US-Zölle : US-Zölle: Warum sie Niederösterreich und Oberösterreich besonders treffen

Mobiler Kran hebt eine Stahlrolle auf einen LKW in einem Hafen.

Die USA müssen rund ein Viertel ihres Stahlbedarfs zukaufen, bei Aluminium sind es gar 50 Prozent.

(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)

- © Adobe Stoch / utaem2022

Die Drohung des US-Präsidenten Donald J. Trump, Zölle auf Stahl und Aluminium ab 12. März 2025 einzuheben, war ernst zu nehmen. Bereits in seiner ersten Amtszeit verhängte Trump Sonderzölle auf Stahl und Aluminium. Nun sind die neuen Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent in Kraft.

Die USA müssen rund ein Viertel ihres Stahlbedarfs zukaufen, bei Aluminium sind es gar 50 Prozent.

In der aktuell schwachen Konjunktur ist das ein zusätzlicher Schlag für Österreichs Industrie. Mit insgesamt 243.000 Tonnen Stahl und 43.000 Tonnen Aluminium erzielte unsere Industrie im vergangenen Jahr einen Exportwert von rund 653 Millionen Euro. 

Die Ausfuhren von verarbeiteten Metallprodukten in die USA sind 2024 um 14 Prozent auf 14 Milliarden Euro angestiegen. Gute Geschäfte mit Amerika machten zuletzt österreichische Unternehmen wie z. B. voestalpine und AMAG, im österreichischen Donauraum – dem Zentrum der heimischen Industrie – angesiedelt.

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Die voestalpine rechnet mit Einbußen von zwei bis drei Prozent des Konzernumsatzes. Das entspricht einem Exposure von rund 300 bis 500 Millionen Euro. „Diese Zahlen sind managebar,“ versichert Herbert Eibensteiner, CEO von voestalpine im Gespräch mit der APA. Im Geschäftsjahr 2023/24 konnte die voestalpine einen Konzernumsatz von 16,7 Milliarden Euro erwirtschaften.

In den USA betreibt die voestalpine derzeit 49 Standorte mit rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Im vergangenen Geschäftsjahr 2023/24 wurden in den Vereinigten Staaten ungefähr elf Prozent des Gesamtumsatzes erzielt. Laut Finanzvorstand Gerald Mayer hat der Konzern in den USA bisher rund 600 Millionen Euro investiert und im laufenden Geschäftsjahr bereits 50 Millionen mehr, also rund 70 Millionen.

  • voestalpine -CEO Herbert Eibensteiner im Portrait
    "Die Wettbewerbsfähigkeit Europas ist ein größeres Thema als die Zölle.“

    voestalpine -CEO Herbert Eibensteiner

Strategie „local for local“ als Antwort auf Zölle

Die Strategie, die unter dem Begriff "local for local" firmiert und die Produktion in den Abnehmerländern vor Ort vorsieht, trägt in den USA bereits erste Früchte. 

„Deutlich mehr als die Hälfte für den amerikanischen Markt produzieren wir lokal - das vermeidet das Risiko von Zöllen“, erklärte der Konzernchef vor Journalisten. 

Die voestalpine will diesen Umsatzanteil künftig erweitern. Aktuell erzielt das Unternehmen in den USA einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro.

  • AMAG-Vorstand Helmut Kaufmann im Portrait, einen Anzug tragend.
    „Die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten bei Aluminium ist derzeit deutlich größer als bei Stahl, gegen das ebenfalls Handelsbeschränkungen verhängt werden sollen.“

    AMAG-Vorstand Helmut Kaufmann

Preiserhöhungen und Handelsverschiebungen erwartet

Der neue Zollaufschlag dürfte teilweise an die US-Kunden weiterverrechnet werden, was die Stahlprodukte teurer machen wird. 

„Wir gehen davon aus, dass wir dort die Zölle verlangen können,“ so Eibensteiner. Es gebe auch Verträge, die solche Möglichkeiten vorsehen. „Wenn in den USA bestimmte Produkte nachgefragt werden, die es dort nicht gibt, dann werden die Kunden die Zölle zahlen müssen.“ 

Der 25-Prozent-Zoll wird die Auflösung der bestehenden Ausnahmeregeln auf Stahl und Stahlprodukte ab Mitte März nach sich ziehen.

