Nvidia : Nvidia: Chips und bald noch mehr – was das wertvollstes Unternehmen der Welt eigentlich tut
Inhalt
- Quick facts zu Nvidia
- Was macht Nvidia zum erfolgreichsten Unternehmen der Welt?
- Politische Verbindungen stärken Marktposition
- Vom Nischenanbieter zum Rückgrat der KI-Industrie
- Nvidia und Siemens: Kooperation für industrielle KI-Revolution
- Nvidia vs AMD: Vera Rubin und das neue Wettrüsten um KI-Prozessoren
- Marktdominanz trotz wachsender Konkurrenz
- Nvidia-Chips für autonomes Fahren und Robotaxis
Alles fing als spezialisierter Grafikkarten-Produzent an.
- © adobe stock/stasknopNvidia – das derzeit erfolgreichste Unternehmen der Welt. Nicht nur führt der kalifornische Halbleiter-Hersteller mittlerweile die Liste der wertvollsten Unternehmen an und hat damit sogar Apple überholt.
Er war auch das erste börsennotierte Unternehmen, das die Schwelle von 5 Billionen Dollar Börsenwert überschritt. Die Aktien des Chipkonzerns legten in ihren ersten Handelsminuten zeitweise um mehr als 4,5 Prozent zu und stiegen auf über 210 Dollar. Bereits Anfang Juli 2025 hatte Nvidia eine frühere Billionen-Schwelle überschritten.
Heute kommt Nvidia auf einen Börsenwert von 4,5 Billionen Dollar bzw. 3,8 Billionen Euro. Der langjährige Spitzenreiter Apple kommt auf 4,0 Billionen Dollar. An dritter Stelle steht die Google-Muttergesellschaft Alphabet mit einer Marktkapitalisierung von knapp 3,8 Billionen Dollar.
Nie mehr die wichtigsten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!
In der jüngeren Vergangenheit haben allerdings einige Insider, darunter auch CEO Jensen Huang, rund 1,76 Millionen Aktien verkauft. Auch Golden State Equity Partners ist einige der Nvidia-Papiere "losgeworden".
Quick facts zu Nvidia
gegründet: 1993
Rechtsform: Corporation
Präsident und CEO: Jen-Hsun Huang. Dieser ist laut Bloomberg-Liste die derzeit neuntreichste Person der Welt, mit einem Vermögen von rund 155 Milliarden Dollar.
CFO: Colette Kress
Zentrale: Santa Clara, Kalifornien. Hier haben auch andere Chipkonzerne wie Intel und AMD ihr Zuhause.
Belegschaft: 36.000 (Stand 2024)
Umsatz 2025: 165,2 Mrd. Dollar
>> zum Vergleich: 2024 waren es 130,5 Mrd., 2023 waren es 60,92 Mrd.
Ende der Neunziger: erste Erfolge mit Grafikkarten
1999: Aufnahme in den Nasdaq
2007: Forbes Firma des Jahres
2023: Börsenwert knackt 1-Mrd.-Dollar-Marke
Juni 2024: erstmals wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt
Jänner 2025: neues KI-Modell von DeepSeek löst Nvidia-Kurseinbruch aus – der Tagesverlust von 593 Mrd. Dollar ist der höchste eines Wall Street-Unternehmens bisher
September 2025: Nvidia unterstützt Intel und hält dafür 4 % Anteil
September 2025: Nvidia und OpenAI kündigen große Partnerschaft an
Was macht Nvidia zum erfolgreichsten Unternehmen der Welt?
Die Nvidia-Chips spielen eine zentrale Rolle im aktuellen Boom der Künstlichen Intelligenz.
"Auch wenn die Marke von fünf Billionen Dollar im historischen Kontext unvorstellbar erscheint, kommt sie von einem Unternehmen, das es geschafft hat, bei allen Kennzahlen die Konkurrenz hinter sich zu lassen", kommentierte Art Hogan, Chefstratege beim Vermögensverwalter B. Riley.
