Rüstungsindustrie : Europas Rüstungsmarkt im Wandel: Empl über Herausforderungen für Zulieferer und Industrie

"Unter Umständen kann eine Validierung der Produktionsstandorte für gewisse Produktbereiche und Märkte, speziell für Kunden außerhalb Europas, für notwendig erachtet werden."
- © EMPLAus unserer exklusiven Serie zur RÜSTUNGSWIRTSCHAFT: ein Interview mit Joe Empl, CEO von Empl Fahrzeugwerk.
Empl Fahrzeugwerk mit Hauptsitz in Kaltenbach, Tirol, wurde 1926 gegründet. Was als kleiner Anhängererzeuger für landwirtschaftliche Fahrzeuge begann, wurde zum großen Hersteller von LKW-Aufbauten und Sonderanhängern in mehreren Bereichen. Einer dieser Bereiche: Defence & Behörden.
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WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN: Herr Empl, wie wirkt sich der aktuelle Trend zur Aufrüstung in Europa auf Ihr Geschäftsumfeld aus?
JOE EMPL: Dass sich die Auftragslage speziell im Sicherheits-Bereich derzeit massiv erhöht hat – und das speziell in Europa –, hat unter anderem mit den geopolitischen Gegebenheiten (Ukraine Krieg, Trump Administration, Nahostkonflikt usw.) zu tun.
Über Jahre wurden in Europa massive Einschnitte im Bereich der Sicherheit hingenommen. Zu sehr haben wir uns auch in der jüngsten Vergangenheit auf den Schutz und auf die Verlässlichkeit anderer Nationen verlassen.
Die aktuellen Geschehnisse haben uns – wenn auch sehr spät und plakativ – erkennen lassen, dass Europa wieder selbstbewusst und eigenverantwortlich auftreten muss.
Standortfaktoren: Herausforderungen für Zulieferer und Fachkräfte
Welche Rolle spielt für Sie das regionale Standortumfeld in Bezug auf Zulieferer, Fachkräfte, Infrastruktur und Co.?
Empl: Durch die stark gestiegenen Kosten für Energie, Löhne und Rohstoffe leidet natürlich die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Produzenten des nicht-europäischen Auslands. Exportmärkte werden dadurch immer schwieriger zu bedienen sein.
Generell ist anzumerken, dass sich die Fahrzeugindustrie im Moment rasant verändert – Klimawandel und die damit einhergehenden verschärften Umweltauflagen, Energiekrise, Störung globaler Lieferketten, Arbeitskräftemangel, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aufgrund gestiegener Kosten. All das verlangt nach einer Optimierung von Strategien und Prozessen, um Unternehmensziele weiterhin erreichen zu können.
Wir sind eng mit der europäischen Automobil- & LKW-Industrie verknüpft. Falls sich diese aufgrund schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gezwungen sieht, die Produktion ins wettbewerbsfähigere, nichteuropäische Ausland zu verlegen, dann sind wir als EMPL mit Sicherheit auch mit neuen Herausforderungen konfrontiert und müssen uns überlegen, wie wir unsere Märkte in Zukunft weiterhin effizient bedienen können.
Dabei kann unter Umständen eine Validierung der Produktionsstandorte für gewisse Produktbereiche und Märkte, speziell für Kunden außerhalb Europas, für notwendig erachtet werden.
Produktionskapazitäten und Marktstrategien im Defense-Sektor
Planen Sie in den nächsten 12 Monaten Ihre Sales-Aktivitäten im Defense-Bereich zu intensivieren bzw. Produktionskapazitäten zu erhöhen?
Empl: Da wir kein neuer Player im Verteidigungssektor sind und grundsätzlich mit den Anforderungen und Abläufen militärischer Kunden vertraut sind, müssen wir nicht zwingend die Sales-Aktivitäten verstärken.
Allerdings erfolgen laufend Anpassungen unserer Produktionskapazitäten. Bereits seit 2020 sind über 30 Millionen Euro in die Erweiterung unsere Werke in Österreich und Deutschland geflossen.
Ein weitere wichtiger Faktor in unserer Unternehmensstrategie ist die Kooperation mit anderen Herstellern, die seit Jahren gelebt und ausgebaut wird. Durch die Einbindung diverser Zulieferer zum Beispiel im Bereich von Schweißbaugruppen oder Lackierungen können zudem Kapazitäten geschaffen und Spitzen abgedeckt werden.
Fachkräftemangel und Lieferketten: Herausforderungen und Strategien
Welche Herausforderungen sehen Sie in Bezug auf den Defense-Bereich hinsichtlich Fachkräfte und Lieferketten (speziell auch Rohstoffe und Vorprodukte) in Ihrem Betrieb?
Empl: Fachkräfte sind in diesem Geschäft ein „Must“ und die Basis für den Erfolg. Momentan haben wir bis zu 60 Stellen zu besetzen. Allerdings befinden wir uns immer noch in einem regelrechten „War for Talents“, wenngleich sich, aufgrund der ansonst schwachen Wirtschaftslage, die Situation spürbar verbessert.
Mit einer Auslastungsgarantie bis derzeit ins Jahr 2029 und vielen Benefits, die wir unseren Mitarbeitern bieten, zählen wir sicherlich zu einem sehr attraktiven Arbeitgeber in der Region. Unser Fokus liegt nicht nur auf dem Anwerben von neuen Mitarbeitern – speziell die Ausbildung und Förderung insbesondere junger Talente liegen uns sehr am Herzen.
Die derzeitige „Zollpolitik“ vieler Länder zwingt uns zu einer Diversifikation und Absicherung der Lieferkette. Zum einen gilt es den wirtschaftlichen Standpunkt im Auge zu halten, zum anderen ist die Liefersicherheit von Zulieferern zumindest innerhalb der EU oftmals von enormer Bedeutung.
Internationale Kooperationen und Marktstrategien
Wie vernetzt ist Ihr Betrieb mit anderen europäischen Rüstungsunternehmen bzw. mit welchen Unternehmen/Ländern arbeiten Sie primär zusammen?
Empl: Aufgrund der jahrzehntelangen Tätigkeit in diesem Bereich würde ich das Netzwerk doch als extrem gut bezeichnen. Im Segment der Landfahrzeuge, in dem wir uns bewegen, sehe ich den Defence-Sektor – wenngleich er von der Stückzahl her als extrem groß erscheint – doch im Budgetbedarf untergeordnet im Vergleich zu Fluggeräten aller Art, Elektronik usw.
In verschiedenen internationalen Projekten arbeiten wir mit allen namhaften Unternehmen wie Airbus Defence, Thales, Kongsberg, Diehl und natürlich Rheinmetall zusammen.
Andere Länder wie Oman, Arabische Emirate, Kuwait und Saudi-Arabien beliefern wir aufgrund enger Kontaktpflege oftmals direkt.
Aber auch die hervorragende Partnerschaft mit der LKW-Industrie, wie z.B. mit Daimler, RMMV, Scania und Iveco, wird von uns gepflegt.
Derzeit liefern wir Fahrzeuge und Aufbauten von Singapur über den Mittleren Osten und Afrika, wobei sich der Schwerpunkt aktuell nach Europa verlegt. So zählen z.B. das Österreichische Bundesheer und die Deutsche Bundeswehr genauso zu unseren Großkunden wie die Streitkräfte in den baltischen Staaten.
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