Rondo Ganahl : Rondo Ganahl: Reststoffkraftwerk Frastanz erhitzt die Gemüter

Visualisierung des geplanten Reststoffkraftwerks von Rondo Ganahl in Frastanz (Vorarlberg) zur Erzeugung von thermischer Energie.

Visualisierung des geplanten Reststoffkraftwerkes

- © Rondo Ganahl AG

Ein einziges Projekt könnte den Gasverbrauch Vorarlbergs auf einen Schlag um sieben Prozent senken. Trotzdem läuft das geplante Reststoffkraftwerk des Wellpappeherstellers Rondo Ganahl in Frastanz (Bezirk Feldkirch) und weiterer Projektpartner im Genehmigungsverfahren in Gegenwind. Die Gemeindevertretung sprach sich kürzlich einstimmig dagegen aus, AnrainerInnen sorgen sich um Mehrverkehr und die Luftqualität.

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Im Zuge der Abkehr von fossilen Brennstoffen arbeitet Rondo seit Jahren an dem 110-Millionen-Euro-Vorhaben. Laut eigenen Angaben würde das Kraftwerk in Frastanz den Gasverbrauch des Unternehmens um 90 Prozent reduzieren. 

Die Anlage soll aufbereitete Reststoffe als Brennstoff nutzen und damit die notwendige Prozesswärme für die Papier- und Wellpappefabrik liefern – eine Funktion, die bislang ausschließlich Gas übernahm. 

Das macht die Rondo Ganahl AG zum größten Gasabnehmer Vorarlbergs: Jährlich werden rund 14 Mio. Normkubikmeter Gas bzw. 150 GWh thermische Energie verbraucht, was dem Jahresbedarf von rund 10.000 Haushalten entspricht.

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Reststoffkraftwerk: Energie aus Papierproduktionsrückständen

Das 35 Meter hohe Kraftwerk Frastanz mit einem 45-Meter-Kamin soll 140 GWh Wärme und 60 GWh Strom erzeugen. Als Brennstoff sind großteils Rückstände aus der Papierproduktion sowie Wert- und Reststoffe von Vorarlberger Entsorgern vorgesehen. Derzeit werden diese noch zur Verwertung ins Ausland transportiert. 

Die erzeugte Energie käme nicht nur Rondo Ganahl und benachbarten Betrieben wie der Brauerei Frastanz zugute, sondern könnte auch bis zu 500 Haushalte versorgen. Das Reststoffkraftwerk sichere 450 Arbeitsplätze in der Region, stärke Vorarlbergs Unabhängigkeit und bringe wirtschaftliche Vorteile für den Standort, so die Argumentation der BetreiberInnen.
 

Seit Oktober 2025 läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Eine Entscheidung erwartet man Ende 2026. Die BetreiberInnen setzen auf modernste Rauchgasreinigung, die alle gesetzlichen Grenzwerte unterschreiten soll. Der Zusatzverkehr auf der L190 – derzeit täglich von rund 500 Lkw befahren – wird laut Berechnungen auf 37 weitere Lkw bzw. 74 zusätzliche Lkw-Fahrten täglich beziffert. Geruchsbelästigungen seien keine zu erwarten, für Natureingriffe wurden Kompensationsmaßnahmen festgelegt. Eine Gefährdung des Grundwassers sei durch das "Weiße Wanne"-Prinzip ausgeschlossen, so Rondo auf der Projekseite.

Gemeindevertretung lehnt Kraftwerk Frastanz einstimmig ab

Als Rondo 2022 die Pläne öffentlich machte, zeigte sich Frastanzs Bürgermeister Walter Gohm (ÖVP) noch überzeugt davon. Vergangene Woche erteilte die Gemeindevertretung dem Reststoffkraftwerk mit ihrer ablehnenden Stellungnahme jedoch einen deutlichen Dämpfer. 

Bedenken bestehen wegen der Nähe zu Wohngebieten, der Auswirkungen auf das Ortsbild, des Trinkwasserschutzes und der Lage rund zwei Kilometer vom Natura-2000-Gebiet "Frastanzer Ried" entfernt.
 

Zusätzlich zweifelt die Gemeinde an der Dimensionierung des Kraftwerks Frastanz: Die benötigten Reststoffmengen seien regional nicht ausreichend verfügbar, zusätzliche Transporte würden Lärm- und Luftschadstoffbelastung verschärfen. Ein Bahnanschluss sei daher "zwingend erforderlich". Auch von GegnerInnen des Projekts kommt der Vorwurf des "Mülltourismus" – sie wollen vor dem Landhaus protestieren.

Forderung nach Energieraumplan und Prüfung von Alternativen

Die Frastanzer Gemeindevertretung fordert vom Land die Erarbeitung eines übergeordneten Energie- und Wärmeraumplans sowie die Prüfung von Alternativen für den Energieverbrauch Vorarlbergs. Darüber hinaus vertritt sie "die Auffassung, dass die Verbrennung von Reststoffen keine Aufgabe privater Unternehmen ist". 

Die negative Stellungnahme sei "das Ergebnis einer sorgfältigen und verantwortungsbewussten Abwägung der konkreten Projektfolgen für Frastanz", erklärte Bürgermeister Gohm.
 

Rondo Ganahl meldete sich am 20. April erstmals öffentlich zu Wort – von der ablehnenden Haltung der Gemeindevertretung hatte man nach eigenen Angaben aus den Medien erfahren. "Wir stehen auch weiterhin für eine sachliche Auseinandersetzung zur Verfügung", sagte Vorstandsvorsitzender Hubert Marte. Man vertraue auf das laufende UVP-Verfahren und sei überzeugt, "dass sämtliche Aspekte bewertet werden und so Rechtssicherheit für alle geschaffen wird". Nur eine autarke Energieversorgung werde die Arbeitsplätze in Frastanz langfristig absichern.
 

Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP) zeigte sich "überrascht" von der Ablehnung, es handle sich um ein "strategisch wichtiges Zukunftsprojekt für den Standort". Das Ziel einer tragfähigen Lösung bleibe bestehen.

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