Erneuerbare Energie Österreich 2030 : Erneuerbare-Ziel 2030 erreichen: nur mit diesen Investitionen

Nahaufnahme auf ein Sonnenblumenfeld vor Kraftwerk Korneuburg mit Hochspannungsleitungen im Hintergrund.

Mehr als 60 Prozent der in Österreich erzeugten Bruttostrommenge kam 2024 aus Wasserkraftwerken, elf Prozent aus Windkraft und neun Prozent aus Photovoltaik. Das Kraftwerk Korneuburg in Langenzersdorf (im Bild) erzeugt primär dann Strom, wenn zu wenig erneuerbare Energie aus Wind oder Solarzellen vorhanden ist.

- © APA/ROLAND SCHLAGER

Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Die Klimaneutralität ist bis 2040 geplant. 

Das ist kein Selbstläufer und macht die Transformation des gesamten Energiesystems notwendig. Aufgrund der Topographie Österreichs ergibt sich die Besonderheit, dass die meisten Erzeugungsanlagen für Erneuerbare im Osten gelegen sind, während die Pumpspeicher im Westen zu finden sind.

Mehr als 60 Prozent der in Österreich erzeugten Bruttostrommenge kam 2024 aus Wasserkraftwerken, elf Prozent aus Windkraft und neun Prozent aus Photovoltaik

Während Ende 2024 im gesamten Land 1.451 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 4.028 Megawatt (MW) in Betrieb waren, sind 823 dieser Anlagen in Niederösterreich, 456 im Burgenland und 122 Anlagen stehen in der Steiermark. 

Bei Photovoltaik betrug die bundesweit installierte Leistung im Jahr 2023 6.229 Megawatt Peak (MWp), wobei auf Niederösterreich 1.605 MWp entfielen, weitere 1.521 MWp auf Oberösterreich und 1.189 MWp auf die Steiermark.

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Fortschritt der Kraftwerksprojekte in Österreich.

- © Österreichs Energie

Die Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck ist mit einer Turbinenleistung von 1.545 MW und einer Pumpleistung von 1.095 MW die leistungsstärkste Kraftwerksgruppe Österreichs und gilt als größte „grüne Batterie“ des Landes.

- © Johannes Wiedl/Verbund

Stromnetz als Schlüssel zur Energiewende in Österreich

Mehr als 200.000 Kilometer Frei- und Erdleitungen bringen den Strom von den Kraftwerken zu den Verbrauchern. Um die Verteilung des Stroms zwischen Erzeuger und Verbraucher bestmöglich gewährleisten zu können, wurde bereits vor Jahrzehnten begonnen, einen 380-kV-Ring in Österreich zu errichten. Der Ausbau hat in Zeiten erneuerbarer Energien höchste Priorität erlangt.

„Das überregionale Stromnetz spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Transformation des Energiesystems, weil sich der Strom aus Erneuerbaren nicht an der Verbrauchskurve orientiert, sondern vom Wetter/Angebot abhängt. Deswegen ist es notwendig, dass die Netzinfrastruktur genügend Kapazitäten hat, um den nachhaltigen Strom abtransportieren zu können“, erläutert Gerhard Christiner, Vorstandssprecher des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG).

Das Leitungsnetz der APG.

- © APG

Salzburgleitung als Meilenstein für erneuerbare Energie in Österreich

Die Eröffnung der Salzburgleitung Anfang Juni war ein weiterer Meilenstein beim Schluss des 380-kV-Rings in Österreich. Sie verläuft mit einer Länge von 128 Kilometern vom Netzknoten in Sankt Peter am Hart in Oberösterreich bis zum Umspannwerk in Kaprun.

„Mit der Salzburgleitung habe man nun eine kapazitätsstarke Verbindung für die Verschiebung von Überschussstrom, erklärt der APG-Vorstandssprecher.

„Darüber hinaus ist diese Leitung in Verbindung mit der Deutschlandleitung besonders wichtig, um preisgünstigen Strom aus zum Beispiel Deutschland nach Österreich zu transportieren“, so Christiner weiter.

Trotz der Wichtigkeit dieses Projekts war die Realisierung langwierig und komplex. Der erste Abschnitt der Salzburgleitung von Sankt Peter am Hart bis zum Umspannwerk Salzburg in Elixhausen ging bereits Anfang 2011 in Betrieb. 

Der zweite Abschnitt wurde 2012 von der APG zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Alleine das Genehmigungsverfahren dauerte fast sechseinhalb Jahre, der Bau nur fünf. Die Gesamtkosten des Projekts stiegen mit der Zeit auf über eine Milliarde Euro.

  • Josef Plank, Präsident der IG Windkraft
    „Die Windenergie ist vor allem in Österreich eine ganz starke regionale Kraft. Sie wird getragen von rund 8.000 Menschen in knapp 200 mittelständischen, oft familiengeführten Unternehmen am Land."

    Josef Plank, Präsident der IG Windkraft

Netzraum Kärnten und weitere Großprojekte bis 2034 geplant

Bis 2034 investiert die APG rund neun Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung des überregionalen Stromnetzes

So wird beispielsweise in der Steiermark die 1949 errichtete 220-kV-Ennstalleitung zwischen Weissenbach und Tauern einer Generalerneuerung unterzogen. Die Bauphase auf der 73,2 Kilometer langen Trasse ist zwischen 2026 und 2028 anberaumt und es werden rund 175 Millionen Euro investiert.

Dieselbe Summe ist auch für die Generalerneuerung der 1958 in Betrieb genommenen 220-kV-Leitung zwischen Liezen und Leoben geplant. Die Bauphase für die 71,3 Kilometer Trasse ist ab 2027 für zwei Jahre anberaumt.

