Top Manager Gehalt Österreich : WdF Einkommensstudie: Top Manager Gehalt Österreich nicht annähernd so gut wie gedacht

Vier Führungskräfte oder Manager in einem Meeting an einem Tisch.

Nur noch 59 Prozent der Führungskräfte erhalten überhaupt variable Gehaltsbestandteile.

- © peopleimages.com

Die 44. Einkommensstudie des WdF Wirtschaftsforum der Führungskräfte zeigt eine klare und gleichsam sehr interessante Tendenz. Österreichs Führungskräfte müssen zum vierten Mal in Folge reale Einkommenseinbußen hinnehmen.

Die Sommer 2025 veröffentlichte Analyse basiert auf den Angaben von 598 Managerinnen und Managern der ersten und zweiten Führungsebene. 

Anders als die allgemeine Wahrnehmung in der Bevölkerung vermuten lässt, gehören Führungskräfte also zu den stärksten Verlierern angesichts der gestiegenen Inflation

Hinzu kommt noch folgender Umstand: Führungskräfte haben in der Regel „All-in-Verträge". Sie arbeiten also für ihr Gehalt auch wesentlich mehr Stunden als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die unter kollektivvertragliche Arbeitszeitregelungen fallen.

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Top Manager Gehalt Österreich: Reale Einkommen im Sinkflug

Die Zahlen der WdF Einkommensstudie sprechen eine eindeutige Sprache: Das durchschnittliche Jahresgesamteinkommen der ersten Führungsebene ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 262.500 Euro gefallen. Inflationsbereinigt bedeutet das einen Verlust von 4,1 Prozent – der vierte Rückgang in Serie. 

Seit dem Jahr 2020 haben Top-Managerinnen und Manager in Summe über 13 Prozent an Kaufkraft verloren.

In der zweiten Führungsebene zeigt sich ein leicht anderes Bild. Hier ist das Jahreseinkommen um 3,9 Prozent auf 170.100 Euro gestiegen. Inflationsbereinigt ergibt sich daraus ein leichtes Plus von 0,8 Prozent.

Zum Vergleich: Der Nettoverdienst der Führungskräfte der ersten Ebene liegt im Schnitt bei 135.800 Euro, in der zweiten Ebene bei 92.900 Euro. Laut Statistik Austria betrug das durchschnittliche Jahresbruttogehalt von Angestellten 61.100 Euro im Jahr 2023, bei Beamten 68.400 Euro.

„Manager übernehmen Verantwortung und steuern ihre Unternehmen in stürmischen Zeiten mit hohem persönlichen Einsatz und hoher Arbeitsbelastung. Diese Verantwortung muss sich auch in der Vergütung widerspiegeln", sagt Roman Teichert, Bundesvorsitzender des WdF.

Gehalt Führungskräfte Österreich: Weniger Fixum, mehr Risiko

Das Grundgehalt der ersten Führungsebene bleibt mit rund 190.300 Euro weitgehend stabil. Der variable Einkommensanteil – also erfolgsabhängige Komponenten – beträgt durchschnittlich 72.200 Euro.

Auffällig: Nur noch 59 Prozent der Führungskräfte erhalten überhaupt variable Gehaltsbestandteile (nach 61 Prozent im Vorjahr). Diese fallen jedoch im Schnitt deutlich höher aus (98.900 Euro statt 62.700 Euro).

Zusätzliche Geldleistungen erhielten 23 Prozent der Führungskräfte – mit durchschnittlich 55.800 Euro.

Diese Entwicklung zeigt eine klare Verschiebung hin zu leistungsabhängigen Komponenten. Das stellt laut WdF insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten eine Herausforderung dar: Boni werden oft nur bei Zielerreichung oder Gewinnzahlung ausbezahlt – in einer Phase multipler Krisen ein zunehmendes Risiko.