Handelsströme werden sich verlagern

Derzeit importieren die USA 30 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr aus dem Ausland. „Ein Stahlwerk zu bauen, dauert mehrere Jahre – es wird also die dadurch entstehende Lücke nicht so schnell zu füllen sein", meint der voestalpine-CEO. „Wenn Zölle tatsächlich eingeführt werden, gibt es immer einen Umlenkungseffekt – in diesem Fall hat Präsident Trump Zölle gegen die ganze Welt angekündigt, das heißt, wir haben mit den Wettbewerbern ein 'Level Playing Field', also gleiche Wettbewerbsbedingungen.“

Auch werde die Maßnahme Trumps die Inflation befeuern. „Die Stahlpreise in den USA könnten tatsächlich steigen,“ so Eibensteiner. Eine Umlenkung der Stahllieferungen dürfte zu erwarten sein. „China produziert eine Milliarde Tonnen Stahl. Es wird sicher so sein, dass sich die Handelsströme tatsächlich verändern werden."

  • Kari Ochnser, IV NÖ-Präsident und CEO von Ochsner Wärmepumpen, steht neben einer Wärmepumpe in seiner Fabrik.
    „Wenn die Regierung die Gewinne der Unternehmer subventioniert, anstatt den freien Markt zu respektieren, ist das ein Angriff auf die Prinzipien der Marktwirtschaft.“

    Kari Ochnser, IV NÖ-Präsident und CEO von Ochsner Wärmepumpen

EU gefordert: Verhandlungen mit den USA nötig

Eibensteiner beschwört die EU, möglichst rasch in Verhandlungen mit den USA einzutreten. „Als weltweit tätiger Konzern sehen wir eine Eskalation der Handelskonflikte sehr kritisch – wir appellieren daher an die Europäische Union, sofortige Gegenmaßnahmen zu setzen und Verhandlungen mit den USA aufzunehmen. Wir hatten in Europa genügend Zeit, um uns auf das erwartete Szenario einzustellen und müssen mit einem Binnenmarkt von 450 Millionen Menschen entschieden dagegenhalten.“ 

Der Konzern-Boss hält Handelskonflikte generell für „inflationstreibend und wachstumsdämpfend“. Außerdem führten sie sicher zu einer weiteren Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.

So wichtig sind die USA als Exportland für NÖ und OÖ

Exportvolumen in Mrd. Euro, Jahr 2023 

Niederösterreich: 1,3 Mrd Euro 

Oberösterreich: 1,8 Mrd. Euro 

Österreich: 14,7 Mrd Euro 

Quelle: Land NÖ, Land OÖ, WKO 

Aluminiumkonzern AMAG besonders betroffen

Mit doppelter Härte könnte die US-Zoll-Politik den oberösterreichischen Aluminium-Konzern AMAG treffen. Der Konzern produziert in Kanada Aluminium und exportiert Waren aus Europa in die USA. 

„Wir wissen derzeit nicht, ob die Zölle kumuliert eintreten werden oder nicht. Also ob wir mit Zöllen von zweimal 25 Prozent betroffen wären“, so AMAG-Finanzvorständin Claudia Trampitsch im Rahmen der Bilanzpressekonferenz. 

Die AMAG ist an der kanadischen Aluminiumelektrolyse Aluminerie Alouette in Quebec beteiligt, wo erzeugtes Primäraluminium derzeit vollständig in die USA exportiert wird.

Österreichs Wirtschaft braucht Antworten

„Grundsätzlich liefern wir nach Amerika nicht unter der Marke Ochsner, sondern unter der Marke OEM und der US-Markt ist für uns noch ein relativ kleiner Markt“, erklärt Kari Ochsner, CEO des gleichnamigen Wärmepumpenherstellers in fünfter Generation. 

Das heißt, wenn auch der Technologieführer der Branche davon nicht massiv betroffen ist, sieht Ochsner einen Schaden für die gesamte Industrie. „Die USA sind Österreichs zweitwichtigster Handelspartner nach Deutschland. Europa muss hierfür in jedem Fall eine Antwort finden.“

Ochsner ist grundsätzlich kein Freund von Zöllen, weil er an den freien Handel glaubt – mit einer Ausnahme:

„Ich sehe mit Sorge die Strategie von China, denn dort ist die Marktwirtschaft ausgehebelt worden. Mit der zweieinhalbfachen Kapazität und einem stark reduzierten eigenen Nachfragemarkt versucht China Europa mit billigsten Produkten zu fluten, die keinen betriebswirtschaftlichen Grundsätzen folgen, weil die Regierung dort jedes Defizit ausgleicht.“

Die Frage wird sein, wie lange sich das China leisten kann, folgert Ochsner.  

„Wenn man es mit Produkten zu tun hat, die von Unternehmen produziert werden, die im Wettbewerb außerhalb der kaufmännischen Regeln agieren, sind wohl Zölle die einzige Möglichkeit, sich dagegen zu schützen. Ich verstehe aber auch, dass es Unternehmen gibt, die stark vom chinesischen Markt abhängig sind und dadurch Zölle kritisch sehen.“

Ochsner sieht Europa in der Pflicht, eine Lösung zu finden, weil sonst die chinesische Industrie die europäische perspektivisch vernichten könnte.  

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