zahlungsverkehr konzentrieren sich jedoch auf einige wenige Unternehmen. 

- © Adobe Stock/Andrey Popov

Zum Weltspartag 2025 – dem 100. Weltspartag – zeigt eine aktuelle Studie: Kartenzahlung hat sich in Österreich als bevorzugte Zahlungsmethode durchgesetzt. 

Eine repräsentative Umfrage des Kassensystem-Anbieters ready2order offenbart, dass kleinere Betriebe beim bargeldlosen Bezahlen noch immer hinterherhinken und dadurch Umsatzchancen verpassen.

Die Ergebnisse verdeutlichen einen massiven Wandel im Zahlungsverhalten: 61 Prozent der Befragten betrachten die Kartenzahlung inklusive Smartphone und Smartwatch als schnellste Bezahlmethode. Bargeld erreicht in dieser Kategorie lediglich 23 Prozent Zustimmung.
 

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Hintergrund zum 100. Weltspartag

Ins Leben gerufen wurde der Weltspartag auf dem ersten internationalen Sparkassenkongress in Mailand im Oktober 1924, bei dem gleichzeitig das World Savings and Retail Banking Institute (WSBI) gegründet wurde. 

An der Gründungsinitiative waren 29 Länder aus der ganzen Welt beteiligt, darunter auch Österreich. Ziel war es, der Bevölkerung den Umgang mit Finanzen näherzubringen und sie zum Sparen zu motivieren – vor allem ArbeiterInnen und der Mittelklasse sollte die Geldanlage und die Möglichkeit eines kleinen Vermögensaufbaus schmackhaft gemacht werden. Begangen wurde das jährliche Event zum ersten Mal dann ein Jahr später, am 30. Oktober 1925.
 

Richtig Fahrt nahm die Initiative erst in den 1950er-Jahren auf, nachdem sich Bevölkerung und Wirtschaft von dem Schock des Zweiten Weltkriegs einigermaßen erholt hatten. Rückenwind erhielt die österreichische Sparkultur damals vor allem von der Einführung des Schul- und Jugendsparens 1949 sowie durch zahlreiche neu gegründete Sparvereine.

Geschwindigkeit als entscheidendes Kriterium beim Weltspartag Österreich

Die Umfrage zum Weltspartag in Österreich belegt: Tempo an der Kasse steht für KonsumentInnen an oberster Stelle. Während 61 Prozent digitale Zahlungsmethoden als schnellste Option wahrnehmen, sieht nur knapp ein Viertel Bargeld als zeitsparende Alternative.
 

„Unsere Studie zeigt klar, dass die Geschwindigkeit das stärkste Argument für digitale Zahlungsmethoden ist. KundInnen erwarten heute reibungslose Abläufe. Wer ausschließlich auf Bargeld setzt, wirkt aus der Zeit gefallen und vergibt wichtige Chancen", so Markus Bernhart, CEO von ready2order.


Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei jüngeren Altersgruppen: Zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen nutzen im Alltag hauptsächlich Kartenzahlung. In den älteren Altersgruppen liegt der Anteil bei 50 Prozent und höher.

Kleinbetriebe verschenken Umsatzpotenzial bei bargeldloser Zahlung

Fast die Hälfte aller Befragten sieht bei kleineren Unternehmen Aufholbedarf beim Thema bargeldloses Bezahlen. Bei den unter 30-Jährigen fällt diese Einschätzung noch deutlicher aus.
 

Arnold Blüml, CGO von ready2order, warnt: „Die Ergebnisse sind ein Weckruf. Kleine Unternehmen unterschätzen, wie stark KundInnen Kartenzahlung erwarten. Unsere Studie zeigt, dass fast 60 Prozent aller Befragten überzeugt sind, dass Unternehmen ohne bargeldlose Optionen Umsätze verlieren, bei den Jüngeren sind es sogar fast drei Viertel."

Bargeld verliert europaweit an Bedeutung

Digitales Geld ist auch in Rest-Europa auf dem Vormarsch.
 

