Unterstützung Ukraine Ländervergleich : Europa und die USA: Wirtschaftliche Machtspiele, transatlantische Wahrheiten

Zerbrochene Schiffscontainer mit den Flaggen der USA und der EU, die Handelskrieg und Zölle symbolisieren. KI-generiert.

Europas Handelsmacht gegenüber den USA ist größer als man denkt und sollte am Verhandlungstisch Platz nehmen. 

(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)

- © tanaonte, Generiert mit KI

Als US-Präsident Donald Trump bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor laufenden Kameras Europas Unterstützungsleistungen für die Ukraine falsch darstellte, korrigierte ihn der europäische Staatsmann umgehend charmant, aber bestimmt.

Trump hatte behauptet, dass die Europäer der Ukraine nur Kredite als Unterstützung gegeben hätten und diese vollständig zurückbekommen und die USA nicht. Das ist eine Falschbehauptung, wie Macron sofort richtigstellte. Die Europäer sind es, die „echtes Geld“ der Ukraine gegeben haben und die USA nur Kredite und Haftungen.

Donald Trump nahm es gelassen, aber er war entwaffnet. Einige Tage später verlief ein ähnliches Setting ganz anders. Der ukrainische Präsident Selenskyji wurde von Trump vor der Weltöffentlichkeit abgewatscht – eine unglaubliche, diplomatische Entgleisung.

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Der Handel von Waren und Dienstleistungen zwischen EU und USA

Grafik: Europäisches Parlament, Quelle: Eurostat

- © Europäisches Parlament, Quelle: Eurostat

Markus Reisner zu Europas sicherheitspolitischen Abhängigkeit

Doch wir Europäer packen gerne die Moralkeule gegen die USA aus, können uns aber nicht so rasch von den Amerikanern emanzipieren, wie viele Kommentatoren jetzt fordern.

Der immer sachliche und äußerst versierte Oberst Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer brachte es in einem Ö1-Interview auf den Punkt: Europa hat nicht nur keine Hosen an, es gibt gar keine Hose. Mit anderen Worten: Moralische Empörung einpacken, Lage realistisch betrachten.

Wir Europäer müssen unsere Sicherheitspolitik stärker selbst in die Hand nehmen, das hat auch schon Präsident Macron bei Trump deutlich gemacht. Dennoch können wir nicht ohne die Amerikaner – auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Schwarze Silhouette, die Donald Trump seitlich darstellt.
Donald Trump stellt eine neue Dimension dar, die von den Europäern mit mehr Klarheit, Einheit und vor allem Stärke beantwortet werden muss. - © Nipu - stock.adobe.com

Exportmarkt USA für EU

Grafik: statista, Quelle: Eurostat

- © statista, Quelle: Eurostat

Handelsmacht Europa: Mehr Einfluss als gedacht

Das Verhältnis zwischen den USA und Europa beruhte in den letzten Jahren auf vielen gegenseitigen Sticheleien und Seitenhieben, dennoch fand man halbwegs zu fairen Deals und Kompromissen.

Europas Handelsmacht gegenüber den USA ist größer als man denkt und sollte am Verhandlungstisch Platz nehmen.

Donald Trump stellt eine neue Dimension dar, die von den Europäern mit mehr Klarheit, Einheit und vor allem Stärke beantwortet werden muss. Denn ebenso wie Putin versteht auch Trump nur harte Fakten.

In wirtschaftlichen Streitpunkten gibt es eine ganz klare Wahrheit: Die USA haben immer – auch wenn sie als Helfer auftraten – von Europa wirtschaftlich mehr profitiert als umgekehrt.

Die transatlantische Freundschaft nach dem Zweiten Weltkrieg war stets von einer „Win-and-win-more“-Situation geprägt. Selbst die großzügigen Hilfsleistungen im Zuge des Marshallplans dienten auch der US-Wirtschaft.

Mit durch Marshallgelder finanzierten Lebensmittelimporten nach Europa stützten die USA massiv ihre eigene Landwirtschaft. Europäische Länder, darunter Österreich, profitierten vom Marshallfonds – die USA aber ebenso.

Und so ist es bis heute im transatlantischen Handel: Dienstleistungen einbezogen, schmilzt der Handelsbilanzüberschuss der EU gegenüber den USA seit Jahren zusammen. US-amerikanische Unternehmen sind in Europa wesentlich stärker beteiligt als umgekehrt, was auch bedeutet, dass Dividendenerlöse eher den großen US-Finanzkonzernen wie Blackrock, Vanguard oder Blackstone zugutekommen.

