EU Haushalt : EU-Haushaltsflexibilität: Gut gemeint – schlecht gesteuert?

Ein Sparschwein und Münzen vor dem Hintergrund einer EU-Flagge und weiter hinten eine Stadt

Ein undurchsichtiges System, das auf dem Papier krisenfest wirkt. In der Praxis aber könnte es an Schlagkraft einbüßen.

- © Антон Сальников

Der Europäische Rechnungshof hat in einem aktuellen Bericht die Flexibilität des EU-Haushalts auf den Prüfstand gestellt. 

Das Ergebnis pendelt zwischen Anerkennung und deutlicher Kritik: Zwar habe die EU mit Hilfe flexibler Finanzierungsinstrumente auf eine Vielzahl akuter Herausforderungen reagieren können. Doch die Mechanismen seien zu komplex, wenig zielgerichtet und teilweise unkoordiniert. 

Dies könnte potenziell gefährliche Folgen für künftige Notlagen haben.

"Die EU konnte mit ihren Flexibilitätsinstrumenten durchaus wirksam auf neue Krisen reagieren", erklärt Jorg Kristijan Petrovič, zuständiges Mitglied des Europäischen Rechnungshofs. 

Doch: Die Bedingungen für deren Einsatz seien oft zu ungenau definiert. Die Instrumente überlappen sich und es fehle eine klare Priorisierung. 

Das Resultat: ein undurchsichtiges System, das auf dem Papier krisenfest wirkt. In der Praxis aber könnte es an Schlagkraft einbüßen.

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  • Jorg Kristijan Petrovič, Mitglied des Europäischen Rechnungshofs
    "Die EU konnte mit ihren Flexibilitätsinstrumenten durchaus wirksam auf neue Krisen reagieren"

    Jorg Kristijan Petrovič

EU-Budget: Haushaltsakrobatik mit Risiko

Zwischen 2021 und 2024 nutzte die EU ihre Haushaltsreserven intensiv. Gelder flossen unter anderem in die humanitäre Hilfe. Sie dienten zur Abfederung der Energiepreiskrise infolge des Ukraine-Kriegs und zur Bekämpfung der Inflation. In manchen Fällen wurden Mittel sogar ohne einen konkreten Auslöser mobilisiert.

Die Prüfer kritisieren, dass es an strukturierten Bedarfs- und Risikoanalysen mangelte. So etwa durch den Verzicht auf systematische Prognosen oder Trendbewertungen bei Naturkatastrophen oder wirtschaftlichen Verwerfungen.

Ein zentrales Problem: Ohne klare Kriterien zur Mittelvergabe droht eine Übernutzung der Reserven

Bereits in den ersten Jahren des aktuellen Haushaltszeitraums (2021–2027) wurden einige Flexibilitätstöpfe nahezu ausgeschöpft. Dies hat potenziell gravierende Folgen für die Reaktionsfähigkeit in der verbleibenden Laufzeit.

Finanzierungsinstrumente der EU: Ein Flickenteppich

Insgesamt kritisieren die Prüfer einen "überfrachteten und wenig stringenten" Instrumentenmix. Neben dem regulären Haushaltsrahmen wurden neue Sonderinstrumente geschaffen – etwa zur Deckung steigender Zinskosten für das Aufbaupaket NextGenerationEU oder zur Finanzierung der Ukraine-Fazilität.

Allein im aktuellen Finanzrahmen beträgt der Flexibilitätsspielraum inzwischen rund 28 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 2,6 % des Gesamthaushaltsvolumens. Ein Wert, der zwar im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich ist – aber angesichts der Vielzahl gleichzeitiger Krisen stößt er bereits an seine Grenzen.

Europäischer Rechnungshof fordert Reform – und Realismus

Die Empfehlung des Rechnungshofs ist deutlich: Die EU braucht vereinfachte, intelligentere und vorausschauender gestaltete Regeln für Haushaltsflexibilität. 

Dazu gehört auch, alternative Finanzierungsquellen zu prüfen und Notfallmechanismen gezielter zu gestalten. Etwa mit klaren Kriterien für Mittelabrufe oder speziellen Krisenpuffern.

Kritisch sehen die Prüfer auch, dass die EU-Kommission bei der jüngsten Ausweitung der Flexibilität (für den Haushalt 2021–2027) keine ausreichende Bedarfsanalyse vorlegte. Dabei seien gerade bei wachsender Unsicherheit verlässliche Entscheidungsgrundlagen unerlässlich. Sei es durch geopolitische Spannungen, Naturkatastrophen oder ökonomische Schocks.

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Handlungsbedarf erkannt, aber nicht gebannt

Die EU hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie finanzpolitisch flexibel agieren kann – und muss. Doch die aktuelle Architektur des Haushaltsrahmens ist weder effizient noch krisenresistent genug, um dauerhaft tragfähig zu bleiben. 

Wenn Brüssel die Lehren aus dem heutigen Bericht ernst nimmt, könnte die nächste Haushaltsrunde deutlich robuster – und transparenter – ausfallen.

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