Gasversorgung Österreich : Gas-Stopp aus Russland: Warum Österreich einen Gas-Beschaffungsplan braucht

Die Gasspeicher der RAG AG gehören zur kritischen Infrastruktur für die österreichische Gasversorgung.
- © STEVE HAIDERNach dem Winter ist vor dem Winter und Österreich steht wieder vor einem Versorgungsproblem mit Gas. Denn jetzt wäre der Einkauf für den nächsten Winter zu organisieren.
„Aus Gründen der Versorgungssicherheit muss es jetzt vorrangiges Ziel sein, die österreichischen Gasspeicher rasch wieder zu füllen - und das zu möglichst günstigen Preisen“, sagt Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbandes Gas Wärme (FGW). Dabei zählt er auch auf die tatkräftige Unterstützung der Politik".
Nie mehr die wichtigsten Nachrichten über Österreichs Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!
Denn Gas im Sommer zu kaufen und für den nächsten Winter einzulagern, ist bei der derzeitigen Preissituation für Unternehmen wenig wirtschaftlich. Ein Grund dafür sind die sehr starren Speicherfüllziele der EU. Diese legen fest, wie hoch die Speicherfüllstände pro Land zu einem bestimmten Zeitpunkt sein müssen. Handelsunternehmen heizen die Spekulation an der Börse an - das hat die Gaspreise im Sommer in die Höhe getrieben.
Warum Österreich neue Abhängigkeiten bei Gas vermeiden muss
"Österreich ist mittlerweile zu einem der teuersten Handelsplätze für Erdgas in Europa geworden", warnt Mock vom FGW. Ohne Zugang zum Meer und damit ohne direkte Bezugsmöglichkeit von Flüssiggas (LNG) sei Österreich auf drei mögliche Importrouten über Pipelines angewiesen: Deutschland, Italien und die Ukraine-Pipeline über die Slowakei. Über letztere kommt seit Anfang des Jahres kein Gas mehr.
Im Vertrauen auf Flüssiggas dürfe sich Europa aber nicht in neue Abhängigkeiten begeben. Amerika ist inzwischen der mit Abstand größte LNG-Lieferant der EU. Mit den jüngsten US-Sanktionen gegen russische Banken und einem beginnenden Handelskrieg mit Europa zeigt Amerika, dass es bereit ist, seine Marktmacht politisch durchzusetzen.
"Der Begriff Gasdiversifizierung sollte daher ernst genommen werden. Statt Transportwege nach Osten zu kappen, sollte die Diversifizierung der Versorgung im Mittelpunkt der europäischen Energiestrategie stehen: Das heißt, vorhandene Potenziale in Europa selbst zu nutzen, Gasimporte auf mehr Lieferanten zu verteilen und bestehende Gastransportinfrastrukturen zu nutzen", erläutert Mock.
Österreich ist mittlerweile zu einem der teuersten Handelsplätze für Erdgas in Europa geworden.Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbandes Gas Wärme (FGW)
Gasspeicher sinken wieder bedrohlich
Österreich sei nur deshalb gut durch den letzten Winter gekommen, weil die Gaswirtschaft gewissenhaft gearbeitet hat und über große, gut gefüllte Gasspeicher verfügt.
Der Füllstand der Gasspeicher in Österreich liegt derzeit unter 45 Prozent - und er wird weiter sinken. Die Speicher werden heuer auch deutlich stärker entleert als in den beiden vergangenen Wintern.
Der Grund: In den vergangenen Monaten mussten Gaskraftwerke eingesetzt werden, um die wenigen Wind- und Sonnenstunden auszugleichen. Zudem führten die hohen Strompreise auf dem europäischen Markt zu einer starken Entleerung der heimischen Gasspeicher ins Ausland, insbesondere nach Italien.
Auch die Gaswirtschaft habe im vergangenen Jahr auf den angekündigten Transitstopp richtig reagiert und Vorbereitungen für ein faktisches Ende der Gaslieferungen aus dem Osten getroffen. Bei den Rahmenbedingungen ist nun aber auch die Politik gefordert:
- Rasche Verabschiedung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und Bekenntnis der Politik zur Erdgasförderung in Österreich - auch über die laufende Legislaturperiode hinaus.
- Einsatz auf europäischer Ebene für eine bessere Regulierung der Speicheranforderungen.
- Schaffung positiver Anreize für Speicherung und Buchung von Transportkapazitäten.
- Initiativen zur raschen Wiederaufnahme der Gasimporte über Baumgarten.
„Der Blick in die jüngste Vergangenheit muss den Blick in die Zukunft schärfen: Wir brauchen weitsichtige Entscheidungen, um unseren Standort und unseren Lebensstandard zu sichern“, so Mock abschließend.