Weltweit nutzen Unternehmen die Chip-Systeme von Nvidia für das Training von KI-Anwendungen. Tech-Giganten wie Google oder Meta befüllen damit komplette Rechenzentren. Auch KI-Start-ups wie OpenAI, die Entwicklerfirma hinter ChatGPT, zählen zu den wichtigsten KundInnen.
Diese dominante Marktposition ließ den Umsatz in den letzten zwei Jahren explosionsartig ansteigen. InvestorInnen vertrauen darauf, dass das Unternehmen seine führende Position gegenüber Wettbewerbern behaupten wird.
Politische Verbindungen stärken Marktposition
CEO Jen-Hsun Huang gelang es, ein konstruktives Verhältnis zur Trump-Administration aufzubauen. Er überzeugte den US-Präsidenten von der strategischen Bedeutung Nvidias und punktete mit dem Bau einer Produktionsstätte in den Vereinigten Staaten.
Die USA selbst verhinderten zuletzt den Export der leistungsstärksten Systeme nach China. Nach Huangs Meinung könnte aber ein starker Konkurrent für amerikanische Technologie in China entstehen, falls der dortige Markt für das Unternehmen verschlossen bleibt.
Vom Nischenanbieter zum Rückgrat der KI-Industrie
Nvidia entwickelte sich vom spezialisierten Grafikkarten-Produzenten zum zentralen Infrastruktur-Lieferanten der globalen KI-Branche. "Sie haben es geschafft, die meisten der aktuell spannendsten und einflussreichsten Themen der Tech-Welt aufzugreifen", formuliert es Bob O'Donnell von TECHnalysis Research.
Die außergewöhnliche Bewertung weckt gleichzeitig hohe Erwartungen an die Quartalsergebnisse. Bereits kleinste Schwächen können heftige Kursreaktionen auslösen.
Nvidia und Siemens: Kooperation für industrielle KI-Revolution
Nvidia baut auch seine Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz mit dem deutschen Industriekonzern Siemens massiv aus. Zur Eröffnung der Technikmesse CES in Las Vegas Jänner 2026 verkündeten Huang und Siemens CEO Roland Busch mehrere Initiativen. KI soll nicht nur für Simulationen und Designoptimierungen genutzt, sondern verstärkt in die physische Realität integriert werden. "Wir stehen am Anfang einer neuen industriellen Revolution", sagte Huang.
Zu den konkreten Innovationen zählt der "Digital Twin Composer" (also digitale Zwillinge). Mit diesem neuen Tool können Unternehmen physikalisch präzise, virtuelle Abbilder ihrer Fabriken und Produkte erstellen. IngenieurInnen sollen damit komplette Produktionsanlagen in Echtzeit simulieren, Roboter virtuell trainieren und Probleme identifizieren, bevor die tatsächliche Fabrik überhaupt errichtet wird.
Beide Konzerne verfolgen das Ziel, gemeinsam eine Art Betriebssystem für den Einsatz von KI in der Industrie zu entwickeln. Siemens bringt das Know-how zu industriellen Prozessen, die Automatisierungs-Hardware und die Software ein. Nvidia steuert mit seinen Prozessoren die KI-Infrastruktur sowie eine Simulationsplattform bei.
Siemens-CEO Busch erläuterte, dass die neuen Tools bei der Konstruktion von Zügen oder Fahrzeugen ermöglichen, nicht nur in einem virtuellen Windkanal die Aerodynamik zu erfassen, sondern mithilfe der KI konkrete Vorschläge zur Design-Optimierung zu erarbeiten.
Nvidia vs AMD: Vera Rubin und das neue Wettrüsten um KI-Prozessoren
Parallel zu Nvidia hat auch der Chipkonzern AMD im Wettlauf um hochleistungsfähige KI-Chips eine neue Runde eingeleitet. Beide stellten auf der CES in Las Vegas ihre neusten Produkte vor. So verkündete Huang , dass die Serienproduktion des neuen Spitzenprozessors "Vera Rubin" begonnen habe. Dieser liefere im Vergleich zur Vorgängergeneration die fünffache Leistung.