Investiert wird auch in die neue Anbindung von Leoben. Das dient nicht nur der Sicherung der Stromversorgung der Region, sondern ebnet auch den Weg zur grünen Stahlerzeugung. Denn die Voestalpine Stahl Donawitz plant, ab 2027 in einem Elektro-Lichtbogenofen mit erneuerbarer Energie Stahl zu erzeugen. Für die Netzinfrastruktur werden bis 2026 rund 118 Millionen Euro investiert.

Das wohl größte Projekt ist jedoch der Lückenschluss des 380-kV-Rings im Süden zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach in Kärnten. Das Projekt Netzraum Kärnten ist ein Kooperationsprojekt der APG und Kärnten Netz und umfasst den Bau einer 180 Kilometer langen Trasse, deren Inbetriebnahme 2032/33 geplant ist. 

Das Investitionsvolumen beträgt 2,7 Millionen Euro und die Vorarbeiten wurden im Februar dieses Jahres bewilligt. Sowohl die Landesregierung als auch die Sozialpartner stehen hinter dem Projekt. Während die Landesregierung auch die Berücksichtigung der Interessen der Bevölkerung einmahnt, stellen sich Arbeiterkammer, Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer Kärnten in einer gemeinsamen Presseaussendung hinter das Projekt.

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  • Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie, bei einer Pressekonferenz 2025
    „Wer Strom netzdienlich verbraucht oder speichert, profitiert in Zukunft durch niedrigere Netzentgelte – das ist effizient und zeitgemäß.“

    Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie

Bevölkerungsakzeptanz als Erfolgsfaktor für Stromprojekte

„Gerade das vor einigen Jahren fertiggestellte Projekt der Weinviertelleitung hat gezeigt, dass diese Zustimmung auch wesentliche Voraussetzung für das Verständnis in der Bevölkerung für ein derartiges Projekt ist“, unterstreicht Christiner.

Die Weinviertelleitung wurde im Sommer 2022 in Betrieb genommen und erstreckt sich auf einer Länge von insgesamt 62 Kilometern von Seyring nach Neusiedl an der Zaya. 

„Im Weinviertel gelang es, von der Idee bis zur Inbetriebnahme in sechs Jahren durchzukommen“, skizziert Christiner. „Das ist die Benchmark für ein gelungenes und ohne Konflikte umgesetztes Strominfrastrukturprojekt. Genau dieses Verständnis herzustellen, ist bei allen Infrastrukturprojekten unser Hauptanliegen."

Bis 2034 investiert die APG rund neun Milliarden Euro in den Ausbau und Modernisierung des überregionalen Stromnetzes.

Wie stark ist die Zustimmung in der Bevölkerung?

86 Prozent der Bevölkerung befürwortet das Ziel, Österreich vollständig mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Das ergibt zumindest eine Marktforschungsstudie vom Gallup Institut im Auftrag von Oesterreichs Energie vom Mai 2025. 

Gleichzeitig empfinden 27 Prozent den Ausbau der Erneuerbaren als zu langsam. 59 Prozent sprechen sich für den zügigen Ausbau von Erzeugungsanlagen aus, 47 Prozent sehen beim Ausbau der Stromnetze dringenden Handlungsbedarf.

Oesterreichs Energie appelliert, die jüngst von der Bundesregierung angekündigten Gesetze und Gesetzesänderungen zügig auf den Weg zu bringen. 

„Genehmigungsverfahren dürfen nicht weiter Sand in unserem Getriebe sein“, sagt Generalsekretärin Barbara Schmidt. „Was wir brauchen, ist ein nationaler Schulterschluss für Tempo – und für ein Energiesystem, das den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist.“

Auch eine Umfrage der IG Windkraft aus dem Frühjahr spiegelt große Akzeptanz in Österreich wieder. Demnach sehen 83 Prozent die Windkraft als sehr oder eher positiv an. 

Während Photovoltaik auf Dachflächen und Fassaden genau wie Agri-Photovoltaik als sehr positiv angesehen werden, kommen Wind- und Kleinwasserkraft unmittelbar dahinter – noch vor Photovoltaik auf Freiflächen.

"Wir sehen die Ergebnisse dieser Meinungsumfrage als Auftrag unsere regionale Verantwortung verstärkt wahrzunehmen und auf die Menschen abseits der Ballungsräume aktiv zuzugehen", sagt Josef Plank, Präsident der IG Windkraft.

Erneuerbare Energie in Österreich braucht Speicherinfrastruktur

Nachdem der Anteil der Erneuerbaren unaufhörlich steigt, ist nicht nur der Netzausbau wichtig, sondern auch der der Speicher. Anfang Juni wurde nach der Modernisierung und Erweiterung die Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck eröffnet, die mit einer Turbinenleistung von 1.545 MW und einer Pumpleistung von 1.095 MW die leistungsstärkste Kraftwerksgruppe Österreichs ist.

Die Stromleistung dieser grünen Batterie mit elf Kraftwerken und einem Pumpwerk entspricht der der sechs größten Donaukraftwerke zusammen. Trotz dieser beeindruckenden Leistung wird es für ein stabiles Netz in Zukunft auch Batteriespeicher brauchen, vor allem im Osten des Landes.

Lesen Sie hier über den größten Batteriespeicher Österreichs

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer von der ÖVP sprach sich Mitte Juni für eine künftige alleinige Förderung von Stromspeichern aus. Momentan ist eine Förderung nur in Kombination mit einer PV-Anlage möglich. (DS/APA)

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