Denkmalschutz Österreich : Denkmalschutz Österreich: zwischen Belastung und Kulturgut
Inhalt
- Denkmalgeschützte Gebäude als Beitrag zur Nachhaltigkeit
- Denkmalschutz Probleme: Moderne Standards treffen auf historische Vorgaben
- Bundesdenkmalamt Wien: Dialog statt Verwaltungsdenken
- Denkmalschutz Sanierung: Wirtschaftliche Hürden für EigentümerInnen
- Klimaresilienz: Zukunftsfähigkeit für historische Bausubstanz
Der Hella Architektur Club widmete sich jüngst einem hochaktuellen Thema der Baubranche Österreichs. In der denkmalgeschützten Bärenvilla in Wien diskutierten ExpertInnen über die Herausforderungen beim „Denkmalschutz zwischen Tradition und Transformation".
Andreas Kraler, CEO der Hella Gruppe mit Sitz im Bezirk Lienz in Tirol: „Denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten, ist wichtig. Damit sie nicht verfallen, müssen wir sie aber auch nutzbar machen, zum Beispiel mit flexiblen Lösungen für die Beschattung."
Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Westen Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!
Denkmalgeschützte Gebäude als Beitrag zur Nachhaltigkeit
Die restaurierte Bärenvilla lieferte den passenden Rahmen für den Austausch über kulturelle Bedeutung, praktische Lösungsansätze, technische Innovation und wirtschaftliche Aspekte beim Denkmalschutz Österreich. Hier traf Wolfgang H. Salcher, Landeskonservator Wien beim Bundesdenkmalamt, auf Architekt Maximilian Eisenköck und Karina Schunker, Geschäftsführerin bei EHL Wohnen.
Die TeilnehmerInnen betrachteten den Erhalt historischer Bausubstanz als nachhaltigen Beitrag und sinnstiftendes Element für Österreich als Kulturnation. „Die Leute kommen unter anderem wegen der gut erhaltenen und gepflegten Bauwerke zu uns", sagt Eisenköck. "Und genau die müssen wir achten und schützen."
Lesen Sie hier über die Nutzung historischer Gebäude für den Tourismus
Der zeitgemäße Umgang mit alten Bauten erfordert aber sowohl technisches als auch kulturelles Verständnis.
Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Donauraum Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!
Denkmalschutz Probleme: Moderne Standards treffen auf historische Vorgaben
Heutige Anforderungen an Barrierefreiheit, Brandschutz und Energieeffizienz mit Denkmalschutz Vorschriften zu vereinen, stellt Projektbeteiligte vor komplexe Aufgaben. Innovative technische Lösungen und hohe Flexibilität sind dabei unverzichtbar.
Besitzer Robert Dornhelm schildert ein konkretes Beispiel aus seiner Bärenvilla: „Laut Denkmalschutz gab es im Dachboden der Bärenvilla historisch betrachtet keine Fenster. Aus baupolizeilichen und thermischen Gründen mussten wir aber Fenster einbauen. Das war nicht einfach, aber unseren Architektinnen ist es gelungen, den Denkmalschutz zu respektieren und den Dachboden zu nutzbarer Wohnfläche zu machen."
Solche kreativen Ansätze gab es bereits viele. „Gerade für den Ausbau von Dachböden haben wir ein großes Repertoire für Lösungen wie den Sonnenschutz", sagt Salcher. "Neben der klassischen Außenbeschattung gibt es zum Beispiel auch die Möglichkeit einer mehrschaligen Fassade, bei der die Beschattung dazwischen eingebaut wird."
Bundesdenkmalamt Wien: Dialog statt Verwaltungsdenken
Das Bundesdenkmalamt versteht sich als Gesprächspartner für alle Beteiligten. InvestorInnen, NutzerInnen und die breite Öffentlichkeit müssen für die geschichtliche und kulturelle Relevanz sensibilisiert werden, damit der Wert bestehender Strukturen erkannt wird.
Häufig entsteht diese Wertschätzung durch die Geschichten, die sich mit historischen Gebäuden verbinden. „Wenn die Wertschätzung da ist, kann dem Haus nichts mehr passieren", zeigt sich Salcher überzeugt.
Auch bei Dornhelms Kaufentscheidung spielten die Erzählungen rund um die Villa eine zentrale Rolle. Der Regisseur hatte mehrfach berufliche Berührungspunkte mit Friedrich von Schmidt, dem Architekten der Bärenvilla und Erbauer des Wiener Rathauses. Als die Bärenvilla zum Verkauf stand, entschied sich Dornhelm aus dem Herzen heraus für den Kauf und bewahrte das Gebäude vor dem geplanten Abriss.
Denkmalschutz Sanierung: Wirtschaftliche Hürden für EigentümerInnen
Die Finanzierbarkeit stellt bei denkmalgeschützten Immobilien eine erhebliche Herausforderung dar, wie Karina Schunker von EHL Wohnen weiß. Bürokratischer Aufwand und finanzielle Belastung schrecken potenzielle KäuferInnen häufig ab.
Die gesetzliche Lage erschwert die Rentabilität zusätzlich: „Wenn EigentümerInnen denkmalgeschützte Objekte sanieren, dürfen sie danach nur dann einen höheren Mietzins vereinbaren, wenn sie ‚erhebliche Eigenmittel' aufgebracht und keine öffentlichen Förderungen genutzt haben. Ist dies nicht der Fall, bleibt der Mietzins meist niedrig und es besteht das Risiko, dass die Vermietung als Liebhaberei eingestuft wird. In dem Fall müssten die VermieterInnen die Vorsteuer, die sie zuvor für die Erhaltungs- und Herstellungskosten geltend gemacht haben, wieder berichtigen."
Diese Faktoren erhöhen das wirtschaftliche Risiko erheblich. Sanierungsprojekte sind ohnehin kostenintensiv und werden durch hohe Zinsen sowie technische Vorgaben zusätzlich belastet, was die Vermarktbarkeit erschwert.
Klimaresilienz: Zukunftsfähigkeit für historische Bausubstanz
Technische Anforderungen ergeben sich nicht nur aus den Vorgaben des Denkmalamtes. Der Klimawandel verlangt nach kontinuierlichen Innovationen in der Gebäudetechnik, um denkmalgeschützte Objekte nutzen zu können, ohne ihren kulturellen Wert zu mindern.
Lesen Sie auch hier: Energetische Sanierung und nachhaltiges Bauen – was ist 2025 neu und möglich?
„Im Bereich der Klimaresilienz hat sich in den letzten zehn Jahren sehr viel getan", fasst Moderator Tarek Leitner zusammen. „Da sind wir gemeinsam mit den EigentümerInnen gefordert, neue Lösungen zu entwickeln, zum Beispiel für den Sonnenschutz, die Begrünung und die Geothermie."
🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?
Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden!