Julius Blum GmbH : Blum Umsatz steigt 2024/25 endlich wieder: Welche Auswirkungen haben US-Zölle?

Zwei jungen Mitarbeitende in einer Produktionsstätte des Vorarlberger Beschlägeherstellers Julius Blum GmbH.

Die Blum-Gruppe zählt weltweit 9.846 Mitarbeitende.

- © Blum

Die Julius Blum GmbH mit Sitz in Höchst, Vorarlberg hat im Geschäftsjahr 2024/25 nach zwei Jahren Rückgang wieder ein Umsatzwachstum verzeichnet. 

Der Blum Umsatz lag zum Stichtag Ende Juni bei 2,441 Mrd. Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 144 Mio. Euro oder 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2,297 Mrd. Euro).

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Philipp Blum, Geschäftsführer des Beschlägeherstellers, betont dennoch, wie wichtig wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Unternehmen seien. Bei der jährlichen Pressekonferenz bezeichnete er die Marktlage als nach wie vor herausfordernd, wenngleich positive Tendenzen erkennbar seien. 

„Angesichts einer immer noch unsicheren, volatilen und von Konflikten geprägten Welt sind wir mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr 2024/25 zufrieden“, so Philipp Blum.

Es gebe zwei Hauptgründe für das Umsatzplus:

"Zum einen konnten wir eine Trendwende schaffen und in den vergangenen zwölf Monaten die Verkaufsmengen aller Produktgruppen steigern", so Philipp Blum. Neben Scharnieren, Führungs-, Box- und Klappensystemen konnte sich auch die neueste Produktgruppe, das Revego-Pocketsystem, gut entwickeln. 

Zum anderen sei die belgische Tochter Van Hoecke, die seit dem 1. Juli 2024 Teil der Gruppe ist, erstmals im Umsatz inkludiert. Der langjährige belgische Vertreter und Produzent von Möbelkomponenten bedient die Märkte Belgien, Niederlande und Luxemburg.

Das bisherige Rekordjahr bleibt 2021/22 mit 2,643 Mrd. Euro Umsatz. Zur Ertragslage macht das Unternehmen traditionell keine Angaben.

  • Portrait Martin Blum, Co-Geschäftsführer der Blum-Gruppe
    „Wir fokussieren uns auf unsere eigenen Aufgaben, die wir mit unseren Mitarbeitenden selbst beeinflussen können: innovative Produkte und Services, Lieferketten, Produktionsstandorte sowie Flexibilität für unsere Kunden – aber wir sehen uns mit einer stetig wachsenden Bürokratie konfrontiert."

    Martin Blum, Geschäftsführer

Die Pressekonferenz vom 17. Juli 2025 zum Wirtschaftsjahr 2024/2025 hier auch zum Ansehen. Die Geschäftsführer Philipp und Martin Blum berichten Zahlen und Fakten, und informieren über internationale Marktentwicklungen, Mitarbeiterzahlen, Investitionen sowie aktuelle Markttrends.

Internationale Präsenz bleibt entscheidender Erfolgsfaktor

Die Blum Gruppe ist in mehr als 120 Ländern tätig und betreibt Produktionsstandorte in Vorarlberg, den USA, Brasilien, Polen und China. Ein wichtiger Pfeiler für den wirtschaftlichen Erfolg ist die internationale Aufstellung mit 34 Tochtergesellschaften.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 45 Prozent des Umsatzes in der EU erwirtschaftet, 15 Prozent entfielen auf den US-Markt

In China sei die Lage weiterhin angespannt. Die Entwicklung in den USA, Osteuropa und der Asien-Pazifik-Region sei laut Co-Geschäftsführer Martin Blum hingegen positiv verlaufen. Westeuropa habe sich stabilisiert. 

„Unsere internationale Präsenz mit 34 Tochtergesellschaften bleibt ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, sagt er. Damit könnten regionale Unterschiede gut abgefedert werden.

  • Portrait Philipp Blum, CO-Geschäftsführer der Vorarlberger Blum-Gruppe
    „Angesichts einer immer noch unsicheren, volatilen und von Konflikten geprägten Welt sind wir mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr 2024/2025 zufrieden."

    Geschäftsführer Philipp Blum

Investitionen in Vorarlberg bekräftigen Standortbekenntnis

Wie Co-Geschäftsführer Martin Blum mitteilte, investierte die Julius Blum GmbH im Geschäftsjahr 2024/25 rund 185 Mio. Euro, den größten Teil davon in Vorarlberg. Im Vorjahr lagen die Investitionen bei 287 Mio. Euro. 

„Wir sind ein internationales Unternehmen, aber wir bekennen uns damit weiterhin klar zum Wirtschaftsstandort Vorarlberg“, so Blum. Ziel sei es, die Werke und Standorte im Westen Österreichs zukunftsfähig zu halten.

Darüber hinaus wurden neue Produktionsanlagen angeschafft sowie Schauräume international überarbeitet oder neu eröffnet. Per 30. Juni 2025 beschäftigt die Gruppe 9.846 Mitarbeitende, davon 6.732 in Vorarlberg. Die Belegschaft bezeichnete das Unternehmen als „wichtigstes Gut“.

Zölle und Regulierungen: Kritik an EU und österreichischer Politik

Trotz des Umsatzwachstums äußerte die Unternehmensleitung Kritik an der wirtschaftspolitischen Entwicklung in Österreich und der EU. Philipp Blum betonte die Bedeutung einer wettbewerbsfähigen Europäischen Union: 

„Wir brauchen eine Europäische Union, die nicht ständig die Bürokratielast erhöht, sondern wieder verstärkt im Geiste ihrer Gründungsidee handelt und diese weiterentwickelt: ein gemeinsamer Wirtschaftsraum mit einer starken geopolitischen Positionierung.“

Martin Blum hierzu: "Regulierungen und Vorschriften sind in Europa deutlich umfassender als in anderen Weltregionen und beeinträchtigen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.“ 

Themen wie Rohstoffpreise, Energieversorgung, Sicherheitspolitik und Unternehmensregulierungen müssten dringend behandelt werden. Martin Blum verwies auf das EU-Emissionshandelssystem, das europäischen Stahl verteuere und dadurch die Produktionskosten erheblich steigere. 

„Es braucht eine Balance zwischen Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Philipp Blum.

Gegenüber der österreichischen Bundesregierung äußerte das Unternehmen ebenfalls Bedenken. Es fehle an Reformbereitschaft. 

„Man muss lösungsorientiert hinschauen“, sagt Philipp Blum. Martin Blum fügt hinzu: „Machen wir in Österreich so weiter, kann es sein, dass es schnell bergab geht.“

Zollverhandlungen bringen Unsicherheit für die Industrie

Im Hinblick auf die laufenden Gespräche zu Zöllen zwischen EU und USA erklärt Martin Blum, dass diese aktuell große Unsicherheit verursachten. 

„Wir können nicht sagen, welche Auswirkungen die Regelungen haben werden“, so Blum. Die Julius Blum GmbH sei dadurch aktuell nicht in der Lage, exakte Herstellungs- oder Importkosten zu berechnen.

Langfristig dürften die Mehrkosten an Kunden weitergegeben werden müssen – sowohl in Europa als auch in den USA. Insgesamt bringe die aktuelle Situation vor allem eines mit sich: Unsicherheit für die exportorientierte Industrie in Westösterreich. (LB/APA)

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