Bürgermeister-Wahl Linz : Dietmar Prammers Sieg: Was bedeutet er für Linz, SPÖ und FPÖ?
Inhalt
- Die Hintergründe: Brucknerhaus-Affäre und Rücktritt von Klaus Luger
- Dietmar Prammer: Vom Stadtrat zum Bürgermeister
- Politische Schwerpunkte und erste Maßnahmen
- Starkes Finale der Wahlkampagne
- Herausforderungen für die Amtszeit bis 2027
- Nach der Wahl ist vor der Wahl
- Wie geht es für die FPÖ weiter?
- Signal für den Wirtschaftsstandort: SPÖ Linz setzt auf Thomas Gegenhuber

Am Tag der Stichwahl war Dietmar Prammer (rechts neben Michael Raml) sichtlich erleichtert über das Ergebnis.
- © GregorHartl.atAm 26. Jänner fand in Linz die Stichwahl zur Neubesetzung des Bürgermeisteramts statt. In der entscheidenden Wahlrunde setzte sich schließlich der SPÖ-Kandidat Dietmar Prammer durch.
Prammer gewann mit 77,1 Prozent der Stimmen gegen seinen Kontrahenten Michael Raml von der FPÖ, der 22,9 Prozent erreichte. Die Wahlbeteiligung lag bei ernüchternden 42,2 Prozent.
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Die Hintergründe: Brucknerhaus-Affäre und Rücktritt von Klaus Luger
Die Notwendigkeit für diese vorgezogene Wahl ergab sich aus der Brucknerhaus-Affäre, in deren Verlauf bekannt wurde, dass Klaus Luger dem damaligen künstlerischen Leiter des Brucknerhauses, Dietmar Kerschbaum, vor dessen Hearing im Jahr 2017 die Fragen zugespielt hatte.
Diese Enthüllungen führten schließlich zu Lugers Rücktritt im August 2024.
Dietmar Prammer: Vom Stadtrat zum Bürgermeister
Obwohl Dietmar Prammer bei diesem – für alle überraschenden – Wahlgang noch keinen hohen Bekanntheitsgrad hatte, gelang es ihm dennoch, in dieser schwierigen Situation einiges gut zu machen und die Linzer SPÖ vor einem Absturz zu bewahren.
Prammer, geboren 1974, war vor seiner Kandidatur als geschäftsführender Vizebürgermeister und Stadtrat für Wohnbau und Immobilien in Linz tätig. Nach seiner Nominierung durch den SPÖ-Bezirksparteivorstand im August 2024 wurde der Jurist in einer Mitgliederbefragung mit 95,5 Prozent als Kandidat bestätigt.
Politische Schwerpunkte und erste Maßnahmen
Zuletzt sorgte Prammer mit einer geplanten Ediktalverordnung für Aufsehen: Unter gewissen Voraussetzungen sollen demnach in Linz künftig PV-Anlagen auf Neubauten verpflichtend sein.
Aktuell befindet sich diese Verordnung, die mit Experten, der Architektenkammer und der Linz AG abgestimmt wurde, in Begutachtung.
Wirklich ernsthafte Konsequenzen könnte Prammers überraschender Stopp für den Bau der Digitaluni im Linzer Grüngürtel nach sich ziehen. Minister Polaschek zeigte sich jedenfalls empört über diese Kehrtwende, die aber auch dazu beitrug, dass die SPÖ in Linz ein Debakel als „Betoniererpartei“ abwenden konnte.
Starkes Finale der Wahlkampagne
Dietmar Prammer ist es bis in die Stichwahl gelungen, das angestammte Wählerpotenzial zu mobilisieren. Mehr noch: Trotz niedriger Wahlbeteiligung konnte er im zweiten Durchlauf eindeutig mehr Wähler aus anderen Parteien für sich gewinnen.
„Da wird es viele Menschen geben, die ein Zeichen setzen wollten für ein Miteinander“, so Prammer, der selbst vom Erfolg der Stichwahl überrascht war und damit auch auf die bundespolitische „Wetterlage“ anspielte.
Er selbst führt das gute Ergebnis zudem darauf zurück, dass die Linzer allgemein mit der Entwicklung der Stadt zufrieden wären.
