Wolfgang Ecker & Johanna Mikl-Leitner : Sparpaket für Niederösterreich: „Es wird für alle schmerzlich werden“
Inhalt
- Auftragslage verbessert sich – aber Grundskepsis bleibt
- Kostenstruktur und Bürokratie als zentrale Hemmschwellen
- Investitionsklima bleibt schwach – Digitalisierung und Ökologie im Fokus
- Budgetkonsolidierung: Mikl-Leitner sieht Bund, Länder und Gemeinden gefordert
- Teilzeit-Debatte: Ecker und Mikl-Leitner fordern Kurskorrektur
Mikl-Leitner zur Lifestyle-Teilzeit: „Das ist unfair und ungerecht.“
- © APA/MAX SLOVENCIKDas aktuelle Sommer-Wirtschaftsbarometer der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) zeigt: Die Erwartungshaltung der Unternehmen Niederösterreichs verbessert sich im Vergleich zum Vorjahr spürbar.
Doch die wirtschaftliche Grundstimmung bleibt weiterhin zurückhaltend.
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker bringt die Ergebnisse auf den Punkt: „Wir sehen im Vergleich zum Vorjahr eine grundsätzliche Verbesserung, aber weiter auf einem schwierigen Niveau.“
Nach wie vor nennen sechs von zehn niederösterreichischen Unternehmer:innen die allgemeine Unsicherheit als zentrales Hindernis für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Für Ecker ist klar: „Das muss aufgebrochen werden.“
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Auftragslage verbessert sich – aber Grundskepsis bleibt
34,4 Prozent der befragten Betriebe rechnen laut Barometer mit steigenden Umsätzen in den nächsten zwölf Monaten – im Sommer 2024 waren es noch 21,9 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil jener, die von Rückgängen ausgehen, deutlich: von 54,9 auf 27,5 Prozent.
Ähnliche Entwicklungen zeigt die Auftragslage: 35 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung – mehr als dreimal so viele wie noch 2024 (11,2 Prozent). Der Anteil der Betriebe, die von Rückgängen ausgehen, sank von 45,7 auf 26,8 Prozent.
Bei der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung bleibt jedoch eine gewisse Skepsis. Zwar erwarten 28,5 Prozent Verbesserungen (2024: 2,7 Prozent), gleichzeitig rechnen 42,2 Prozent mit einer negativen Entwicklung – weniger als im Vorjahr (54,5 Prozent), aber weiterhin ein signifikanter Anteil.
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„Einen Freibetrag bei Vollzeitarbeit, um die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer zu senken. Weitere Möglichkeiten wären ein Absetzbetrag bei Vollzeitarbeit und eine Senkung des Steuertarifs in den mittleren Tarifstufen, damit bei höheren Einkommen die Steuerbelastung sinkt. Zusätzlich sollen die zweite und dritte Einkommensteuerstufe angehoben werden.“Johannes Schedlbauer, neben Wolfgang Ecker
Kostenstruktur und Bürokratie als zentrale Hemmschwellen
Aus Sicht der Unternehmen in Niederösterreich bleiben hohe Arbeitskosten (69,8 Prozent), allgemeine Unsicherheit (57,1 Prozent) und bürokratische Hürden (48,2 Prozent) die größten Herausforderungen.
Ecker fordert daher eine klare Entlastung: „Unsere Betriebe brauchen Kostensenkungen auf allen Ebenen. Das reicht von einer Senkung der Lohnnebenkosten über ein Bürokratieabbaupaket bis zu mehr Leistungsanreizen im Steuersystem für längeres Arbeiten und durch steuerfreie Überstunden.“
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Investitionsklima bleibt schwach – Digitalisierung und Ökologie im Fokus
Ein positiver Trend zeigt sich bei Investitionen in Zukunftsthemen: Wenn Unternehmen investieren, dann in Digitalisierung, Innovation sowie ökologische Nachhaltigkeit. Dennoch gibt es weiterhin Zurückhaltung – drei von zehn Unternehmen planen aktuell keine Investitionen.
Ecker betont: „Wir müssen wieder ein positives Investitionsklima schaffen – bei Privaten ebenso wie bei den Betrieben. Denn Investitionen sind ein zentraler Schlüssel für den notwendigen Aufbruch.“
Budgetkonsolidierung: Mikl-Leitner sieht Bund, Länder und Gemeinden gefordert
Auch von politischer Seite wird der Reformdruck deutlich. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erklärt im APA-Interview: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen.“
Sie kündigt ein Sparpaket für Niederösterreich an und betont: „Es wird für alle schmerzlich werden.“
Die Budgetkonsolidierung betreffe alle Ebenen – Bund, Länder und Gemeinden. Zugleich plädiert Mikl-Leitner dafür, in zukunftsträchtige Bereiche wie Infrastruktur, Kinderbetreuung, Wohnen und Kliniken weiterhin zu investieren. In einer geplanten Klausur im September will die Landesregierung konkrete Sparmaßnahmen definieren.
Teilzeit-Debatte: Ecker und Mikl-Leitner fordern Kurskorrektur
Beide, Ecker wie Mikl-Leitner, positionieren sich kritisch zur „Lifestyle-Teilzeit“. Mikl-Leitner meint: „Das ist unfair und ungerecht.“
Ecker ergänzt: „Die Darstellung, dass unsere Unternehmen wegen niedrigerer Zuschläge lieber Teilzeit- als Vollzeitstellen anbieten, ist schlichtweg falsch.“
Unternehmen bräuchten dringend mehr Vollzeitkräfte. Daten zeigen:
- Im Jahr 1992 arbeiteten noch 3,11 Millionen Menschen in Österreich Vollzeit und rund 310.000 Teilzeit arbeiteten.
- 2024 waren hingegen 3,08 Millionen in Vollzeit und 1,41 Millionen in Teilzeit.
- Die Teilzeitquote liegt heute bei 31,5 Prozent. Das ist Platz zwei in der EU.
Mikl-Leitner spricht sich für steuerliche Anreize zur Vollzeitarbeit aus: „Nur wenn wir den Leistungsgedanken verfolgen, können wir uns auch das Sozialsystem weiterhin leisten.“
WKNÖ-Direktor Johannes Schedlbauer nennt konkrete Maßnahmen: „Einen Freibetrag bei Vollzeitarbeit, um die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer zu senken. Weitere Möglichkeiten wären ein Absetzbetrag bei Vollzeitarbeit und eine Senkung des Steuertarifs in den mittleren Tarifstufen, damit bei höheren Einkommen die Steuerbelastung sinkt.“
Zudem sollten die zweite und dritte Einkommensteuerstufe angehoben werden.
„Diese Maßnahmen sind notwendig, um Vollzeitarbeit attraktiver zu gestalten und unseren Mitarbeitermangel in allen Branchen erfolgreich zu begegnen“, so Ecker und Schedlbauer.
Bis zum Jahr 2040 würden, so beruft sich Ecker auf eine Studie, allein in Niederösterreich 60.000 zusätzliche Arbeitsplätze fehlen. Das hätte BIP-Verluste in Höhe von 7,9 Milliarden zur Folge. (LB/APA)
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