Oberösterreich Industrie : Nächsten 12 Monate werden hart für Industrie Oberösterreich

Ein Pkw fährt schnell vor einer Stahlproduktionsanlage vorbei.

Der Industriestandort Oberösterreich beschäftigt rund 121.000 Menschen.

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Oberösterreichs Industrie steht unter Druck. Eine aktuelle Umfrage der WKO OÖ Sparte Industrie zeigt: Die Stimmungslage verschlechtert sich weiter. 

Zwei Drittel der befragten Unternehmen erwarten für die nächsten zwölf Monate negative Entwicklungen. Erich Frommwald, Obmann der WKO OÖ Sparte Industrie, sieht dennoch langfristig Chancen – vorausgesetzt, EU und Bund setzen endlich die notwendigen Reformen um.

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Der Industriestandort Oberösterreich beschäftigt rund 121.000 Menschen. Etwa ein Drittel aller Industrielehrlinge Österreichs absolviert die Ausbildung in oberösterreichischen Betrieben. Mit einem Produktionswert von circa 48 Milliarden Euro erwirtschaften die Industriebetriebe Oberösterreich 23 Prozent der gesamten nationalen Industrieproduktion. Fast zwei Drittel des Umsatzes erzielen sie auf internationalen Märkten.


„Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist damit nicht nur ein zentrales Erfolgskriterium für Industrie und Wirtschaft in unserem Bundesland, sondern letztlich ein zentraler Wohlstandsfaktor für unsere gesamte Gesellschaft", so Frommwald.

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Etwa ein Drittel aller Industrielehrlinge Österreichs absolviert die Ausbildung in oberösterreichischen Betrieben.

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Zukunftsmonitor 2030

Jährlich führt die Wirtschaftskammer Oberösterreich Industrie eine umfassende Befragung durch. Der empirische Zukunftsmonitor 2030 liefert fundierte Daten zur aktuellen Lage der Industrieunternehmen OÖ

Die neueste Erhebung fällt ernüchternd aus. Globale politische und technologische Veränderungen setzen den Industriesektor unter Druck. Doch viele Probleme sind hausgemacht, betont Frommwald. Mit Konsequenz und politischem Willen ließen sich wesentliche Wettbewerbshemmnisse zügig beseitigen.


Paul Eiselsberg, Senior Research Director von IMAS International, präsentiert die Kernergebnisse: „Oberösterreichs Industrie blickt mit zunehmender Sorge in die Zukunft. Zwei Drittel sehen für die kommenden zwölf Monate schwarz. Für die kommenden zwei bis fünf Jahre sind es immer noch 56 Prozent."


Der Ausblick hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter verdüstert. Interessanterweise betrachten die Betriebe die längerfristige Perspektive von sechs bis neun Jahren ähnlich optimistisch wie 2024. 45 Prozent zeigen sich zuversichtlich, während 17 Prozent skeptisch und 20 Prozent sorgenvoll in diese Zeitspanne blicken. Besonders auffällig: Der sorgenvolle Blick auf die mittlere Frist von zwei bis fünf Jahren nahm um 11 Prozentpunkte zu.

  • Erich Frommwald, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich
    „Das Feedback der oberösterreichischen Industrie ist klar und verstärkt die Inhalte aus dem Vorjahr. Wir brauchen in Österreich und Europa dringend eine Deregulierung, weniger Bürokratie, weniger Vorschriften, weniger behördliche Komplexität."

    Erich Frommwald, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich

Wirtschaftsstandort Oberösterreich erhält schlechtere Noten

Ein weiteres alarmierendes Signal: Nur noch 18 Prozent der befragten Unternehmen sehen eine positive Entwicklung des Wirtschaftsstandorts in den vergangenen drei bis vier Jahren – ein Rückgang um 11 Prozentpunkte. Gleichzeitig stieg der Anteil derer, die keine positive Entwicklung erkennen, um 17 Prozentpunkte auf 75 Prozent.


„Im Vergleich zu unserer Studie im Vorjahr stellt Oberösterreichs Industrie dem Wirtschaftsstandort Oberösterreich in seiner Entwicklung in den vergangenen Jahren ein spürbar schlechteres Zeugnis aus. Das muss die Alarmglocken in der Politik schrillen lassen", betont Frommwald.

Linz, Oberösterreich.

