Miliz Österreich : Was wäre Österreichs Wirtschaft ohne die Miliz?

Milizsoldaten des Jägerbataillons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" bei der Übung „Herbststurm 2022“.

Milizsoldaten des Jägerbataillons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" bei der Übung „Herbststurm 2022“.

- © Bundesheer/Georg Stadler

Sie sind Handwerkerinnen, Manager, IT-Spezialistinnen oder Studierende – und im Ernstfall die strategische Reserve des Landes. Als „Bürger in Uniform“ bringen Milizsoldaten wertvolle militärische Führungserfahrung direkt in die Führungsebenen ihrer Zivilberufe ein.

Diese Bürgersoldaten verfügen über eine vollständige militärische Ausbildung, leben im Alltag als Zivilisten und werden als Einsatzreserve gezielt für Übungen oder akute Kriseneinsätze unter Waffen gestellt.

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Bundesheer Reserve: Ohne die Miliz Österreich geht es nicht

„Das Österreichische Bundesheer ist im Mobilmachungsfall nur mit einer gut ausgebildeten Miliz einsatzfähig. Derzeit umfasst das Bundesheer rund 56.000 Soldaten, davon etwa 35.000 Milizangehörige. Im Einsatz gibt es keinen Unterschied zwischen Berufs- und Milizsoldaten. Fakt ist, ohne Miliz geht es nicht“, ist der Milizbeauftragte des Österreichischen Bundesheeres, Generalmajor Erwin Hameseder überzeugt. 

Hameseder selbst ist in seiner zivilen Karriere Generalanwalt des Österreichischen Raiffeisenverbandes.

Österreich schaffte 2006 die verpflichtenden Milizübungen mit Verweis auf die friedliche Lage in Europa ab. Ein Schritt, der das Milizsystem schwächt. Übungen mit der gesamten Truppe gehören seither der Vergangenheit an.

Lediglich Freiwillige trainieren heute noch alle zwei Jahre für fünf bis zehn Tage. Weil eigenes Material fehlt, müssen sie sich Geräte und Fahrzeuge von aktiven Verbänden leihen und Einheiten mit Grundwehrdienern auffüllen.

Österreich Miliz als Sicherheitsfaktor für Wirtschaft und Infrastruktur

Wenn es hart auf hart kommt, sollen Österreichs Milizsoldaten die Lebensadern des Landes sichern. Davon profitiert vor allem die Wirtschaft.

Unternehmen bekommen Mitarbeiter, die im Ernstfall krisenerprobt sind und in Führungspositionen strategisch kühlen Kopf bewahren. Umgekehrt garantiert die Bundesheer Miliz den Schutz kritischer Lebensadern, auf die der heimische Markt angewiesen ist.

Ob Energieversorgung oder digitale Netze – die Miliz sorgt dafür, dass die Wirtschaft in Krisen nicht stillsteht.

Die Debatte um Wehrpflicht und Miliz ist längst keine rein militärische Frage mehr. Die Verlängerung der Wehrpflicht und die Wiedereinführung verpflichtender Milizübungen hätten direkte Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Österreich.

Österreich Wehrpflicht: Welche Auswirkungen hätte Verlängerung?

Das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) hat sich in einer aktuellen Studie zur Wehrdienstverlängerung mit den Auswirkungen der Wiedereinführung verpflichtender Milizübungen beschäftigt.

„In der öffentlichen Diskussion werden wirtschaftliche Belastungen durch den Ausfall von Milizkräften häufig als Störfaktor genannt. Tatsächlich würden die laut Wehrdienstkommission vorgeschlagenen 350.000 Milizübungstage nur rund 0,6 Prozent der jährlichen Krankenstandstage in Österreich ausmachen – ein volkswirtschaftlich äußerst geringer Anteil. Demgegenüber steht ein großer Nutzen: ein handlungsfähiger Staat, der in Katastrophen, Krisen oder sicherheitspolitischen Ausnahmesituationen schnell, professionell und routiniert reagieren kann.“

EY kommt zum Schluss, dass ein reformiertes Milizsystem einen nachhaltigen Entwurf bietet, der Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen stärkt.