Politik, Krisen, Fachkräftemangel als Herausforderungen

Laut WdF herrscht in Österreich eine gewisse Neiddiskussion: Managerinnen und Manager würden zu viel verdienen und nur andere für sich arbeiten lassen.

Diese Verantwortung zu tragen und ihr gerecht zu werden, wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Führungskräfte in Österreich leisten nicht nur durch ihre Arbeit einen Beitrag. Sie verzichten – anders als die übrigen Arbeitnehmer*innen – seit vier Jahren auf Einkommenszuwächse.

Die wirtschaftlich schwierige Lage führt zu einer Verschiebung von Einkommensteilen in Richtung Erfolgskomponenten. Nur wenn das Unternehmen seine Ziele erreicht, erhält das Management den Bonus.

Nach wie vor gelte es in erster Linie, das Unternehmen in Zeiten multipler Krisen auf Kurs zu halten. Hauptkriterien für die Bezahlung erfolgsabhängiger Zahlungen sind noch öfter Gewinn und wesentlich häufiger Zielerreichung. Die angesprochene Verantwortung ist also direkt eingepreist in das Gehalt der Managerinnen und Manager.

„Die Einkommen der Top-Managerinnen und -Manager sind in erster Linie von Leistung und dann natürlich vom Umfang der Verantwortung abhängig. Das zeigt sich deutlich in der Gliederung nach Umsatzklassen. Dabei zeigt sich aber auch, dass die größten Unternehmen zurückhaltender agieren als die Komplementärgruppen.

Eine generelle Neiddebatte über die Entwicklung der Managergehälter ist nicht angebracht. Die österreichischen Managergehälter befinden sich europaweit im Mittelfeld", so WdF-Bundesgeschäftsführer Wolfgang Hammerer.

Vor dem Hintergrund rückläufiger Reallöhne und wachsender Belastung mahnt das WdF zu mehr Wertschätzung gegenüber Führungskräften. Diese sollen in einem zunehmend schwierigen Umfeld Stabilität und Wachstum sichern.

Expat-Manager: Gänzlich anderes Bild bei ausländischen Führungskräften

Eigene Nachforschungen der WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN haben zumindest bei einem bestimmten Teil von Führungskräften ein gänzlich anderes Bild ergeben. Expats, also ausländische Führungskräfte, die in Österreich tätig sind, verdienen oft das Doppelte wie ihre österreichischen Kolleginnen und Kollegen. 

Das kommt heimische Unternehmen mitunter teuer zu stehen.

In manchen Großkonzernen (Beispiele liegen den Wirtschaftsnachrichten vor), haben sich regelrechte Expat-Netzwerke etabliert. Diese bevorzugen Führungskräfte aus Drittstaaten „quasi".

Ein besonders auffälliges Beispiel konnten die Wirtschaftsnachrichten im Umfeld eines internationalen Handelskonzerns in Erfahrung bringen. Während für heimische Führungskräfte aufgrund angespannter budgetärer Lage eine Beförderungssperre verhängt wurde, wurden dennoch mehrere Führungspositionen mit Expat-ManagerInnen nachbesetzt.

So wurde eine DirektorIn-Stelle (Einstiegsgehalt für österreichische Bewerber ca. 150.000 Euro) mit einem Expat aus einem englischsprachigen Land nachbesetzt. Dessen Jahresgehalt inkl. Sonderleistungen lag bei rund 600.000 Euro.

Wahrscheinlich ein Extrembeispiel – aber eines, das heimische Unternehmen dennoch zum Nachdenken anregen sollte.

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Über die WdF Einkommensstudie

Die WdF Einkommensstudie erhebt seit Jahrzehnten die Einkommensentwicklung von Führungskräften in Österreich. Sie basiert auf freiwilligen und anonymisierten Angaben von Führungskräften der ersten und zweiten Ebene. Die Studie wird jährlich durchgeführt. 

2025 wurde sie vom Marktforschungsinstitut Triconsult durchgeführt und notariell von der Kanzlei Drachsler-Linzer begleitet.