Alplog Nord : Alplog Nord: Logistikdrehscheibe in Kärnten zwischen Wirtschaft und Umweltfragen

Alplog Nord soll das Areal um 24,6 Hektar erweitern. Die Bürgerinitiative „Rett ma die Schütt“ ist vor das Landesverwaltungsgericht Kärnten gezogen.
- © Videoausschnitt Entwicklungsagentur Kärnten / https://rettmadieschuett.infoObwohl noch nicht realisiert, blickt das Projekt „Alplog Nord“ bereits auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Bereits seit 2006 plant die Stadt Villach gemeinsam mit der Deutschen Logistik Holding (DLH) den Bau des Logistikzentrums „Alplog Nord“. Das Projekt umfasst die Errichtung eines Logistikzentrums im Westen von Villach in unmittelbarer Nähe eines Natura 2000-Schutzgebietes.
Im Süden grenzt das Gebiet sowohl an die Südautobahn als auch an die Gail. Jenseits der Autobahn als auch der Gail liegt das bereits bestehende Logistik Center Austria Süd in Fürnitz mit einem Verschiebebahnhof und einem Güterterminal der ÖBB.
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Seit 2006 plant die Stadt Villach gemeinsam mit der Deutschen Logistik Holding (DLH) den Bau des Logistikzentrums „Alplog Nord“.
Logistikdrehscheibe in Kärnten: Bedeutung und Chancen
Das Projekt „Alplog Nord“ soll die Logistikkapazitäten in Kärnten erweitern und den Raum Villach als Logistikdrehscheibe etablieren. Die Zeit dafür drängt bei den Projektverantwortlichen, da mit der Eröffnung der Koralmbahn Ende des Jahres ein weiteres Puzzlestück des innereuropäischen Verkehrskorridors der Baltisch-Adriatischen Achse in Österreich fertiggestellt wird.
Nachdem vor 26 Jahren die ersten Arbeiten starteten und 2008 mit dem Tunnelbau begonnen wurde, soll der Fahrgastbetrieb auf der 6,1 Milliarden Euro teuren Strecke mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember aufgenommen werden. Güterzüge werden bereits ab Oktober auf der neuen Strecke rollen. Ein weiterer entscheidender Lückenschluss wird voraussichtlich 2030 mit der Fertigstellung des Semmering Tunnels erreicht sein.
Im Endausbau soll dieser gut 4.500 Kilometer lange Verkehrskorridor im Bahnnetz die Ostsee und die Adria miteinander verbinden. Entlang dieser Strecke liegen sechs EU-Staaten, nimmt man die drei baltischen Staaten mit dazu, so verbindet dieser Verkehrskorridor fast 50 Millionen Menschen.
Speziell nach der Eröffnung des ersten Schienen-Zollkorridors Europas zwischen Villach und Triest ist es nun möglich, dass Container im Hafen von Triest verladen und im Logistikzentrum in Kärnten verzollt werden können. Davon können in großem Ausmaß sowohl das Cargo Center Graz als auch das Cargo Center Süd in Fürnitz profitieren.
Widerstand gegen das Logistikzentrum Alplog Nord
Für das „Alplog Nord“ soll auf einer Fläche von mehr als sechs Hektar ein Logistikzentrum errichtet werden. Nachdem das Land Kärnten im vergangenen Jahr mit Bescheid festgestellt hat, dass das Vorhaben keiner Umweltverträglichkeitsprüfung bedarf, wandten sich der Kärntner Naturschutzbeirat, eine Naturschutzorganisation und eine Bürgerinitiative an das Bundesverwaltungsgericht.
Bereits im Herbst des Vorjahres war die Bürgerinitiative „Rett ma die Schütt“ vor das Landesverwaltungsgericht Kärnten gezogen, um Zugang zu Projektunterlagen zu bekommen. Das Landesverwaltungsgericht entschied, dass diese aufgrund des Informationsinteresses an die Bürgerinitiative herauszugeben sind.
Das Bundesverwaltungsgericht entschied in Bezug auf die UVP-Pflicht, dass für das Projekt „Alplog Nord“ eine „Einzelfallprüfung“ durchzuführen ist. Das bedeutet, dass im Rahmen einer vertieften Prüfung festzustellen ist, ob es sich um einen Gewerbepark oder ein reines Logistikzentrum handelt, da je nach Projektart andere Schwellenwerte zum Tragen kommen.
Brisant ist zudem, wie der „Standard“ Anfang Jänner berichtete, dass es keine Judikatur der Höchstgerichte zur Frage „Logistikzentrum oder Gewerbepark“ gibt. Wie es weitergeht, ist offen.
Das Projekt „Alplog Nord“ soll nach den Plänen der Initiatoren das grünste Logistikzentrum Österreichs werden.
Alplog Nord als nachhaltiges Vorzeigeprojekt?
Dabei soll das Projekt nach den Plänen der Initiatoren das grünste Logistikzentrum Österreichs werden. Geplant war neben einer Begrünung der Dächer, diese als Flächen zur Stromerzeugung mittels Photovoltaik zu nutzen sowie großzügige Abstands- und Emissionsflächen zu schaffen. Mit Hilfe dieser Maßnahmen sollte das „Alplog Nord“ zu einem Vorzeigeprojekt für umweltverträgliches Bauen werden.
Auch an anderer Stelle kämpfte das Land Kärnten über Jahre für ein Infrastrukturprojekt in der Logistik. So wollte das Land die Errichtung einer eigenen Bahntrasse für den Güterverkehr durch den Kärntner Zentralraum erreichen. Dies wurde vor allem auch im Lichte des Ausbaus des Güterterminals Villach Süd in Fürnitz und der baldigen Eröffnung der Koralmbahn thematisiert.
Nachdem der Entwurf des Klimaministeriums für das sogenannte „Zielnetz 2040“ diese Trasse nach einer Kostennutzenprüfung nicht weiter beinhaltet hat, kam im November 2024 auch ein Nein der ÖBB für eine neue Güterstrecke bis 2040. Ob es auch mit einer neuen Bundesregierung dabei bleibt, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.
Zukunftschancen für Alplog Nord
Das Projekt „Alplog“ stellt einen bedeutenden Schritt in der Erweiterung der Logistikinfrastruktur Kärntens dar. Gerade in Verbindung mit der Fertigstellung des Bahnkorridors der Baltisch-Adriatischen Achse quer durch Europa liegt in diesem Projekt ein großes Zukunftspotenzial.
Nachdem der Koralmtunnel nach mehr als einem Vierteljahrhundert Bauzeit Ende des Jahres seiner Bestimmung übergeben wird, wäre es wünschenswert, wenn man auch beim Projekt „Alplog Nord“ einen Weg findet, der einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz der Umwelt schafft.
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