Laut der „Payments and Open Banking Survey 2025" von Strategy& bezahlen in Europa immer weniger Menschen ihre Einkäufe bevorzugt bar.Waren es noch 37 % im Jahr 2022, sind es nunmehr 23 %.

An der Spitze der bevorzugten Zahlungsarten steht inzwischen die klassische Debitkarte, mit der 40 % der Befragten bezahlen. Auf den weiteren Plätzen folgen Kreditkarten (22 %) sowie mobile Payment-Apps oder Wallets (14 %).

Auch wenn in Österreich die Bargeld-Liebe deutlich zurückgeht, wird hier im Europavergleich noch relativ häufig bar bezahlt. Damit ist Österreich das einzige europäische Land, in dem digitales Geld in Form von Karten oder Apps Bargeld noch nicht ganz abgelöst hat.

Einen umfassenden Überblick über Die Zukunft des Geldes in Europa finden Sie hier.

  • Portrait JOHANNES GÄRTNER, Director bei Strategy& Deutschland
    „Auch in Österreich beobachten wir, wie sich die Präferenzen der Kund:innen hin zu digitalen Angeboten verschieben.“

    Johannes Gärtner, Director bei Strategy& Deutschland

Neue Anbieter drängen in den Markt für digitales Bezahlen

Die Strategy&-Studie zeigt, dass sich nicht nur die Zahlungsmethoden, sondern auch die Erwartungen der Kund:innen stark verändern. Immer mehr Verbraucher:innen legen Wert auf benutzerfreundliche Banking-Apps, integrierte Plattformlösungen und Individualisierung. Besonders auffällig: 70 % der Europäer:innen – in Österreich immerhin 50 % – können sich vorstellen, ein Konto bei einem Technologieunternehmen wie Google, Apple oder Paypal zu eröffnen.

„Die europäische Zahlungslandschaft befindet sich derzeit inmitten eines tiefgreifenden Paradigmenwechsels“, sagt Johannes Gärtner, Director bei Strategy& Deutschland. „Auch in Österreich beobachten wir, wie sich die Präferenzen der Kund:innen hin zu digitalen und individualisierbaren Angeboten verschieben.“

© Adobe Stock/aerogondo

Kartenzahlung Österreich: Wien ist Vorreiter, Bundesländer holen auf

Die regionalen Unterschiede beim kontaktlosen Bezahlen fallen deutlich aus. 

In Wien dominiert die Kartenzahlung mit 70 Prozent, Bargeld kommt nur noch auf 30 Prozent. Bemerkenswert ist der vergleichsweise hohe Anteil an Mobile Payment mit 16 Prozent in der Bundeshauptstadt.


In der Steiermark, Kärnten sowie in Tirol und Vorarlberg hat die Kartennutzung einen leichten Vorsprung. In Oberösterreich, Salzburg, Niederösterreich und dem Burgenland halten sich die Zahlungsmethoden die Waage. 

Der Anteil mobiler Zahlungen liegt im Westen mit 14 Prozent deutlich über dem Osten mit 10 Prozent – Wien ausgenommen.

Was ist kostengünstiger: Bargeld oder digitales Geld?

Laut einer Studie des Research Center for Financial Services der Berliner Steinbeis-Hochschule von 2013 ist der elektronische Zahlungsverkehr volkswirtschaftlich günstiger. Man hat damals ausgerechnet, dass in Deutschland die Kosten für Barzahlung jährlich etwa 12,5 Milliarden Euro verschlingen. 

Eingerechnet wurden beispielsweise die Personal- und Transportkosten für Bargeld sowie Lagerung und Versicherungsleistungen. Demgegenüber sollen die Gesamtkosten für kartenbasierte Zahlungssysteme nur bei 800 Millionen Euro liegen. 

Zwar räumt die Studie ein, dass es für Beträge unter 6,20 Euro noch günstiger ist, mit Bargeld zu zahlen, bei allem darüber wäre jedoch die elektronische Zahlung volkswirtschaftlich lukrativer. Der Kleinzahlungsverkehr stellt allerdings die überwiegende Mehrheit aller getätigten Transaktionen dar.

