Wasserstoff Energie : Wasserstoffprojekte in Oberösterreich: wie weit werden uns H2FUTURE und Cleantech‑Cluster bringen?
Inhalt
- Cleantech-Cluster: Schaltzentrale für grüne Technologien
- Hy2Market und H2FUTURE: Wasserstoffprojekte mit europäischer Tragweite
- Wasserstoff Valley: Infrastruktur für eine emissionsfreie Industrie
- Zukunftsfonds OÖ: Investitionen in nachhaltige Transformation
- IV-Studie: Chancen und Herausforderungen von Wasserstoff
Die Wasserstoff-Anlage Rubensdorf. Das Industriebundesland Oberösterreich gilt als eine der treibenden Kräfte der Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft.
- © RAG AustriaDas Industriebundesland Oberösterreich gilt als eine der treibenden Kräfte der Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft.
Ein zentraler Hebel ist dabei die konsequente Kooperation zwischen Wirtschaft, Forschung und Entwicklung – verkörpert u.a. durch die Clusterinitiativen der Standortagentur Business Upper Austria.
Diese bündeln Kompetenzen über Branchengrenzen hinweg und tragen damit wesentlich dazu bei, die für die Industrie so bedeutende Energiewende in der Region voranzutreiben.
Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Donauraum Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!
Cleantech-Cluster: Schaltzentrale für grüne Technologien
Die Standortagentur Business Upper Austria betreibt acht Cluster. Hinsichtlich der Energiewende ist besonders der Cleantech‑Cluster (CTC) hervorzuheben, der in Energieeffizienz, Ressourcenschonung und erneuerbare Energien investiert.
Der Cluster fungiert dabei als zentrale Plattform für Umwelttechnik‑ und Energietechnologieunternehmen in Oberösterreich. Er vereint über 250 Partnerunternehmen und agiert als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Forschung, Bildung und Politik.
Lesen Sie mehr zur Wasserstoff-Strategie Österreichs: Neues Finanzierungsmodell als Turbo?
Ein aktuelles Projekt ist dabei Hy2Market. Europaweit untersuchen und entwickeln dabei 10 Regionen und 40 Teilnehmer eine ausgereiftere Wasserstoff-Wertschöpfungskette auf allen Markt-Ebenen.
Eine Transformation des Energiesystems ist nur möglich, wenn künftig Industrieprozesse, Strom, Wärme und Mobilität als großes Ganzes und mit ihren Wechselwirkungen betrachtet werdenMarkus Achleitner, Wirtschafts- und Forschungslandesrat OÖ
Hy2Market und H2FUTURE: Wasserstoffprojekte mit europäischer Tragweite
Parallel dazu entwickelt sich in und rund um Linz ein Wasserstoff‑Ökosystem, das alle Elemente – Produktion, Speicherung, Logistik, Nutzung – integriert.
So hat die voestalpine bereits 2019 eine Pilotanlage zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff am Standort in Linz aufgenommen und setzte damit einen internationalen Meilenstein in der Entwicklung neuer Optionen für die Energieversorgung.
Mit dem EU-geförderten Projekt „H2FUTURE“ erforschen die Partner voestalpine, Verbund, Siemens, Austrian Power Grid, K1-MET und TNO die industrielle Produktion von grünem Wasserstoff. Langfristig soll dieser fossile Energieträger in der Stahlproduktion ablösen.
Ab 2028 plant der Konzern im ersten Schritt zwei Hochöfen durch zwei Elektrolichtbogenöfen zu ersetzen. Ab 2030 ist die Ablöse von zwei weiteren Hochöfen in Linz und Donawitz und die Investition in einen weiteren Elektrolichtbogenofen in Linz geplant.
Das Ziel der CO2-Neutralität soll bis 2050 erreicht werden. Das ist angesichts des gegenwärtigen Strompreises jedoch ein äußerst ambitioniertes Vorhaben, wie dies auch ein Blick nach Deutschland zeigt.
Dort hat ArcelorMittal trotz Förderzusagen in der Höhe von 1,3 Mrd. Euro seine Pläne für eine klimafreundliche Produktion in den Stahlwerken Bremen und Eisenhüttenstadt erst jüngst aufgrund des Kostendrucks aufgegeben. Eine CO2-reduzierte Stahlproduktion sei derzeit nicht wirtschaftlich.
