OÖ Landeshauptmann : Thomas Stelzer im Interview: "Ohne solide Finanzen geht es nicht"

Thomas Stelzer, Landeshauptmann von Oberösterreich

Thomas Stelzer: „Wir müssen in Europa endlich anfangen, unsere Unternehmen genauso zu schützen und zu unterstützen, wie es in anderen Erdteilen passiert.“ 

- © Land OÖ/Robert Maybach

Oberösterreich, das industrielle Powerhouse Österreichs, muss seine Wettbewerbsfähigkeit neu behaupten. Durch Effizienz, Technologie und Innovation. 

Die Landesregierung setzt dabei auf eine Doppelstrategie bzw. auf Haushaltsdisziplin und Zukunftsinvestitionen. 

Im Interview mit den WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN spricht Landeshauptmann Thomas Stelzer über diesen Spagat.

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Wo gespart werden soll

WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN: Oberösterreich hat im Vorjahr trotz schwieriger Rahmenbedingungen einen Budgetüberschuss erzielt und investiert über OÖ-Plan und Zukunftsfonds stark in den Standort. Wird dieser Kurs auch dann fortgesetzt, wenn die Budgetsituation künftig enger wird? 

Thomas Stelzer: Ja, unser Kurs bleibt klar: Wir setzen weiterhin auf Zukunftsinvestitionen, weil Stillstand am teuersten wäre. Gleichzeitig gilt aber – ohne solide Finanzen geht es nicht. Das heißt: Es wird keine Vollbremsung geben – die ist auch nicht notwendig, da wir in der Vergangenheit aufs Geld geschaut haben –, sondern eine kluge Balance. Wir sparen, wo es richtig ist und investieren, wo es wichtig ist. Wir müssen Prioritäten setzen, effizienter werden und dort investieren, wo es Standort, Arbeitsplätze und Lebensqualität langfristig stärkt.  

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Wo die Bundesregierung aufholen muss

Die Industrie leidet unter hohen Energiepreisen, EU-Regulierungen, geopolitischen Risiken und US-Zollpolitik. Oberösterreich als Industriebundesland Nr. 1 ist besonders betroffen. Wie bleibt das Land dennoch wirtschaftliches Powerhouse – und was erwarten Sie sich vom Bund? 

Stelzer: Klar ist, dass die EU in der Vergangenheit zu sehr auf Reglementierung gesetzt hat, das wird derzeit wieder korrigiert, geht aber nicht schnell und weit genug. Politik soll ermöglichen, nicht verhindern und Bürokratie aufbauen. 

Deshalb haben wir in OÖ ein Schlankmacherprogramm, um die Verwaltung noch effizienter gestalten zu können. Und: Wir setzen auch weiterhin stark auf das Know-how der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher – und investieren in Innovation. KI ist dabei ein wichtiger Schlüssel, hier haben wir an der JKU und den FHs enorme Expertise, diese müssen wir in der Wirtschaft umsetzen. 

Von der Bundesregierung erwarte ich spürbare Schritte zu Entlastungen bei Energie, eine europäische Industriepolitik mit Hausverstand und ein Ende der Überregulierung. Wir müssen in Europa endlich anfangen, unsere Unternehmen genauso zu schützen und zu unterstützen, wie es in anderen Erdteilen passiert. Schließlich ist die EU ein riesiger Binnenmarkt mit über 440 Millionen Einwohnern – das gilt es besser zu nutzen. 

KI als Stärke nutzen

Sie setzen stark auf künstliche Intelligenz und wollen Oberösterreich zur Modellregion für „Human-Centered AI“ machen. Wie kann eine Region wie Oberösterreich im globalen KI-Wettbewerb bestehen? 

Stelzer: Wir müssen dort punkten, wo unsere Stärken liegen: in der Verbindung von Industrie, Forschung und Anwendung. Wir sind dabei, ein Ökosystem zu erstellen, das KI rasch in die Praxis bringt – vom Produktionsbetrieb bis zur Verwaltung. Unser Anspruch ist, die besten industriellen KI-Anwendungen Europas zu entwickeln. Damit schaffen wir Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Souveränität. Das Know-how haben wir etwa in Form von Prof. Hochreiter und seinem Team, aber auch an den FH. Am Ummünzen des Wissens in wirtschaftlichen Erfolg arbeiten wir mit Hochdruck. 

2027 wird neu gewählt. Mit Martin Winkler hat die SPÖ einen sehr offensiven Spitzenkandidaten. Wäre eine Regierungszusammenarbeit mit der SPÖ – trotz scharfer Töne – für Sie denkbar? 

Stelzer: Wir haben aktuell große Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt – deshalb beschäftige ich mich keine Sekunde mit der Wahl 2027 und schon gar nicht mit möglichen Koalitionen. Wichtig ist jetzt, dass wir alle gemeinsam das Beste für Oberösterreich erreichen. Das bedeutet, jetzt die Weichen in Richtung erfolgreicher Zukunft zu stellen.