Eine genaue Berechnung, wie sich die volkswirtschaftlichen Kosten tatsächlich verhalten und wie sich der zunehmende elektronische Zahlungsverkehr auf die Preisentwicklung auswirkt, gab es lange nicht – bis 2018 die deutsche Bundesbank mit einer Studie aufhorchen ließ. 

Von den diversen Anbietern elektronischer Zahlungsdienste wird in den Medien und via Werbung immer vorgegeben, dass die elektronische Zahlung schneller und praktischer sei. Das will die Studie der Deutschen Bundesbank widerlegt haben. Die Barzahlung sei im Durchschnitt schneller als mit der Karte. 

Außerdem wurden auch durch die Bundesbank erstmals die Transaktionskosten der unterschiedlichen Zahlungsmethoden detaillierter aufgeschlüsselt. Würden alle Käufe ausschließlich in einer Zahlungsart bezahlt werden, sehen die Transaktionskosten wie folgt aus: Barzahlung: 1,12 Prozent des Umsatzes, Bankomatkarte: 1,14 Prozent des Umsatzes, Kreditkarte: zwischen 2,26 und 2,52 Prozent des Umsatzes. 

Die Studie zeigt demnach: Je mehr elektronische Zahlungsmittel verwendet werden, desto stärker steigen die Kosten.

  • Portrait Hendrik Bremer, Senior Executive Advisor bei Strategy& Österreich
    "Es braucht neue Ansätze für die Bargeldversorgung – etwa durch Kooperationen mit Einzelhändlern oder Bankautomaten-Allianzen."

    Hendrik Bremer, Senior Executive Advisor bei Strategy& Österreich 

Laut der ready2order-Studie werde allerdings häufig übersehen, dass auch Bargeld erhebliche Kosten verursacht – von Wechselgeld über Bankeinzahlungen bis hin zu Sicherheitsmaßnahmen und Falschgeldrisiken.

Die Kosten des Bargeld-Managements können demnach bis zu drei Prozent des Monatsumsatzes erreichen, während Kartenzahlungen durchschnittlich unter zwei Prozent liegen. 

„Bargeld ist keineswegs kostenlos. Ganz im Gegenteil, Kartenzahlung ist effizienter, sicherer und für Betriebe wirtschaftlicher", sagt Blüml. "Gleichzeitig sehen wir bei unseren KundInnen üblicherweise Umsatzsteigerungen zwischen 10 und 20 Prozent, sobald Kartenzahlung angeboten wird."

Der digitale Euro wäre ein elektronisches Zahlungsmittel, nur mit dem Unterschied, dass er von der Europäischen Zentralbank garantiert und als gesetzliches Zahlungsmittel im gesamten Euroraum akzeptiert wäre.

Bargeld – von Vorteil für Unternehmen und Volkswirtschaft?

Kritiker der elektronischen Zahlungsmittel warnen schon lange, dass vor allem für Klein- und Mittelunternehmen die Kosten elektronischer Zahlungsvorgänge oft unrentabel sind und eine unterschätzte Belastung darstellen. 

Lesen Sie hier, wie die zunehmende bargeldlose Zahlung beim Personal zusätzliche Sozialabgaben verursacht.

Die meisten Studien, so auch die der Steinbeis-Hochschule, werden zudem von Kreditkarteninstituten beauftragt oder mitfinanziert und nach wie vor zitiert. Die Objektivität und die methodische Verlässlichkeit sind hinterfragenswert. 

Was auch keine Berücksichtigung erfährt, ist die volkswirtschaftliche Verteilung der Kosten des Zahlungsverkehrs. Die höheren Kosten für Bargeldzahlung sind auf wesentlich mehr Branchen und Dienstleistungsunternehmen verteilt, die mit ihrer Serviceleistung wiederum Arbeitsplätze schaffen und zum volkswirtschaftlichen Einkommen beitragen. Die Kosten für elektronischen Zahlungsverkehr konzentrieren sich jedoch auf einige wenige Unternehmen. 

