Pharmaindustrie Österreich : Critical Medicines Act: Pharmig warnt vor Medikamentenengpass

Nahaufname von maschinellem Abfüllen von flüssigem Impfstoff in Fläschchen

Das Vorhaben, Medikamentenengpässe zu verhindern, verdiene Unterstützung, heißt es von Pharmig. Der aktuelle Gesetzestext gehe allerdings zu wenig auf die tatsächlichen Gründe für Versorgungsengpässe ein. 

- © adobe stock/wacomka

Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer neuen Verordnung zur Bekämpfung von Medikamentenengpässen. Der „Critical Medicines Act" (CMA) befindet sich noch im Entwurfsstadium und soll 2026 beschlossen werden. 

Die pharmazeutische Industrie sieht jedoch wesentlichen Anpassungsbedarf, damit die Regelung ihre Ziele erreicht und keine zusätzlichen bürokratischen Hürden schafft. 

„Eine europäische Herangehensweise ist der richtige Weg, um Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten an ihren Ursachen zu bekämpfen", sagt Alexander Herzog, Generalsekretär des österreichischen Pharmaverbands Pharmig. "Allerdings darf es durch ein neues Gesetz nicht zu Doppelgleisigkeiten aufgrund bereits bestehender Vorgaben kommen. Ebenso sind überbordende, administrative Aufwände für die Unternehmen zu vermeiden."

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Gerade als Forschungs- und Produktionsstandort konkurriert Österreich mit vielen anderen, starken Ländern.

- © Paul Reverve

EU Medikamente: Ursachen von Lieferengpässen bleiben unberücksichtigt

Das Vorhaben, Medikamentenengpässe zu verhindern, verdiene Unterstützung, heißt es von Pharmig. Der aktuelle Gesetzestext gehe allerdings zu wenig auf die tatsächlichen Gründe für Versorgungsengpässe ein. 

Unklar bliebe etwa, wie die Abhängigkeit von Drittstaaten bei der Medikamente-Produktion konkret verringert werden könnte. 

Die europäische Arzneimittelversorgung soll durch verstärkte lokale Herstellung gesichert werden. "Aber wenn nicht sichergestellt wird, dass die Länder dann auch bereit sind, die damit verbundenen höheren Preise zu bezahlen, wird das ein unerfüllter Wunsch bleiben", so Herzog weiter.

Warum Österreich eine Pharmastrategie braucht

Der Pharmastandort Österreich steht vor entscheidenden Weichenstellungen. Während Deutschland seine pharmazeutische Industrie mit einer eigenen Pharmastrategie auf höchster politischer Ebene verankert hat, fordert die heimische Branche nun vergleichbare Schritte. 

Kürzlich fand im deutschen Kanzleramt ein Treffen mit VertreterInnen von Pharmaunternehmen statt – ein Signal, das auch in Österreich Wirkung zeigt.

„Die wirtschaftliche Lage in Österreich ist angespannt und unsere Wettbewerbsfähigkeit steht auf dem Spiel", sagt Herzog. "Hier könnte im besonderen Maße eine Wachstumsbranche, wie es die Life Sciences darstellen, gegensteuern und wichtige Impulse setzen. 

Dafür sei es allerdings notwendig, der Branche den Rücken zu stärken – "und zwar idealerweise mit einer entsprechend umfassenden und mit konkreten Maßnahmen ausgestatteten Strategie. Gerade als Forschungs- und Produktionsstandort konkurriert Österreich mit vielen anderen, starken Ländern. Da gilt es, Stärken und Potenziale auf- und auszubauen, und zwar jetzt."
 

Die Pharmaindustrie Österreich könnte nach Ansicht des Verbands eine Schlüsselrolle bei der wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes spielen. Der Sektor zählt zu den Wachstumsbranchen mit erheblichem Potenzial für Innovation und Beschäftigung. 

Doch die internationale Konkurrenz schläft nicht – andere Nationen investieren massiv in ihre Gesundheitswirtschaft.

Lesen Sie hier über die Bedeutung der Pharamindustrie für Österreichs Export

Europäisches Verifizierungssystem könnte Versorgungssicherheit verbessern

Ein entscheidender Fortschritt wäre die Freigabe von Daten aus dem Europäischen Arzneimittel-Verifizierungssystem für den Critical Medicines Act. 

Dieses System wurde vor einigen Jahren EU-weit implementiert. Seine Nutzung würde unter anderem doppelte Meldepflichten für Unternehmen verhindern. Das System ermöglicht die zeitnahe Feststellung, welche und wie viele Packungen mindestens verschreibungspflichtiger Arzneimittel in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten abgegeben werden. 

„Anhand dieser Daten könnte man Schwachstellen identifizieren und die Verteilung der Ware in den einzelnen Märkten leichter koordinieren", so Herzog.

Drei Säulen für eine erfolgreiche Pharmastrategie

Die Pharmig identifiziert drei zentrale Handlungsfelder für eine österreichische Pharmastrategie. 

  1. Gezielter Ausbau des Forschungsstandorts

     

  2. Bessere Rahmenbedingungen für die heimische Arzneimittelproduktion 

     

  3. Reformen bei Preis- und Erstattungsregelungen, um PatientInnen frühzeitigen Zugang zu innovativen Therapien und bewährten Medikamenten zu ermöglichen


Eine solche Strategie sollte nach Vorstellung des Verbands in die Arbeitsprogramme mehrerer Ministerien einfließen. Besonders das Wirtschafts-, Gesundheits-, Wissenschafts- und Innovationsministerium seien hier gefordert. 

„Ziel muss es sein, dass wir das, was wir in Österreich an Forschung und Produktion haben, hier halten, jede weitere Abwanderung verhindern und den Standort idealerweise ausbauen", so Herzog. "Denn eine starke Forschung, eine starke Produktion schaffen Arbeitsplätze, tragen zur Wertschöpfung bei und wirken sich in letzter Konsequenz positiv auf die Versorgung aus."

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