Andritz, AT&S und ams-Osram mit Kurseinbrüchen : Steirische Börsenschwergewichte unter Druck – was das für den Standort bedeutet?
Steirische Börsengiganten geraten auf den Aktienmärkten unter Druck. Einer davon: Andritz.
- © Andritz AGDer Grazer Maschinen- und Anlagenbauer Andritz steht exemplarisch für die konjunkturellen Herausforderungen, aber auch für die Anpassungsfähigkeit der Industrie.
Zwar sank der Umsatz im ersten Halbjahr um 8,4 % auf 3,65 Mrd. Euro, und das Konzernergebnis fiel um 14,4 % auf 191,6 Mio. Euro. Doch dem stehen ein starker Auftragseingang von 4,73 Mrd. Euro (+22,9 %) und ein stabiler Auftragsbestand von über 10 Mrd. Euro gegenüber. Die operative Marge blieb mit 8,3 % robust.
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Andritz stärkt seine Position zudem durch gezielte Zukäufe – etwa in Nordamerika und Südeuropa – und sichert damit Arbeitsplätze sowie technologisches Know-how im Standort Graz ab.
Vorstandschef Joachim Schönbeck betont die Resilienz des Unternehmens trotz geopolitischer Risiken und globaler Unsicherheiten: "Unser starker Auftragseingang und die stabile Marge von 8,3 Prozent verdeutlichen die Robustheit unseres globalen Setups und unterstreichen die Vorteile unseres diversifizierten Geschäfts."
Bedeutung für die Steiermark:
Der Standort Graz bleibt strategisch relevant, vor allem als Schaltzentrale für Akquisitionen und globale Engineering-Kompetenz. Die hohe Auftragslage signalisiert stabile Produktionsauslastung in den nächsten Quartalen.
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"Unser starker Auftragseingang und die stabile Marge von 8,3 Prozent verdeutlichen die Robustheit unseres globalen Setups und unterstreichen die Vorteile unseres diversifizierten Geschäfts."Andritz-Vorstandschef Joachim Schönbeck
ams-Osram: Hoffnung auf zweites Halbjahr – Schuldenabbau und Standortausbau
Beim Halbleiterkonzern ams-Osram mit Zentrale in Premstätten dominieren Investitionen und Restrukturierung das Bild. Während der Umsatz im ersten Halbjahr leicht auf 1,595 Mrd. Euro sank, gelang im zweiten Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone (18 Mio. Euro bereinigter Nettogewinn).
Der Konzern investiert 570 Mio. Euro in eine neue Wafer-Fertigung – ein starkes Bekenntnis zum Standort Steiermark.
Zugleich treibt das Unternehmen den Schuldenabbau und die Fokussierung auf profitable Kernbereiche voran. Der Verkauf von Unternehmensteilen (z. B. der Lampensparte) soll die Zinslast unter 100 Mio. Euro jährlich senken. Der Schuldenstand liegt aktuell bei rund zwei Milliarden Euro.
ams-Osram sieht sich derzeit nur wenig von den höheren US-Importzöllen betroffen. Anders sei das mit dem hohen Goldpreis. Dieser habe zuletzt im "niedrigen zweistelligen Millionen"-Bereich belastet, so Vorstandschef Aldo Kamper.
Hier ist die US-Zollpolitik also doch eine indirekte Belastung für den Chip- und Sensorenhersteller: Denn die Unsicherheiten rund um die Zölle haben zu einer steigenden Goldnachfrage geführt und die Preise dementsprechend in die Höhe getrieben. Kamper: "Das hat Relevanz für uns, weil wir viel Gold verbauen."
Bedeutung für die Steiermark:
Der massive Standortausbau in Premstätten stärkt die Position der Steiermark als Hochtechnologiestandort für Mikroelektronik. Investitionen schaffen hochqualifizierte Arbeitsplätze, auch wenn die globale Nachfrageentwicklung (Auto, Smartphone) weiter kritisch beobachtet werden muss.
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"In einem weitgehend anspruchsvollen Umfeld haben wir geliefert."ams Osram-Vorstandschef Aldo Kamper
AT&S: Umsatzwachstum bei steigendem Verlust – Wechselkursrisiken drücken Stimmung
Der Leobener Leiterplattenhersteller AT&S steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits gelingt mit 14 % Umsatzwachstum (398,9 Mio. Euro) und einer verbesserten EBITDA-Marge (9,4 %) ein operatives Lebenszeichen, andererseits belastet ein hoher Quartalsverlust von 55,9 Mio. Euro das Gesamtbild. Gründe sind Anlaufkosten neuer Werke, ungünstige Wechselkurse und anhaltender Preisdruck im Markt.
Auch wenn die Analysten der Erste Group von einem „richtigen Kurs“ sprechen, dämpfen unklare Signale aus der US-Handelspolitik und der schwache Dollar die Aussichten. Der Aktienkurs stürzte folgerichtig ab.
AT&S selbst gab sich beim Ausblick für das laufende Geschäftsjahr abwartend. "Es herrscht immer noch kein klares Bild wie die US-amerikanische Regierung künftig mit Einfuhrzöllen für Waren in die USA umgehen will", so das Unternehmen.
Für die eigenen Produkte rechnet AT&S nicht mit großen Auswirkungen, auf die Endprodukte für Kunden könnte es aber sehr wohl "erheblichen Einfluss" haben -"und damit dann auch auf die Nachfrage nach Produkten von AT&S".
Zudem seien die Auswirkungen auf die Wechselkurse unklar. "Der Vorstand hat daher entschieden, mit der Jahresprognose 2025/26 zu warten".
Bedeutung für die Steiermark:
Die Hightech-Investitionen in Leoben stärken die regionale Industrie, doch der Konzern bleibt massiv von globalen Märkten abhängig. Wechselkursrisiken und geopolitische Unsicherheiten bedrohen indirekt auch die Produktionsauslastung in der Steiermark.
Steiermark zwischen industrieller Stärke und globaler Unsicherheit
Die Bilanz der drei Börsenschwergewichte ist ein Spiegel der steirischen Wirtschaftsrealität: leistungsfähige Unternehmen mit globaler Relevanz, jedoch anfällig für externe Schocks. Die Investitionen von Andritz, ams-Osram und AT&S in Infrastruktur und Innovation sichern mittelfristig den Standort – gleichzeitig zeigen die Kursverluste, wie schnell sich Stimmung und Erwartungen an der Börse drehen können.
Für die Steiermark bleibt die Devise: Innovationskraft erhalten, Diversifikation weiter stärken und geopolitische Entwicklungen mit Weitsicht navigieren. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist grundsätzlich vorhanden – sie muss jedoch immer wieder neu unter Beweis gestellt werden.
Politische Handlungsperspektiven:
Steigende Auftragsvolumen (Andritz), Gewinnsteigerung durch Restrukturierung (ams-Osram) sowie Umsatzplus (AT&S) zeugen grundsätzlich von Konkurrenzfähigkeit auf den internationalen Märkten und von der Fähigkeit der Unternehmen, sich am Markt zu behaupten. Dennoch zeigen sich auch Herausforderungen in der Standortqualität, auf die die Politik reagieren muss. (SR/APA)
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