ÖBB-Elektrifizierung : Erster Teilabschnitt Steirische Westbahn ist elektrifiziert und eröffnet

ÖBB-Geschäftsführer Ewald Jantscher und LRin Claudia Holzer halten auf einem Bahnhof ein rotes Schild in die Höhe, mit Aufschrift: "Modernisierung Steirische Westbahn"

Geschäftsführer Ewald Jantscher und LRin Claudia Holzer: Die Steierische Westbahn wird seit 2021 umfassend modernisiert. Mit der Inbetriebnahme des ersten Teilabschnitts, ist nun ein wichtiger Schritt erfolgt.

- © ÖBB/Finker

Die ÖBB treiben ihre Dekarbonisierungsstrategie 2025 mit neuen Maßnahmen voran. Besonders Kärnten und die Steiermark stehen dabei im Mittelpunkt – mit regionalen Projekten zur Elektrifizierung der Bahn, der Nutzung alternativer Energiequellen und dem Einsatz klimafreundlicher Treibstoffe. 

Ein Schwerpunkt liegt auf der steirischen Westbahn. Und hier ist nun ein zentraler Meilenstein der ÖBB-Elektrifizierung erreicht: Der erste Teilabschnitt ist – ganz im Zeitplan – in Betrieb. 

Seit 2021 arbeiten die ÖBB an der Modernisierung von 91 Kilometern Bahnstrecke. Durch die Umstellung sollen jährlich rund 16.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Die Investitionssumme beträgt laut aktuellem Rahmenplan rund 693,1 Millionen Euro.

Bereits seit 2018 stammt der Bahnstrom der ÖBB zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen. Bis 2030 will der Konzern den Eigenversorgungsgrad auf 80 % steigern. Mehr als 90 % aller ÖBB-Verkehre auf der Schiene werden schon jetzt elektrisch angetrieben.

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Hochspannungsprüfung bei den ÖBB

- © ÖBB/Karl-Heinz Ferk

Bessere Anbindung durch elektrifizierten Abschnitt Graz–Wettmannstätten–Wies/Eibiswald

Mit dem neuen, elektrisch betriebenen Abschnitt verbessert sich die Anbindung der Region an die Landeshauptstadt Graz und die Koralmbahn, deren Inbetriebnahme für Ende 2025 vorgesehen ist

Die Verbindung über den neu errichteten Bahnhof Weststeiermark soll die Mobilität in der Region effizienter und umweltfreundlicher gestalten.

Für die Umsetzung in diesem Abschnitt wurden etwa 970 Oberleitungsmasten gesetzt, rund 140 Tonnen Armaturen montiert und insgesamt 95 Kilometer Leitungen verlegt. 

Zusätzlich werden Bahnhöfe, Haltestellen und Park & Ride-Anlagen modernisiert sowie infrastrukturelle Maßnahmen wie Tunnelbau und Kreuzungsanpassungen durchgeführt.

„Die Elektrifizierung der steirischen Westbahn ist ein zentraler Meilenstein für eine nachhaltige Verkehrswende in der Südsteiermark", sagt Andreas Matthä, CEO der ÖBB-Holding. 

Und Ewald Jantscher, Geschäftsführer bei der ÖBB-Infrastruktur: „Mit dieser Modernisierung setzen wir ein deutliches Zeichen für umweltfreundlichen, zuverlässigen und effizienten Schienenverkehr."

In der Nichtfinanziellen Erklärung geben die ÖBB Einblick in die Nachhaltigkeitsperformance 2024.

- © ÖBB / Andreas Scheiblecker

Neue Nahverkehrsknoten in Planung

Planungen für die weiteren Abschnitte laufen derweil auf Hochtouren. In Graz entstehen im Zuge der Elektrifizierung unter anderem vier neue Nahverkehrsknoten sowie ein Ausweichgleis in der Nähe der heutigen Haltestelle Graz Wetzelsdorf. 

Weit fortgeschritten sind die Arbeiten zwischen Lieboch und Wettmannstätten. In diesem Bereich ist die Oberleitung bereits baulich fertiggestellt, welche für den Betrieb mit umweltfreundlichem Strom notwendig ist. Als nächstes am Programm steht in diesem Abschnitt bis 2028 die Modernisierung der Haltestellen Oisnitz und Alling-Tobisegg.

Bahnstrom aus Kärnten: Erste Agri-Photovoltaikanlage entsteht in Thalsdorf

Parallel dazu entsteht im Kärntner Thalsdorf die erste Agri-Photovoltaikanlage Österreichs für Bahnstrom. Das Projekt soll jährlich rund 15 GWh erneuerbare Energie liefern – genug für etwa 3.800 Railjet-Fahrten zwischen Wien und Salzburg.

So viele neue Railjets planen die ÖBB

Die Anlage mit rund sechs Hektar Fläche kombiniert Energieproduktion und Landwirtschaft. Der Rasen unter den PV-Modulen dient als Weidefläche für etwa 6.000 Hühner und 60 Schafe. 

Die erste Agri-PV-Anlage für Bahnstrom in Thalsdorf dient auch als Weidefläche und Schattenspender für Schafe & Hühner.

- © ÖBB

Mit einer Modulfläche von rund 6 Hektar erbringt die Agri-PV-Anlage in Thalsdorf künftig einen Jahresertrag von rund 15 GWh an 100 % erneuerbarer Energie.

- © ÖBB

Biotreibstoffe als Übergangstechnologie: Pilotprojekt in der Steiermark

Neben der ÖBB-Elektrifizierung bestehender Strecken testen die ÖBB auch alternative Antriebe. 

In der Steiermark läuft ein Pilotprojekt mit HVO-100, einem Biokraftstoff aus Pflanzenöl und Abfällen, auf der Thermen- und Aspangbahn. Hier ersetzen umgebaute Dieseltriebwagen der Baureihe 5022 seit 2024 herkömmlichen Diesel.

Die Maßnahme soll rund 100.000 Liter Diesel pro Jahr einsparen. Ziel sei es, durch solche Projekte den Schienenverkehr im Süden Österreichs klimafreundlicher zu gestalten – als Brückentechnologie bis zur vollständigen Elektrifizierung.

Langfristige Ziele und Berichtspflichten

Bis 2050 wollen die ÖBB ihre Emissionen gegenüber 2022 um 90 % reduzieren. Der restliche Anteil soll ausgeglichen werden. Ein neuer Übergangsplan enthält konkrete Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Schienenverkehrs, auch in Kärnten und der Steiermark.

Ein Fokus im Berichtsjahr 2024 zum Thema Dekarbonisierung lag auf der vollständigen Erhebung und Bewertung der relevanten indirekt anfallenden Emissionen entlang der Lieferkette (Scope 3 Inventar) sowie der Weiterentwicklung der Treibhausgas-Bilanzierung.

Die 2024 veröffentlichte „Nichtfinanzielle Erklärung“ der ÖBB entspricht bereits ersten Anforderungen der neuen European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Ziel ist es, durch frühzeitige Umsetzung besser auf die kommenden Anforderungen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) vorbereitet zu sein.

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