Verteidigungsausgaben Österreich : Panzer im Sonderangebot, Wohnen und Lebensmittel im Höhenflug
Die EU steckt mitten in einem Paradigmenwechsel: Sicherheit, Verteidigung und Geopolitik dominieren zunehmend die wirtschaftspolitische Agenda
- © studio v-zwoelfPanzer werden billiger – dank Skalierung und Automatisierung. Armin Papperger, Chef des größten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, spricht von fallenden Preisen trotz explodierender Nachfrage.
Der Grund: Skaleneffekte. Rheinmetall hat seine Munitionsproduktion verzehnfacht, automatisiert Prozesse, baut neue Werke – etwa in Niedersachsen – und erweitert sein Portfolio durch internationale Kooperationen, z. B. mit Leonardo aus Italien oder Lockheed Martin aus den USA.
„Wir sind in der Lage zu liefern“, so Papperger. Und das offenbar günstiger als je zuvor. Die operative Gewinnspanne stieg um 18 %, der Umsatz mit Munition erreichte ein Allzeithoch. Das zeigt: Verteidigungsinvestitionen zahlen sich – zumindest für die Industrie – bereits jetzt aus.
Doch wie steht es um die Bürgerinnen und Bürger?
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Lebensmittel im Höhenflug
Während die Panzer günstiger werden, sorgt die neue EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) für einen spürbaren Preisschub bei Lebensmitteln. Produkte wie Kaffee, Rindfleisch oder Kakao dürfen ab Ende 2025 nur noch importiert werden, wenn ihre Herstellung keine Entwaldung nach 2020 verursacht hat.
Gut gemeint, aber laut Handelsverbänden schlecht gemacht.
Rainer Will, Chef des österreichischen Handelsverbands, warnt: „Die Idee ist richtig – die Umsetzung katastrophal.“
Denn selbst Länder mit steigender Waldfläche – wie Österreich – unterliegen der Pflicht, GPS-Daten und Herkunftsnachweise selbst für verarbeitete Produkte zu liefern. Eine Bürokratie-Maschine ohne Rücksicht auf die Realität kleiner Betriebe. Folge: steigende Kosten, drohende Engpässe bei Fairtrade- und Bioprodukten – und damit höhere Preise im Supermarkt.
Fairtrade Deutschland schlägt in die gleiche Kerbe: Die Umsetzung bürde den Unternehmen hohe Lasten auf – und die Kunden zahlen am Ende die Zeche.
Wohnraum: Mangelware – und unbezahlbar für viele
Parallel dazu explodieren die Wohnkosten in der EU. Zwischen 2015 und 2023 stiegen die Immobilienpreise im Schnitt um 47 % – in Deutschland um fast 49 %, in Österreich sogar um fast 64 %. In Ungarn wurden Häuser um unglaubliche 173 % teurer.
Die Mieten zogen ebenfalls kräftig an – durch knapperes Angebot, gestiegene Baukosten, höhere Zinsen und den Boom bei Kurzzeitvermietungen.
Besonders bitter: Laut Eurostat müssen in vielen Ländern mehr als 40 % des verfügbaren Einkommens für Wohnen aufgebracht werden – in Griechenland sind es sogar 31 % der Stadtbevölkerung, die unter dieser Last leiden. Leistbarer Wohnraum wird damit zur Ausnahmeerscheinung – und die Lage verschärft sich weiter.
Ein fragwürdiges Gleichgewicht: Prioritäten der EU-Finanzpolitik
Die EU steckt mitten in einem Paradigmenwechsel: Sicherheit, Verteidigung und Geopolitik dominieren zunehmend die wirtschaftspolitische Agenda. Ohne Zweifel ist angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine die Aufrüstung vieler Mitgliedsstaaten nachvollziehbar.
Doch während für Panzer Milliarden locker gemacht werden und massive Budgets Richtung Verteidigungssektor verschoben werden, geraten soziale Grundpfeiler wie Wohnen und Ernährung immer stärker unter Druck.
Letztendlich stammt das Geld für Panzer und Co. von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahler der Mitgliedsstaaten.
Wenn Panzer günstiger werden – Brot, Butter und ein Dach über dem Kopf hingegen unbezahlbar –, dann läuft etwas aus dem Gleichgewicht. Die aktuelle EU-Politik setzt wirtschaftliche Impulse – aber in eine Richtung, die viele Bürgerinnen und Bürger kritisch sehen dürften.
Sicherheit ist mehr als Verteidigung: Sie umfasst auch soziale Stabilität, leistbares Leben und eine faire Versorgung.
Eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik misst sich nicht nur an vollen Auftragsbüchern bei Rüstungsfirmen – sondern auch an der Lebensrealität der Menschen. Und diese besteht vor allem darin, wie viel für die Kosten des täglichen Lebens ausgegeben werden müssen.
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