Volksbefragung Kärnten Windkraft : Kärnten Windkraft: Gerichtsbeschluss ignoriert, drastische Zonierung kommt

das lavanttal im winter mit windrädern in der ferne

Windräder im Lavanttal. Bei der Volksbefragung sprach man sich dafür aus, keine weiteren Windräder aufzustellen. 

- © adobe stock/Marco

Der zuständige Energie-Ausschuss im Kärntner Landtag hat am 27. Jänner 2026 die Windkraft-Zonierung beschlossen. Diese Regelung begrenzt die Anzahl der Windkraftanlagen in ganz Kärnten auf höchstens 50 Anlagen

SPÖ und ÖVP teilten mit, dass die Abstimmung einstimmig erfolgte – auch FPÖ und Team Kärnten stimmten zu. Die neue gesetzliche Regelung basiert auf der Volksbefragung zur Kärntner Windkraft, die Anfang 2025 durchgeführt wurde.


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Volksabstimmung Kärnten Windräder: Verfassungsgerichtshof wird "ignoriert"

FPÖ und Teile des Team Kärnten initiierten die Volksbefragung zur Windenergie Kärnten. Am 12. Jänner 2025 sprachen sich 51,5 Prozent der TeilnehmerInnen dafür aus, keine weiteren Windräder aufzustellen. Die Wahlbeteiligung erreichte 35 Prozent. 

Als Konsequenz entwickelten die zuständigen Stellen eine Zonierung, die ausschließlich vier Gemeinden im Bezirk Wolfsberg als Standorte für Windkraftanlagen Kärnten vorsieht. Damit definierte der Kärntner Landtag Windräder lediglich auf 0,077 Prozent der gesamten Landesfläche als zulässig.

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) urteilte dann Ende 2025, dass die Befragung aufgrund ihrer wertenden Formulierung gegen das Gesetz verstieß. Die Frage an die Kärntner Bevölkerung lautete im Jänner: "Soll zum Schutz der Kärntner Natur (einschließlich des Landschaftsbildes) die Errichtung weiterer Windkraftanlagen auf Bergen und Almen in Kärnten landesgesetzlich verboten werden?" Der VfGH bewertete diese Formulierung als nicht neutral. 

Das Gesetz, das der Landtag am 5. Februar 2026 verabschieden will, bleibt von dieser Entscheidung jedoch unberührt.

Lesen Sie hier, warum große Windparks wohl auch in Tirol Zukunftsmusik bleiben

Warum Windkraft in Österreich?

Bis 2040 soll Österreich Klimaneutralität erreicht haben und als „Klimaschutzvorreiter in Europa“ positioniert sein. Zusätzlich soll bis 2030 die Stromversorgung auf 100 Prozent (national bilanziell) Ökostrom bzw. Strom aus erneuerbaren Energieträgern umgestellt sein.

Dieses Ziel erfordert einen Ausbau der Erneuerbaren um 27 Terrawattstunden. Diese setzen sich zusammen aus dem:

  • Ausbau von Photovoltaik im Ausmaß von 11 TWh,
  • Windkraft im Ausmaß von zehn TWh,
  • Wasserkraft im Ausmaß von fünf TWh,
  • und Biomasse entfällt im Ausmaß von einer TWh.

Diese Ausbauziele wurden auch im Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) festgehalten, welches im Juli 2021 im Parlament beschlossen wurde. Der österreichische Netzinfrastrukturplan (ÖNIP), welcher 2024 beschlossen wurde, beinhaltet bereits geänderte Prognosen zum Strombedarf, welcher auch Anpassungen beim Ausbau notwendig macht.

  • Portraitfoto von Michael Strugl, Vorsitzender des Vorstands VERBUND
    „Egal wer regiert, an einem Ausbau von Erzeugung, Netz und Speichern führt kein Weg vorbei“

    Michael Strugl, Chef des Stromkonzerns Verbund 

Wie viel Erneuerbare Energie braucht Österreich?

Nach diesen Berechnungen benötigt der Erneuerbaren-Ausbau einen Umfang von 39 TWh zwischen 2020 und 2030. Je 21 TWh Stromerzeugung entfallen auf Photovoltaik und Windkraft.

Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber den im EAG formulierten Ausbauzielen. Für den Zeitraum von 2030 bis 2040 wird sogar von einem notwendigen Ausbau im Umfang von insgesamt 70 TWh an zusätzlicher erneuerbarer Energie ausgegangen.

Trotz dieser weitreichenden Beschlüsse sind andere wichtige Vorhaben wie das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), das Erneuerbare Gase Gesetz (EGG) oder das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) unter Schwarz-Grün zwar verhandelt, jedoch nicht beschlossen worden.

Infobox Erneuerbare Energien

Wussten Sie, dass … 

  • Nach neueren Berechnungen der Erneuerbaren-Ausbau einen Umfang von 39 TWh zwischen 2020 und 2030 betragen muss
  • Die beliebteste Form der erneuerbaren Energieerzeugung wieder die Photovoltaik gefolgt von Kleinwasserkraft und Windkraft ist 
  • Die Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung auf Photovoltaikanlagen Einsparungen im Umfang von 175 Millionen Euro bringen soll 
  • Der Strombedarf der energieintensiven Industrie in Kärnten sich bis 2040 verdoppeln wird

Vernunft statt Ideologie: Energiebranche fordert Planungssicherheit

"An einem Ausbau von Erzeugung, Netz und Speichern führt kein Weg vorbei“, sagte Michael Strugl, Chef des Stromkonzerns Verbund, 2025. Der weitere Ausbau sei keine „ideologische Frage, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft." Sein Rat an die Politik war daher, am angestrebten Ziel der Klimaneutralität 2040 festzuhalten, um Planungssicherheit für die Unternehmen zu gewährleisten.

„Was wir brauchen, ist ein verlässlicher Pfad, auf den wir dann setzen können für unsere Investitionen. Diese Stabilität, diese Rechtssicherheit, diese Planungssicherheit, das ist das Entscheidende für uns“, so Strugl damals.

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