Es findet also zunehmend ein schleichender Kapitaltransfer zu einer Handvoll Konzerne statt und die Gefahr von Monopolbildungen ist hoch. Wenn elektronische Zahlungen annähernd flächendeckend Anwendung finden, kommen die anfallenden Gebühren quasi einer Besteuerung des Zahlungsvorganges gleich. Noch dazu wandern Gewinne der Kreditkartenunternehmen mehrheitlich ins Ausland ab und landen schließlich als Dividende bei Aktionären. 

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Kreditkartenbetrug steigend

Bargeldgegner argumentieren gerne, dass mit elektronischen Bezahldiensten Kriminalität und Steuerbetrug bekämpft werden. Dabei steigt der Schaden etwa durch Kreditkartenbetrug jährlich. 

Laut Norton-Cyber-Security-Insights-Report belief sich der Schaden durch Cyberkriminalität weltweit bereits 2017 auf unglaubliche 172 Milliarden US-Dollar. Tendenz steigend. 

Elektronische Zahlungssysteme sind weitaus anfälliger und Betrug wird oft erst spät vom Kunden bemerkt. Zudem müssen Banken und Dienstleister immer mehr Geld für Sicherheitsprogramme ausgeben, sodass sich der finanzielle Vorteil elektronischer Zahlungen in Zukunft relativieren könnte.

Datenüberwachung und Wertschöpfungsverluste

Besonders problematisch ist auch die Speicherung von digitalen Transaktionen und Zahlungsvorgängen

Wie die „Payments and Open Banking Survey“ festhält, ist eine der zentralen Entwicklungen zur Zeit der Trend zu Open Banking. 63 % der Befragten in Europa sind bereit, persönliche Bankdaten zu teilen, wenn sie dafür Rabatte oder Zusatzleistungen erhalten. In Österreich liegt dieser Anteil bei rund 50 %.

„Zugleich fassen Herausforderer wie Neobanken und Fintechs immer stärker Fuß im Markt“, so Strategy&-Deutschland-Director Johannes Gärtner. „Regulatorische Initiativen wie Open Finance und neue Interoperabilitätsanforderungen fachen den Wettbewerb zusätzlich an.“

Die elektronische Zahlungsinfrastruktur ist dabei beinahe gänzlich in der Hand von US-amerikanischen Zahlungsdiensten und Finanzinstituten. Europäischen Regierungen ist es kaum möglich, die Datensicherheit ihrer Bürger:innen zu gewährleisten. 

Zudem sind Kreditkartenunternehmen private Konzerne, die mit der Speicherung von Kundendaten zudem einen weiteren Geschäftszweig eröffnen – den Verkauf von Informationen. Data-Mining ist in Wahrheit das wirklich große Geschäft dahinter. 

Durch die Auswertung von Zahlungsvorgängen lässt sich über jeden Menschen ein sehr genaues Profil erstellen. Diese Profile sind nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Regierungen sehr interessante Konsumenteninformationen, die offen legen, wofür bzw. wie viel Geld die Bürger:innen ausgeben. Und diese Daten werden bis auf wenige Ausnahmen von US-amerikanischen Unternehmen verwaltet.

Auch die komplette Zahlungsstruktur wird von US-Unternehmen dominiert. Es gibt kein einziges größeres europäisches Kreditkartenunternehmen. Somit geben die europäischen Regierungen auch zunehmend die Kontrolle über den Zahlungsverkehr ab, womit eine gefährliche Abhängigkeit entsteht. 

Bargeld stellt nicht nur für die Bürger:innen einen gewissen Grad an Souveränität dar, sondern auch für die Staaten selbst, die deren Nutzung verwalten. Den europäischen Ländern drohen in Wahrheit mit einer Zurückdrängung von Bargeld große Wertschöpfungsverluste. Nicht nur die Gebühren für den Zahlungsverkehr fließen an, sondern auch die Profite aus dem Geschäft mit den Daten.

Bisher wurden die Wertschöpfungsverluste nicht genau ermittelt, doch Schätzungen zufolge gehen diese in den zweistelligen Milliardenbereich

(LB/SR/APA)

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