Dafür sprechen die erworbenen Fähigkeiten, die für Unternehmen unmittelbar wertvoll sind. Dazu zählen hohe Struktur- und Organisationskompetenz, Verlässlichkeit und Stressstabilität, klare Kommunikation und Führungserfahrung sowie rasche Entscheidungs- und ausgeprägte Delegationskompetenz.

Diese Fähigkeiten sind branchenunabhängig gefragt und stärken Teams ebenso wie Führungsstrukturen. Damit ist der Austausch zwischen militärischer und privatwirtschaftlicher Kultur eine echte Win-win-Situation.

Miliz Österreich: Gütesiegel für milizfreundliche Unternehmen

In Österreich gibt es bereits rund 200 zivile Betriebe, die als milizfreundlich gelten. Das Österreichische Bundesheer zeichnet diese Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter für Milizübungen freistellen und unterstützen, mit dem offiziellen Miliz-Gütesiegel aus.

Dabei handelt es sich um die höchste Auszeichnung des Österreichischen Bundesheeres für Arbeitgeber, Hochschulen und Non-Profit-Organisationen.

Der Miliz-Award wird in fünf Kategorien in einer offiziellen Zeremonie einmal pro Jahr im Rahmen der Festveranstaltung zum „Tag der Miliz“ verliehen.

Über die Zuerkennung der Auszeichnung entscheidet eine Jury aus hochrangigen VertreterInnen des Bundesheeres sowie des externen Bereichs, wie zum Beispiel der Wirtschaftskammer Österreich, der Industriellenvereinigung oder der Arbeiterkammer.

Träger der Auszeichnung sind unter anderem Großunternehmen wie A1 Telekom Austria, Helvetia Versicherungen, Kapsch BusinessCom, Novomatic Gaming Industries und Habau Hoch- und Tiefbau.

Ebenso ausgezeichnet wurden die Hypo NOE Gruppe, die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, die Grazer Wechselseitige Versicherung oder Austrian Power Grid, Energie Burgenland, Energie AG Oberösterreich, die Salzburger Landeskliniken (SALK), Magistrat Graz, die Münze Österreich, diverse Landesregierungen sowie Austro Control, Casinos Austria und Diamond Aircraft Industries.

Bundesheer Miliz und Wirtschaft: Partnerschaften mit Tradition

Wenn die Miliz zum Assistenzeinsatz gerufen wird oder Truppenübungen anstehen, rollt auch die Flotte von Dr. Richard. Der größte private Busbetrieb im deutschsprachigen Raum ist logistisches Rückgrat für Österreichs Soldaten.

Für diese Unterstützung sowie die Freistellung von Mitarbeitern für Milizübungen wurde das Unternehmen mit dem Milizgütesiegel geehrt.

Die Kooperation zwischen der Industriellenvereinigung und der Garde des Österreichischen Bundesheeres zählt zu den ältesten zivil-militärischen Partnerschaften des Landes. Ein zentraler Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt im Schutz der kritischen Infrastruktur, um die gesamtstaatliche Sicherheit zu gewährleisten.

„Beide Verbände stehen für Effizienz, Leistung und Verantwortungsbewusstsein“, sagt IV-Präsident Georg Knill.

Ein weiteres Beispiel ist die Übergabe der Milizzertifizierung, ausgestellt von der TÜV Austria Akademie. Diese übersetzt die militärische Ausbildung anhand des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) in eine vergleichbare zivile Qualifikation.

Mit dieser Zertifizierung wurde erreicht, dass nicht nur zivile Ausbildung beim Militär, sondern auch militärische Ausbildung in der Privatwirtschaft anerkannt wird.

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