Insolvenz Tirol : Nothegger Transporte: Größte Firmenpleite Tirols seit 15 Jahren, 400 Jobs in Gefahr

transparent außen auf gebäude, das büro- und lagerflächen zum mieten anbietet, darunter ein firmenschild von nothegger transporte

Die Transportfirma Nothegger mit Sitz in St. Ulrich am Pillersee (Bezirk Kitzbühel) im Tiroler Unterland ist insolvent. Das betrifft natürlich auch die Stelle in Wien.

- © APA/GEORG HOCHMUTH

Insolvenz Tirol: Der Konkurs der Nothegger Transport Logistik GmbH aus St. Ulrich am Pillersee (Bezirk Kitzbühel) nimmt seinen weiteren Verlauf. 

Am 11. Mai fand am Landesgericht Innsbruck die erste Prüfungstagsatzung statt. Insgesamt wurden 388 Forderungen in einer Gesamthöhe von rund 36,4 Mio. Euro angemeldet. Davon anerkannte das Gericht 15,4 Mio. Euro. Die übrigen Forderungen blieben bestritten. 

Das Unternehmen führt seinen operativen Betrieb bisher fort und arbeitet auf eine Sanierung hin.

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Nothegger versucht Arbeitsplätze zu sichern

Den Sanierungskurs hatte Senior-Chef Karl Nothegger schon im April öffentlich angekündigt. Ein Antrag auf ein Sanierungsverfahren solle gestellt werden, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Dieser Antrag soll innerhalb der nächsten 14 Tage eingebracht werden.

Den Fortbetrieb will Nothegger durch "zusätzliches Kapital" aus dem Familienbereich absichern. Das Unternehmen beschäftigt knapp 200 MitarbeiterInnen. Weitere rund 200 Lkw-FahrerInnen sind bei einer Schwestergesellschaft tätig.
 

Der Kreditschutzverband KSV1870 Tirol teilte nach der Prüfungstagsatzung mit, dass die Familie Nothegger eine Fortführungskaution von rund 1,4 Mio. Euro "kurzfristig beigebracht" habe. Außerdem habe man durch eine "rasche Abschichtung einer Beteiligung" Liquidität in Höhe von einer Million Euro freisetzen können. 

Zudem wurden diverse Verrechnungskonten, die Ansprüche des Unternehmens von mehreren hunderttausend Euro gegen Personen im Nahbereich der EigentümerInnen auswiesen, zügig ausgeglichen. 

Gleichzeitig rechnet man damit, dass die festgestellten Forderungen noch erheblich steigen werden. Weitere Forderungen sollen in einer nachträglichen Tagsatzung geprüft werden.

Angespannte Liquidität: Nächste Wochen entscheidend für Nothegger

Die bisherige Betriebsfortführung sei ein "erster Schritt in die richtige Richtung", erklärte Klaus Schaller, Leiter des KSV1870 in Tirol. Er weist darauf hin, einen Großteil der betroffenen GläubigerInnen in diesem Verfahren zu vertreten. 

"Trotz aller Widrigkeiten" habe die Insolvenzverwalterin den Betrieb bisher aufrecht halten können. Dennoch betonte der KSV1870: Die Liquiditätssituation bleibe angespannt. Die Insolvenzverwalterin sei auf Zahlungen der Nothegger-KundInnen angewiesen und deren Zahlungsverhalten ließen sich nur sehr eingeschränkt beeinflussen. Die aktuell offenen Kundenforderungen aus der laufenden Fortführung belaufen sich auf mehr als 6 Mio. Euro.
 

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Einigung mit den GläubigerInnen möglich ist. Eine konkrete Prognose sei derzeit kaum zu treffen – und damit auch der Erhalt der Arbeitsplätze ungesichert. 

Die Nothegger-Verantwortlichen müssen in diesem Zeitraum belastbare Unterlagen vorlegen. Auf einen "spürbaren Sanierungsbeitrag" aus der Sphäre der EigentümerInnen werde man in den Verhandlungen jedenfalls bestehen, stellte der KSV1870 klar. In dieselbe Richtung argumentierte der Alpenländische Kreditorenverband (AKV): Die Sanierungsquote dürfte nach aktuellem Stand nicht aus dem operativen Geschäft erzielbar sein. Demnach werde eine finanzielle Unterstützung von dritter Seite benötigt.

Nothegger Vermögenslage im Überblick

Das Nothegger-Vermögen ist gemessen an den Verbindlichkeiten "recht überschaubar". Bei Insolvenzeröffnung war davon die Rede, dass das Unternehmen als Aktivposten vor allem seinen Fuhrpark einbringen könne. Die firmeneigenen Fahrzeuge wurden auf 9,7 Mio. Euro geschätzt; dazu kommen fremdfinanzierte bzw. Leasingfahrzeuge im Wert von 7,4 Mio. Euro. Die Betriebsliegenschaft wurde mit 1,9 Mio. Euro bewertet. 

Darüber hinaus bestehen Beteiligungen an verbundenen Unternehmen wie der Nothegger Immobilien GmbH sowie Wertpapiere.

Wie kam es zur Insolvenz?

Den Anstoß für das Insolvenzverfahren gab die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK): Sie stellte wegen Verbindlichkeiten von etwa 3,2 Mio. Euro einen Konkursantrag über den Spediteur. Am 9. März eröffnete das Landesgericht Innsbruck das Konkursverfahren.

Neben der ÖGK gibt es Verbindlichkeiten von 1,8 Mio. Euro beim Finanzamt sowie 9,3 Mio. Euro gegenüber Banken. Zwar soll die Firma im Zuge des Insolvenzeröffnungsverfahrens wiederholt Teilzahlungen geleistet haben – die Zahlungsunfähigkeit ließ sich damit jedoch nicht beseitigen.

Eine weitere Insolvenzmeldung dieser Tage

Pandemie-Stundungen als Mitauslöser

Der Kreditschutzverband KSV1870 sieht einen wesentlichen Grund für die Schieflage in der Corona-Pandemie: Nothegger habe die damalige Möglichkeit zur Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen "großzügig in Anspruch genommen". Als die Rückzahlungen fällig wurden, sei das Unternehmen nicht in der Lage gewesen, für diese gestundeten Beiträge "entsprechende Vorsorge zu treffen".

Insolvenzen Österreich: Fünfter Anstieg in Folge

Größte Firmenpleite in Tirol seit 15 Jahren

Die Insolvenz des Traditionsunternehmens hat für die Region erhebliches Gewicht. "Sie ist im Hinblick auf die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter die größte Unternehmensinsolvenz in Tirol seit 15 Jahren", sagte KSV1870-Leiter Schaller. (LB/APA)

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