Bürokratie KMU : Tiroler Adlerrunde fordert Bürokratieabbau: Österreich verwaltet sich zu Tode

Beim 9. Tiroler Adler Forum: Christian Handl (Präsident Tiroler Adler Runde), Sepp Schellhorn (Staatssekretär für Deregulierung), Natascha Strobl (Politikwissenschaftlerin), Philipp Bagus (Ökonom), Beate Rubatscher-Larcher (Geschäftsführerin der Kaunertaler und Pitztaler Gletscherbahnen), Klaus Mark (Pressesprecher Tiroler Adler Runde).

Das 9. Tiroler Adler Forum stand unter dem Motto „Bürokratie am Pranger: Braucht Österreich die Kettensäge?“. V.l.n.r.: Christian Handl (Präsident Tiroler Adler Runde), Sepp Schellhorn (Staatssekretär für Deregulierung), Natascha Strobl (Politikwissenschaftlerin), Philipp Bagus (Ökonom), Beate Rubatscher-Larcher (Geschäftsführerin der Kaunertaler und Pitztaler Gletscherbahnen), Klaus Mark (Pressesprecher Tiroler Adler Runde). 

- © Franz Oss

Die Tiroler Adlerrunde hat selten so deutlich gesprochen: Der Staat wird zur Belastung für die Wirtschaft. 

In einer klaren und ungewöhnlich scharf formulierten Stellungnahme forderte die Runde am kürzlich in Innsbruck ein Ende der „Reformkosmetik". Sie verlangt den Start einer echten Entbürokratisierungsoffensive.

Die Tiroler Adlerrunde ist ein Zusammenschluss führender Unternehmerinnen und Unternehmer, die gemeinsam einen erheblichen Teil der Tiroler Wirtschaftsleistung repräsentieren.

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Bürokratie Österreich: 250 Stunden pro Jahr für Verwaltung

„Wir verwalten uns zu Tode", so das zentrale Statement von Karl Christian Handl, Präsident der Adlerrunde. 

Jährlich müssten kleine und mittlere Betriebe bis zu 250 Stunden für Bürokratie aufwenden. Das entspricht fast zwei Monaten Arbeitszeit pro Jahr. Ergebnis: Milliardenkosten, gebremste Innovation, verlorenes Wachstum.


Zwar habe die Bundesregierung eine Entbürokratisierungsoffensive angekündigt. Umgesetzt sei davon bisher jedoch so gut wie nichts, so die Kritik. Auch die zahlreichen Gespräche auf Landesebene hätten bislang keine spürbare Entlastung für Unternehmen gebracht.

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Im IMD World Competitiveness Ranking 2024 liegt Österreich bei der Verwaltungseffizienz auf Platz 40 von 67 – ein desaströses Ergebnis für ein Hochsteuerland.

Veraltetes Gewerberecht bremst Wirtschaftsstandort

Besonders das veraltete Gewerberecht, zähe Genehmigungsverfahren und mangelnde Digitalisierung seien aus Sicht der Tiroler Adlerrunde „die größten Bremsklötze". 

Die Zuständigkeit dafür liegt in Wien. Dort fehlt nach Ansicht der Unternehmer „der Mut zur echten Reform".


Die Zahlen sprechen für sich: Österreich gibt laut Agenda Austria 5,7 % des BIP für Verwaltung aus. Das ist deutlich mehr als die Niederlande (3,6 %) oder die Schweiz (4,2 %). 

Im IMD World Competitiveness Ranking 2024 liegt Österreich bei der Verwaltungseffizienz auf Platz 40 von 67. Ein desaströses Ergebnis für ein Hochsteuerland. (Anmerkung: 2026 fiel Österreich weiter zurück.)

Wie viele Unternehmen verlassen Österreich – und warum?

Wirtschaft fordert „Kettensäge" statt Feinschliff

Im Zentrum der Kritik steht die Reformträgheit des Bundes. Die bisherigen Maßnahmen seien bloße Symbolpolitik. Der Eindruck wachse, dass man die Diskussionen als Alibi nutze.


Als drastisches Beispiel für funktionierenden Bürokratieabbau wurde Argentinien genannt. Präsident Javier Milei habe dort nach Amtsantritt binnen Wochen 36.000 Staatsstellen gestrichen. Zudem habe er die Zahl der Ministerien halbiert. 

Der internationale Ökonom Philipp Bagus, Stargast beim abendlichen Tiroler Adler Forum, sieht darin einen mutigen Befreiungsschlag: „Milei beweist, dass Bürokratieabbau Wohlstand freisetzen kann."

Forderungskatalog der Tiroler Adlerrunde

Die Adlerrunde fordert ein Umdenken. Sie verweist auf ihren eigenen, bereits im Frühjahr vorgelegten Forderungskatalog:

  • Einführung eines digitalen One-Stop-Shops für Verwaltung
  • Praxis-Checks bei neuen Gesetzen
  • Systematische Reduktion von Dokumentationspflichten

Ein seltener Schulterschluss – mit klarer Botschaft

Dass sich die Tiroler Adlerrunde so geschlossen, klar und konfrontativ an die Politik wendet, ist ein seltenes Signal. Die Plattform vereint führende Köpfe quer durch Branchen. Damit repräsentiert sie einen gewichtigen Teil der regionalen Wirtschaftsleistung. 

Die Kritik ist keine Einzelmeinung, sondern ein klarer Weckruf: Der Reformstau droht den Standort nachhaltig zu gefährden.


Beim Tiroler Adler Forum wurde die Frage zugespitzt: Braucht Österreich die Kettensäge? Angesichts wachsender Bürokratie, steigender Staatsschulden und sinkender Wettbewerbsfähigkeit sehen viele UnternehmerInnen die Antwort klar: Ja – bevor es zu spät ist.

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