"Vera Rubin" setzt sich aus sechs einzelnen Chips zusammen, die 72 Grafikrecheneinheiten und 36 Zentralprozessoren enthalten. Werden mehrere Prozessoren zusammengeschaltet, können sie KI-Anfragen um das Zehnfache effizienter bearbeiten als bisherige Chips, so Huang. Entscheidend hierfür sei ein neu entwickeltes Dateiformat. "Auf diese Weise konnten wir eine so gigantische Leistungssteigerung erzielen, obwohl wir nur die 1,6-fache Anzahl an Transistoren haben", erläuterte der CEO.
Zu den ersten AbnehmerInnen der neuen "Vera Rubin"-Systeme zählt der Cloud-Anbieter CoreWeave. Nvidia erwartet zusätzlich, dass auch Microsoft, Oracle, Amazon und Google die Technologie implementieren werden.
Der Nvidia-Konkurrent AMD präsentierte auf der CES eine Palette von Neuheiten. Das neue Spitzenprodukt trägt die Bezeichnung "MI455". Dieser soll in KI-Rechenzentren von Partnern wie OpenAI zum Einsatz kommen. AMD-Chefin Lisa Su zielt damit auf eine andere KundInnengruppe. Der Prozessor sei für Rechenzentren konzipiert, die nicht ausschließlich für Künstliche Intelligenz genutzt werden. Er könne als Ergänzung für Unternehmensserver dienen.
Su lieferte in Las Vegas zudem einen Ausblick auf die kommende Generation von KI-Chips, den "MI500". Dieser rechne 1.000 Mal schneller als frühere Modelle und solle 2027 auf den Markt kommen.
Marktdominanz trotz wachsender Konkurrenz
AMD ist der wohl größte Konkurrent von Nvidia im Segment der KI-Prozessoren. Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft sowie KI-EntwicklerInnen wie OpenAI oder Meta arbeiten ebenfalls an derartigen Chips. Damit wollen sie ihre Abhängigkeit von Nvidia reduzieren.
An der Marktdominanz des wertvollsten Konzerns weltweit konnten sie bisher nichts ändern. Der Halbleiterhersteller kontrolliert rund 80 Prozent des Weltmarktes.
Um seine Position zu sichern, schloss Nvidia Dezember 2025 einen milliardenschweren Lizenzdeal. Das Unternehmen sicherte sich exklusiv die Technologie des Startups Groq, eines Spezialisten für sogenannte Inferenz-Chips. Diese Prozessoren sind darauf ausgelegt, Anfragen bei bereits trainierten KI-Modellen abzuarbeiten.
Nvidia-Chips für autonomes Fahren und Robotaxis
Außerdem will Nvidia mit seiner KI-Expertise das Geschäft mit selbstfahrenden Autos revolutionieren. 2027 soll gemeinsam mit einem Partner ein Robotaxi-Dienst auf Basis der Nvidia-Technologie starten. Huang versprach auf der CES Fahrzeuge, die Verkehrssituationen wie ein Mensch am Steuer analysieren und Entscheidungen treffen können. Zwischen 2028 und 2030 will Nvidia die Technologie auch in Privatfahrzeuge integrieren.
Den aktuellen Stand der Technik hatte Nvidia wenige Wochen vor der Messe gemeinsam mit Mercedes-Benz demonstriert. Ein Serienfahrzeug des neuen Mercedes-Modells CLA navigierte durch den Straßenverkehr von San Francisco und beachtete dabei Vorfahrtregeln, Ampeln, Verkehrsschilder und FußgängerInnen. Bei einer rund 45-minütigen Route musste der Sicherheitsfahrer aber noch bei einigen Situationen eingreifen. (LB/APA)
🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?
Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden!