Energiekrisenbeitrag-Strom : Verbund nach Gewinneinbruch: Wie wirkt sich Energiekrisenbeitrag 2025 aus?

Verbund-Vorstandschef Michael Strugl und Verbund-Finanzvorstand Peter Kollmann bei der Bilanz-Pressekonferenz der Verbund AG in Wien. Das Jahr 2024 war für den Energiekonzern Verbund von großen Herausforderungen geprägt.
- © APA/HELMUT FOHRINGERDas Jahr 2024 war für den Energiekonzern Verbund von großen Herausforderungen geprägt. Nach den Rekordergebnissen der Vorjahre führten gesunkene Großhandelspreise für Strom und Gas zu einem deutlichen Rückgang der Geschäftszahlen.
Nach dem massiven Preisanstieg im Rekordjahr 2023 habe sich 2024 eine "gewisse Normalisierung" eingestellt, so Verbund-Finanzvorstand Peter Kollmann. Die Preise seien weiterhin von hohen Schwankungen geprägt, was zu einer gewissen "Unsicherheit" für den Konzern führt.
Das EBITDA sank um 22,5 % auf 3,48 Mrd. Euro, während das Konzernergebnis um 17,2 % auf 1,875 Mrd. Euro zurückging. Trotz einer überdurchschnittlichen Wasserführung und gestiegener Erzeugung aus erneuerbaren Quellen konnten die gesunkenen Absatzpreise nicht kompensiert werden.
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Investitionsoffensive: 5,9 Mrd. Euro bis 2027
Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, setzt Verbund auf ein umfangreiches Investitionsprogramm. Bis 2027 sollen 5,9 Mrd. Euro in den Ausbau der Kraftwerkskapazitäten und Netzinfrastruktur fließen.
"Dieses große Investitionsprogramm ist gleichzeitig auch ein Konjunkturprogramm für den Standort", sagt Verbund-Vorstandschef Michael Strugl bei der Bilanzpressekonferenz am 20. März.
Allein 2024 sind Investitionen in Höhe von 1,95 Mrd. Euro geplant. Dazu gehören der Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken in Kaprun und Reißeck mit 525 Megawatt Leistung sowie die Inbetriebnahme der Salzburgleitung. Auch die Modernisierung bestehender Anlagen soll die Energieerzeugung langfristig sichern.

Energiekrisenbeitrag: Höhere Steuerlast für Energiekonzerne
Eine zusätzliche finanzielle Herausforderung stellt der von der Bundesregierung beschlossene Energiekrisenbeitrag dar. Die Schwelle für "Übergewinne" wurde von 120 Euro auf 90 Euro pro Megawattstunde gesenkt, während die Steuerquote von 90 % auf 95 % erhöht wurde. Diese Maßnahme soll jährlich rund 200 Mio. Euro zur Budgetsanierung beitragen.
Der Verbund rechnet auf Basis des derzeitigen Informationsstands mit einer Gewinnabschöpfung von 50 bis 100 Mio. Euro für das Geschäftsjahr 2025.
Branchenvertreter äußern Kritik: Während die Regierung die Steuer als fairen Beitrag zur Haushaltssanierung sieht, warnt der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich vor negativen Folgen für Investitionen in erneuerbare Energien. Der Energiekrisenbeitrag könne den Ausbau heimischer Stromerzeugung drosseln und den Import von Atomstrom aus dem Ausland begünstigen.
Der verlängerte Energiekrisenbeitrag wird ab 1. April für alle Stromproduzenten gelten. Die Steuer wird rückwirkend für die Gewinne des gesamten Jahres berechnet.
"Mit der neuen Regelung sichern wir die Budgetkonsolidierung, ohne die Energiepreise zu erhöhen und ohne Investitionen in erneuerbare Energieformen zu stoppen", erklärt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). "Versorgungssicherheit, erneuerbare Energien und stabile Preise bleiben im Fokus unserer Energiepolitik – ohne zusätzliche Belastungen für Verbraucher."
"Das geringere Übel", nannte die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, den Energiekrisenbeitrag in einer Reaktion.
Ausblick 2025
Auf Basis einer durchschnittlichen Eigenerzeugung aus Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik sowie der Chancen- und Risikolage erwartet Verbund für das Geschäftsjahr 2025 ein EBITDA zwischen rd. 2.700 Mio. Euro und 3.300 Mio. Euro und ein Konzernergebnis zwischen rd. 1.350 Mio. Euro und 1.750 Mio. Euro.
Fazit: Unsicherheiten für die Energiewirtschaft bleiben
Trotz des herausfordernden Umfelds setzt Verbund auf eine langfristige Strategie. Der Konzern plant erhebliche Investitionen, um die Energieversorgung in Österreich zu sichern und den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen.
Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit auf dem Strommarkt hoch. Die Energiepreise unterliegen starken Schwankungen, während regulatorische Eingriffe wie der Energiekrisenbeitrag die Rahmenbedingungen für Investitionen weiter verändern. (apa/red)
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