Wichtige Handelspartner Österreich : Ist Schweden Österreichs wichtigster Innovationspartner der Zukunft?

Schweden verfügt über hochkarätige Forschungseinrichtungen wie hier das MAX IV Laboratory in Lund.
- © Per Pixel Petersson/imagebank.sweden.seSchweden ist gleich aus mehreren Gründen ein äußerst interessantes Land für österreichische Unternehmen, um Wirtschaftsbeziehungen und Forschungskooperationen aufzubauen.
Im Global Innovation Index der Vereinten Nationen belegt Schweden nach der Schweiz in Europa seit Jahren den zweiten Platz und hat 2024 im weltweiten Innovations-Ranking auch die USA auf den dritten Platz verwiesen.
Womit Schweden Innovationsführer innerhalb der Europäischen Union ist. Österreich liegt im Innovation-Ranking im europäischen Vergleich auf Platz 10 und international auf Platz 20.
Dennoch suchen seit einigen Jahren die Skandinavier die Nähe zu Österreich, um Innovationskooperationen auszuloten und die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder zu vertiefen.
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Partnerschaft auf Augenhöhe in Innovationskooperationen
Gerade im sehr heiklen Bereich der Innovationskooperation, wo sehr viel gemeinsame Forschung und Technologietransfer stattfindet, ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe wichtig.
Schweden als zwar sehr innovatives und technologiegetriebenes Land unterhält zahlreiche Innovationspartnerschaften mit weltweiten Playern rund um den Globus, doch das makroökonomische Gewicht des Landes macht dies auch zur Herausforderung.
Schweden will deshalb ebenfalls sein Portfolio an Partnerschaften diversifizieren und sucht vor allem die Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Mit rund zehn Millionen Einwohnern hat Schweden ungefähr die gleiche Bevölkerungsgröße wie Österreich mit seinen mittlerweile knapp neun Millionen. Mit einem Pro-Kopf-BIP von ca. 60.000 Euro sind beide Länder in Sachen Kaufkraft und Einkommen gleichauf. Auch die Steuer- und Abgabenlast ist hier wie dort ähnlich hoch.
Es ist also naheliegend, dass Österreich und Schweden eine ähnliche Interessenslage teilen und das lässt sich auch anhand der wechselseitigen Investitionen schwedischer und österreichischer Unternehmen belegen.
Bereits über 100 österreichische Unternehmen haben in Schweden Niederlassungen aufgebaut. Vor allem im Produktionsbereich profitiert man von skandinavischem Knowhow.
Da Innovation aber keine Einbahnstraße ist, sind umgekehrt ebenfalls inzwischen rund 100 schwedische Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von rund 750 Millionen Euro in Österreich investiert.
Der Außenhandel zwischen beiden Ländern hat in den letzten Jahren um rund 2,8 Prozent jährlich zugenommen.
Wertschöpfungspotenziale in Schwedens Innovationssektoren
Österreichische Unternehmen sind klarerweise nicht nur am Exportmarkt Schweden interessiert, sondern auch am Zugang zu den skandinavischen Innovationsschmieden.
Advantage Austria der WKO und Business Sweden, das schwedische Trade und Investment Council sowie die schwedische Innovationsagentur Vinnova und die österreichische staatliche Innovationsagentur FFG kooperieren bereits in zahlreichen Bereichen, etwa im Health-Tech-Sektor oder beim Thema Green Transformation.
Auch im Automotive-Sektor bahnen sich neue Partnerschaften an. Mit Volvo besitzt Schweden ein innovatives Automobilunternehmen, das zwar chinesische Eigentümer hat, aber immer noch in Schweden seine R&D-Abteilung sowie einen Großteil der Motoren-, Karosserie- und Fahrzeugproduktion betreibt.
Im Automotive-Bereich liegt die Nähe zum "Autoland Österreich" also auf der Hand, sitzen hierzulande doch auch für die Schweden sehr interessante Zuliefer- und Technologieunternehmen wie etwa AVL, MAGNA, Steyr Automotive, Miba, Pankl Racing Systems, Hirschmann Automotive oder Knorr-Bremse.
Die Dichte an Automotive-Knowhow in Österreich ist für die Schweden daher von zunehmendem Interesse.
Aber auch in der Luft- und Raumfahrt sowie bei Energie- und Sicherheitstechnologien ergeben sich große Wertschöpfungspotenziale, die durch eine stärkere Zusammenarbeit beider Länder in diesen Sektoren gehoben werden können.

Österreichs und Schwedens wichtigste Exportpartner 2023. Der Außenhandel zwischen beiden Ländern hat in den letzten Jahren um rund 2,8 Prozent jährlich zugenommen.
Hinweis: Das Diagramm wurde anhand von Zahlen von Eurostat erstellt.
- © Quelle: EurostatWarum Schweden bei Innovationsprojekten oft vorne liegt
Was die Schweden meisterlich beherrschen, ist das Hochskalieren von innovativen Geschäftsmodellen und Technologien. Das staatliche Innovationsfördersystem ist dafür sehr gut gerüstet.
Mit rund 3,4 Prozent des schwedischen BIPs hat das skandinavische Land nicht nur eine der höchsten F&E-Quoten Europas, sondern bezieht mit einem "Multi-Helix-Ansatz" Regierung, Industrie und Endnutzer in den Innovationsprozess mit ein.
So ist es möglich, dass beispielsweise Unternehmen wie der Technologie- und Rüstungskonzern Saab die Entwicklung neuer Fighter-Jets der 6. Generation quasi im Alleingang stemmt, während andere Länder sich zu größeren Konsortien zusammenschließen müssen, um eine derartige Technologie-Skalierung zu meistern.
Möglich wird das im Beispiel von Saab durch eine durch und durch innovationsgetriebene Unternehmenskultur, die international seinesgleichen sucht.
Die Schweden können daher als Meister im "Skalieren" betrachtet werden, was auch die große Anzahl an Unicorns (Startups mit einer Marktkapitalisierung von einer Milliarde US-Dollar) gemessen an der Bevölkerungszahl belegt.
Insider bezeichnen die schwedische Startup-Szene als eine der dynamischsten der Welt. Startup-Unternehmen wie Klarna (Finanzdienstleister), Spotify(Audiostreaming), Kry (Health-Tech), Einride (autonome, elektrische Lkw), Polarium (Energiespeicher) oder VOI (Öffentlicher Verkehr) sind seit Jahren weltweit ein Begriff.
Kooperation zwischen Schweden und Österreich braucht Initiative
Schweden und Österreich haben zahlreiche Potenzialfelder für gemeinsame Kooperationen, nicht nur im Produktions- und Innovationsbereich, sondern auch etwa bei Rohstofflieferketten.
Ein Bereich, der aufgrund des EU Critical-Raw-Materials-Act, der die EU-Länder zu einer stärkeren Diversifizierung ihrer Rohstoffquellen veranlasst, von zentraler Bedeutung ist.
So sieht etwa auch der Masterplan Rohstoffe 2030 eine Neuausrichtung der österreichischen Rohstofflieferketten vor.
Doch inzwischen ist in der Wirtschaft klar geworden, dass es für die wirklich großen Würfe eine verstärkte Government-to-Government-Initiative braucht, so auch zwischen Schweden und Österreich.
Trotz des gemeinsamen EU-Binnenmarktes sind Regierungen aktiv gefordert, die Kooperationstiefe voranzutreiben, vor allem vor dem Hintergrund, dass der europäische Wirtschaftsmotor Deutschland, Haupthandelspartner für Schweden und Österreich, nach wie vor stottert.
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