Herausforderungen für die Amtszeit bis 2027
Nach seinem Amtsantritt wird Dietmar Prammer die Geschicke der Stadt bis zur regulären Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl im Herbst 2027 leiten.
Er hat also nur ein relativ kleines Zeitfenster, um als Bürgermeister auch Ergebnisse zu liefern. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil 2027 die Karten nicht nur einfach neu gemischt werden, sondern aufgrund der Kombination mit der Landtags- und Gemeinderatswahl auch die Wahlbeteiligung erfahrungsgemäß deutlich höher ausfallen wird.
Nach der Wahl ist vor der Wahl
Sein Rivale Michael Raml, Jahrgang 1987, erwartet sich dadurch einen Vorteil, und bei einer Niederlage der SPÖ müsste er dann auch nicht gegen eine SPÖ-Mehrheit im Gemeinderat regieren, wie das nach der jüngsten Stichwahl zumindest hypothetisch der Fall gewesen wäre.
Das Abschneiden der FPÖ ist in der traditionellen SPÖ-Hochburg durchaus als ein historisches Ergebnis zu werten: Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Linz hat es mit Michael Raml ein FPÖ-Kandidat in die Stichwahl geschafft und konnte dabei gleich vier namhafte Mitbewerber im ersten Wahlgang hinter sich lassen.
„Politik ist oft das Bohren dicker Bretter und diesmal hat es noch nicht für den Stichwahlsieg gereicht, aber die rote Vorherrschaft in Linz hat schon ordentlich Risse bekommen. Dann werden wir wieder alles daransetzen, damit unsere freiheitliche Politik auch im Bürgermeisteramt ankommt und ich werde mich wieder als erster Herausforderer präsentieren“, zeigt sich Raml zuversichtlich.
Wie geht es für die FPÖ weiter?
Für ihn wird es wohl wichtig sein, die Kernwählerschaft noch stärker zu mobilisieren – auch bis in eine mögliche Stichwahl hinein. Zudem zeigen die Wählerstromanalysen, dass der moderate Kurs durchaus Potenzial hätte, um auch ÖVP-Wähler sowie das große Potenzial bisheriger Nichtwähler anzusprechen.
Im Verhältnis zu Wien als mondäner Hauptstadt konnte sich Linz zuletzt recht erfolgreich als kreative „Second City“ positionieren, weshalb neben Law & Order-Themen bei der Bevölkerung auch Weltoffenheit gefragt ist.
Und natürlich wird der Wahlausgang in zwei Jahren auch davon abhängen, wie es dem neuen Bürgermeister Prammer gelingt, seine Popularität auszubauen und wie eine neue Bundesregierung – eventuell mit einem Bundeskanzler Kickl – bei den Linzern reüssieren kann.
Signal für den Wirtschaftsstandort: SPÖ Linz setzt auf Thomas Gegenhuber
Die SPÖ Linz setzt auf frischen Wind: Professor Thomas Gegenhuber übernimmt ab Februar 2025 als Stadtrat das Ressort Wirtschaft und Innovation.
Der renommierte Wissenschaftler bringt umfassende Expertise in den Bereichen digitale Transformation und soziale Innovation mit. Seine Ernennung wurde von der SPÖ-Gemeinderatsfraktion einstimmig bestätigt.
Dietmar Prammer präsentierte die Personalentscheidung voller Zuversicht: „Mit Thomas Gegenhuber gewinnen wir einen innovativen Kopf, der unsere Stadtpolitik bereichern wird. Seine Arbeit zeigt, dass er den Mut hat, neue Wege zu gehen und Brücken zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu bauen.“
Besonders im Erhalt des Industriestandortes sieht die SPÖ Linz ein zentrales Thema, das durch Gegenhubers Expertise zukunftsorientiert gestaltet werden soll.
Seit 2021 ist Thomas Gegenhuber Professor an der Johannes Kepler Universität Linz. Als Leiter des Linz Institute for Transformative Change konzentriert er sich auf die Erforschung sozialer und digitaler Innovationen. Sein Fokus liegt darauf, gesellschaftliche Herausforderungen durch innovative Kooperationsformen zu bewältigen.
„Ich freue mich, künftig aus der Stadtpolitik heraus dazu beizutragen. Ich will innovative und nachhaltige Lösungen für Linz entwickeln und meine Erfahrungen in der Praxis umsetzen“, so Gegenhuber.