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Bürokratieabbau Österreich: Hauptforderung der Industrie OÖ

Auf die Frage nach den drängendsten Herausforderungen im Arbeitsalltag nennen 60 Prozent der oberösterreichischen Industriebetriebe Bürokratie und komplexe gesetzliche Rahmenbedingungen. 

An zweiter Stelle folgen mit 52 Prozent hohe Kosten, insbesondere bei Personal und Energie. Die Personalsituation – qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden – belegt mit 30 Prozent Rang drei.
 

Bemerkenswert: Das Thema Zölle, speziell US-Zölle, wird nur von fünf Prozent genannt. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Komponenten sowie Lieferketten-Probleme nennen vier Prozent. Die Infrastruktursituation spielt mit einem Prozent kaum eine Rolle.


Die Umfrage zeigt klare Prioritäten: 62 Prozent der befragten Betriebe erachten es als sehr wichtig, die Rechtssicherheit zu erhöhen. Rechtliche Angelegenheiten müssen klarer, beständiger und vorhersehbarer werden, zitiert Eiselsberg aus dem Studienreport. 40 Prozent bewerten es als sehr wichtig, dass die ökologische Transformation soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Fachkräftemangel Industrie wird 2030 zur größten Herausforderung

Für das Jahr 2030 ändert sich die Prioritätenliste deutlich. Die Schwierigkeit, qualifiziertes und motiviertes Personal zu gewinnen, rückt mit 43 Prozent auf Platz eins. 

Knapp dahinter folgen mit 35 Prozent weiterhin die Energiekosten und allgemeiner Kostendruck. Die Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit belegt mit 32 Prozent Rang drei.

Deregulierung Wirtschaft: Forderung an Politik auf allen Ebenen

Frommwald formuliert deutlich: „Das Feedback der oberösterreichischen Industrie ist klar und verstärkt die Inhalte aus dem Vorjahr. Wir brauchen in Österreich und Europa dringend eine Deregulierung, weniger Bürokratie, weniger Vorschriften, weniger behördliche Komplexität."
 

Diese Probleme seien von der Weltkonjunktur entkoppelt und stünden nicht unmittelbar mit technologischem oder ökologischem Wandel in Verbindung. Der Handlungsbedarf sei dringend, so der Spartenobmann.


Die WKO OÖ Sparte Industrie fordert konsequente Verfahrensvereinfachungen, klare Zuständigkeiten, digitale Lösungen und praxisnahe Deregulierung. Betriebe sollen ihre Ressourcen stärker auf Wertschöpfung, Innovation und nachhaltiges Wachstum konzentrieren können.


Unternehmen berichten von komplexen Regelwerken, langwierigen Genehmigungsverfahren und fehlenden digitalen Schnittstellen. Diese Faktoren binden wertvolle Ressourcen und verzögern Investitionen. Ein Beispiel: Bei Sekundärrohstoffen führt die Einstufung als „Abfall" zu unnötigen Transportauflagen. Der verpflichtende Bahntransport ab 200 km (ab 2026 bereits ab 100 km) ist für viele Betriebe nicht praktikabel und gefährdet die Versorgungssicherheit, da die Infrastruktur unzureichend ausgebaut ist.

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Energietransformation mit Wettbewerbsfähigkeit verknüpfen

Die Energietransformation wirke direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Versorgungssicherheit, Planbarkeit, Kosteneffizienz und ökologische Transformation müssen Hand in Hand gehen. 

„Aber das eine darf nicht zu Lasten des anderen gehen. Wir müssen die ökologische Transformation mit Wettbewerbsfähigkeit verknüpfen, um unsere Wirtschaft global leistungsstark zu halten", so Frommwald.

KI in der Industrie als Effizienzbooster

Künstliche Intelligenz biete enormes Potenzial zur Effizienz- und Produktivitätssteigerung. Die Entwicklungen verlaufen rasant. 


„KI ist kein Einzelsport und die vielfältigen Herausforderungen lassen sich am besten meistern, wenn man anhand konkreter Problemstellungen voneinander lernt und Lösungen miteinander gestaltet", so Frommwald. Mit ‚KI*Transfer' setzen wir ein starkes Signal für die praktische Anwendung von künstlicher Intelligenz in der heimischen Industrie", betont .

Die WKO OÖ Sparte Industrie hat mit der Initiative „KI*Transfer" ein Programm gestartet. Hier soll es um die praktischen Anwendungen von künstlicher Intelligenz in der heimischen Industrie gehen.