Militärhilfen der EU und der USA an die Ukraine

Zeitraum 24.1.2022 bis 31.12.204 in Milliarden Euro, Quelle: IfW Kiel 

Europa 

Finanziell: 57,06 

Humanitär: 12,24 

Militärisch: 61,97 

Gesamt: 132,26 

USA 

Finanziell: 46,60 

Humanitär: 3,42 

Militärisch: 64,13 

Gesamt: 114,15 

Krieg und Frieden in der Ukraine

Wenn man schon bei Wahrheiten ist, dann auch bei folgender: Der Krieg in der Ukraine muss enden.

Das gebietet die Menschlichkeit, denn jeder weitere Tag bedeutet das Sterben unzähliger Menschen. Donald Trump schafft Tatsachen, die den Europäern nicht gefallen. Er umgarnt Russlands Präsident Putin, um ihn von Chinas Einfluss loszulösen.

Er kritisiert Ukraines Präsident Selenskyj wegen angeblich fehlender demokratischer Legitimation.

Europa muss sich hier einigen Wahrheiten stellen: Der Krieg kann nicht gewonnen werden, ohne dass sich der Einsatz massiv erhöht. Und diesen Einsatz wird Europa zahlen müssen. Donald Trump verhandelt für die USA einen Exit aus dem Krieg – Europa muss aufpassen, nicht die gesamte wirtschaftliche wie militärische Last zu tragen.

Mit 132,26 Milliarden Euro tatsächlich getätigten Hilfsleistungen hat sich die EU stärker in der Ukraine engagiert als die USA, die 114,15 Milliarden Euro bereitgestellt haben.

Die wichtigsten Export- und Importgüter der EU im Handel mit den USA

Quelle Eurostat, Wert für 2023 in Milliarden Euro 

EU-Exporte in die USA 

Medizinische und pharmazeutische Produkte: 55,6 

Kfz: 40,7 

Erdölprodukte: 15,5 

Chemische Produkte: 13,5 

Maschinen: 12,6 

Motoren & Antriebe: 11,5 

Flugzeuge & Ausrüstung: 10,5 

 

EU-Importe aus den USA 

Rohöl: 42,4 

Medizinische und pharmazeutische Produkte: 32,5 

Erdgas (inkl. LNG): 26,9 

Motoren & Antriebe: 23,8 

Flugzeuge und Ausrüstung: 18,4 

Kfz: 9,7 

Messgeräte & Instrumente: 8,1 

US-Zölle und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen

Trotz der Androhung von Zöllen auf europäische Exporte wird Donald Trump bald auch eines klar werden: Die USA haben mehr zu verlieren als die Europäer.

Analysten gehen davon aus, dass Zölle auf ausländische Güter den US-Markt verändern werden – mit unerwarteten Folgen.

China ist stärker betroffen als die EU. Höhere Zölle auf chinesische Importe verbessern die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte auf dem US-Markt.

Der US-Dollar wird aufgewertet. Die geringere Nachfrage nach ausländischen Gütern führt zu einer Aufwertung des US-Dollars, wodurch Importe aus der EU günstiger werden.

Amerikanische Produkte verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Höhere Produktionskosten durch Zölle verteuern US-Produkte international.

Simulationen der Commerzbank zeigen, dass diese Faktoren langfristig die negativen Auswirkungen von Zöllen auf die europäische Konjunktur neutralisieren könnten.

Ein Plädoyer für mehr europäische Selbstachtung

Viele europäische Wirtschaftsvertreter sehen die USA als das gelobte Land für Investitionen. Europa hingegen sei im Hintertreffen. Doch Europa bleibt führend in Lebensqualität, sozialer Sicherheit und Nachhaltigkeit.

Ob Umsatz und Wachstum wirklich alles sind oder ob es Zeit für mehr europäischen Wirtschaftspatriotismus ist – diese Frage sollte sich die EU jetzt stellen.

Donald Trump mit Trotz und Empörung zu kontern, ist eine Reaktion aus Schwäche. Machen wir den USA stattdessen klar, dass Europa wirtschaftlich und politisch mehr leistet, als dieser US-Präsident zugestehen will.

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