Wasserstoff Valley: Infrastruktur für eine emissionsfreie Industrie
Ein weiteres Programm rund um die Energiewende in der Industrie stellt auch das Wasserstoff Valley dar. Dieses ehrgeizige Vorhaben unter der Leitung des Linzer Forschungsinstituts WIVA P&G deckt die gesamte Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff ab – von der Erzeugung über den Transport bis hin zur Speicherung und Nutzung.
Der Wasserstoff soll in den Bundesländern Oberösterreich, Steiermark und Kärnten vorrangig von der Industrie (56 Prozent) sowie in den Bereichen Energie (23 Prozent) und Mobilität (21 Prozent) eingesetzt werden.
Geplant ist u.a. der Bau neuer Elektrolyseanlagen, die jährlich mehr als 10.000 Tonnen Wasserstoff in den drei beteiligten Bundesländern produzieren sollen.
Für das Jahr 2028 wird der regionale Bedarf dort auf über 13.000 Tonnen geschätzt. Der Zeitplan sieht daher bis Ende 2026 die konkrete Planung vor, danach erfolgt die Errichtung der Anlagen, die bis Ende 2028 in Betrieb gehen sollen. Bis 2030 sollen die Anlagen weiter optimiert werden.
-
„Wasserstoff wird für bestimmte Anwendungsbereiche in Industrie, Mobilität und Stromversorgung unverzichtbar.“IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.
Zukunftsfonds OÖ: Investitionen in nachhaltige Transformation
Der Zukunftsfonds Oberösterreich gilt als eines der zentralen Instrumente zur aktiven Gestaltung des strukturellen Wandels in Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft.
Mit einem Volumen von mindestens 100 Mio. Euro bis 2030 unterstützt der Fonds Projekte mit besonders hohem Zukunftspotenzial – von Digitalisierung und Dekarbonisierung über Life Sciences bis hin zu Fachkräftequalifizierung und Standortentwicklung.
Beispielhaft ist die Förderung von Wasserstofftechnologien im Rahmen des „Hydrogen Valley“ oder Investitionen in die biobasierte Kreislaufwirtschaft. Auch die Transformation klassischer Industriebetriebe hin zu klimaneutralen Vorzeigemodellen wird aktiv unterstützt.
Der Zukunftsfonds steht dabei nicht nur für die Verteilung von Fördermitteln, sondern auch für eine nachhaltige und technologie-offene Standortstrategie.
IV-Studie: Chancen und Herausforderungen von Wasserstoff
Wasserstoff gilt als zentrales Element der grünen Transformation. Doch der Weg zur breiten Anwendung ist technisch, wirtschaftlich und politisch anspruchsvoll. Das zeigte auch die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) bei der Präsentation ihrer neuen Studie „Wasserstoff als industrieller Energieträger“.
Laut IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch ist Wasserstoff für Industrie, Mobilität und Energieversorgung unverzichtbar. Der weltweite Bedarf könnte bis 2050 auf knapp 600 Mio. Tonnen steigen. Derzeit bremsen hohe Kosten bei Produktion, Transport und Speicherung noch den großflächigen Einsatz.
Oberösterreich zeigt sich jedoch gut aufgestellt: Mit großen Speichern, industriellen Abnehmern und einem aktiven Netzwerk mit über 70 Partnern schreitet die „Wasserstoff-Offensive 2030“ voran. Landesrat Markus Achleitner verweist auf konkrete Projekte wie etwa das „H2-Startnetz“, das bestehende Gasleitungen für Wasserstoff nutzbar macht, und das neue Forschungszentrum in Wels.
Doch internationale Abhängigkeiten bleiben: Europa wird langfristig über 60 Prozent seines Wasserstoffbedarfs importieren müssen, etwa aus Nordafrika. Dabei erschweren politische Unsicherheiten und fehlende Infrastruktur die Umsetzung. Auch heimische Akteure wie Linde, RAG oder Siemens Energy betonen: Elektrolyse bleibt teuer, Speicherlösungen fehlen, und regulatorische Rahmenbedingungen sind unzureichend. Ohne massive Investitionen und politische Unterstützung wird der Durchbruch nicht gelingen.
🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?
Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden! 🚀💼