Rüstungsindustrie Österreich : Steiermark entdeckt Rüstungsindustrie: Milliardenpotenzial im Defense Sektor

ACStyria Geschäftsführerin Christa Zengerer mit Pankl-CEO Wolfgang Plasser bei einer veranstaltung.

ACStyria Geschäftsführerin Christa Zengerer mit Pankl-CEO Wolfgang Plasser.

- © ACStyria

Die steirische Wirtschaft entdeckt ein neues Wachstumsfeld: die Rüstungs- und Sicherheitsindustrie

Im Rahmen einer hochkarätig besetzten Business Lounge am 25. September 2025 des Mobilitätsclusters ACstyria in der Pankl Academy in Kapfenberg diskutierten rund 130 BranchenvertreterInnen über Perspektiven, Herausforderungen und Kooperationsmöglichkeiten im Verteidigungsbereich.

Der andauernde Krieg in der Ukraine hat nicht nur geopolitische Verschiebungen bewirkt, sondern auch die europäische Sicherheitsarchitektur verändert – mit spürbaren Auswirkungen auf die Industrie. 

Österreichische Unternehmen, allen voran aus der Steiermark, positionieren sich zunehmend im wachsenden Verteidigungsmarkt. Dies geschieht unter Berücksichtigung gesetzlicher und ethischer Rahmenbedingungen.

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Verteidigungsindustrie Steiermark: Security & Defense als neues wirtschaftliches Standbein

„Es gibt riesige Chancen – und es ist viel Geld im Umlauf", erklärte Christa Zengerer, Geschäftsführerin des Clusters ACstyria

Der Bereich „Security & Defense" sei zwar ein junges Geschäftsfeld im Cluster, das Interesse jedoch „außerordentlich hoch". Eine interne Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen bestätigte diese Dynamik. Gleichzeitig bestehe noch erheblicher Informations- und Orientierungsbedarf.

Ziel der Veranstaltung in Kapfenberg: Unternehmen vernetzen, um neue Märkte zu erschließen – auch mit internationalen Partnern

Zengerer betonte, man müsse sich nicht länger verstecken. „Man kann – und soll – über dieses Thema reden."

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Im Rahmen einer Business Lounge des Mobilitätsclusters ACstyria in der Pankl Academy in Kapfenberg diskutierten rund 130 Branchenvertreter über Perspektiven, Herausforderungen und Kooperationsmöglichkeiten im Verteidigungsbereich.

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Defense Sektor Österreich: Politik signalisiert Rückendeckung

Auch Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) stellte sich klar hinter die Entwicklung. „Ich sehe ein enormes Chancenfeld, aber wir dürfen keine falschen Scheuklappen aufsetzen", so Ehrenhöfer. Österreich müsse seine Rolle im Verteidigungssektor aktiv gestalten. „Natürlich im ethischen Einklang mit unseren Gesetzen. Aber: Es gibt Programme, an denen wir nicht vorbeischauen dürfen."

Ehrenhöfer forderte eine Enttabuisierung des Themas. Er appellierte an die Bundesregierung, entsprechende rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen. „Die Verteidigung beginnt bei der Sensorik und hört im Weltraum auf."

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Pankl Racing Defense: Umsatz im Rüstungsbereich soll verfünffacht werden

Ein Unternehmen, das bereits tief im Verteidigungsgeschäft verankert ist, ist Pankl Racing Systems. CEO Wolfgang Plasser gab einen klaren Expansionskurs vor. Derzeit generiere man etwa 20 Millionen Euro Umsatz im Defense-Sektor. Das Ziel bis 2030: 100 Millionen Euro.

Pankl ist seit 1994 in der Luftfahrt tätig, unter anderem mit Komponenten für Helikopter. Auch Drohnentechnologie gehört zum Portfolio. 

Plasser betonte: „Europa muss nachrüsten. Es kann nicht sein, dass wir nur auf den Schutz von Partnern warten."

Maschinenfabrik Liezen in der Verteidigungsindustrie: „Wir tragen zur Sicherheit bei"

Auch die Maschinenfabrik Liezen (MFL) ist längst Teil der Verteidigungswertschöpfungskette. Das Unternehmen fertigt unter anderem Turmgehäuse für den Kampfpanzer Leopard 2. 

Geschäftsführer Herbert Decker forderte von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen. Diese seien nötig, um neue Aufträge wirtschaftlich stemmen zu können.

Zur ethischen Dimension der Rüstungsproduktion meinte Decker klar: „Es gibt nichts Ethischeres, als unser Land und unsere Demokratie zu schützen. Wer sich an Gesetze hält, soll nicht am Geschäftemachen behindert werden."

Dual-Use Technologie und Hightech aus der Steiermark

Besonders gefragt sind Technologien mit Dual-Use-Potenzial. Das sind Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Dazu zählen etwa Anwendungen in Cybersecurity, Sensorik, Materialentwicklung oder Antriebstechnik. 

Die steirische Industrie kann hier auf ein starkes Fundament aus Luftfahrt, Bahntechnik und Maschinenbau aufbauen.

Franz Posch, gebürtiger Steirer und Mitarbeiter bei Airbus, verwies auf ein Beispiel aus seiner Praxis. Aus der Militärforschung am Tornado-Kampfjet entwickelte sich später ein medizinisches Gerät zur Zerstörung von Nierensteinen mittels Ultraschall. Ein eindrücklicher Beweis für das Innovationspotenzial aus dem Verteidigungsbereich.

Der Einstieg in die Rüstungsindustrie wird salonfähig

Die Business Lounge in Kapfenberg war mehr als ein Netzwerktreffen. Sie markiert einen Wendepunkt im wirtschaftlichen Denken der Region. Angesichts globaler Krisen und wachsender Sicherheitsbedürfnisse wird das Thema „Defense & Security" auch in Österreich wirtschaftlich ernst genommen.

Der ACstyria will als Brückenbauer fungieren. Ziel ist es, steirischen Unternehmen den Weg in diesen sensiblen, aber chancenreichen Markt zu ebnen. Wie Landesrat Ehrenhöfer sagte: „Wir dürfen nicht länger nur löschen, wenn es brennt – wir müssen vorbereitet sein."

Zahlreiche steirische Firmen sind bereits im Dual-Use-Bereich und im Rüstungsgeschäft tätig. Neben den genannten Firmen wie MFL und Pankl sind u.a. auch Hintsteiner Defence aus dem Mürztal, Winkelbauer aus dem Bezirk Weiz, der Mörserproduzent Hirtenberger nahe Leoben und auch Magna Steyr mit seiner Defence-Sparte zu nennen.

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