Ortstaxe Wien : Wer zahlt die Rechnung für Wiens neue Ortstaxe?
Mit 1. Juli 2027 soll der nächste Sprung auf 8 Prozent Ortstaxe kommen. Wie sehr wird das die Hotels belasten?
- © adobe stock/Nina L/peopleimages.comFührt die neue Ortstaxe Wien zu einer spürbaren Mehrbelastung für die Hotellerie?
Mit 1. Juli 2026 sprang die Taxe von 3,2 auf 5 Prozent. Mit 1. Juli 2027 folgt der nächste Sprung auf 8 Prozent – die Abgabe verdreifacht sich damit fast. Zusätzlich fällt ein Pauschalabzug von 11 Prozent weg.
Mit der Inflation von rund 3 Prozent müssten die Wiener Hotels ihre Zimmerpreise um mehr als 5 Prozent anheben, damit die Betriebsergebnisse real gleich bleiben, meint Alexander Ipp, Vizepräsident der Österreichischen Hotelvereinigung und Landesvorsitzender in Wien. Und das sei am Markt derzeit nicht durchsetzbar: „Wir wissen von unseren Mitgliedsbetrieben, dass solche Preiserhöhungen derzeit nicht drin sind."
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Markt gibt laut ÖHV keine zweistelligen Preissprünge her
Zahlen der Stadt Wien untermauern das, so Ipp:
„Von Jänner bis April lagen die Einnahmen der Wiener Hotels nominell um 1,9% unter dem Vorjahr, berücksichtigt man die Inflation, um 5% darunter. Die Lücke zwischen dem aktuellen Preisniveau und dem, was wir ab Juli verlangen müssten, liegt also bei mehr als 10%. Das gibt der Markt nicht her."
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„Madrid und London haben gar keine Ortstaxe. Orientieren wir uns an diesen Städten und nicht am worst case!“Alexander Ipp, Vizepräsident der Österreichischen Hotelvereinigung und Landesvorsitzender in Wien
Ortstaxe Wien im Europa-Vergleich: Nur eine Stadt teurer
Mit dem Sprung auf 8 Prozent läge Wien bei der Ortstaxe europaweit auf Platz zwei hinter Amsterdam. Gleichzeitig ist aber die niederländische Steuer- und Abgabenlast mit 39,4 Prozent klar unter jener Österreichs mit 43,4 Prozent. Demnach wären ab der Erhöhung 2027 Wiener Hotels die am höchsten besteuerten Unternehmen in Europa.
Madrid und London beispielsweise haben gar keine Ortstaxe.
Ortstaxe Österreich im Vergleich: Wien weicht ab
Die Ortstaxe Österreich-weit zeigt, wie stark Wien abweicht. Andere Gemeinden heben die Abgabe, oft Nächtigungsabgabe genannt, als fixen Betrag pro Nacht ein, nicht als Prozentsatz vom Nächtigungsumsatz.
Im Österreich-Durchschnitt sind das 3 bis 4 Euro, in einem Wiener Hotel ab Juli rund 6 Euro, ab Juli 2027 an die 10 Euro. Zudem fließen die Einnahmen sonst überall zweckgebunden in den Tourismus – in Wien fehle diese Zweckwidmung.
Kritik: Hotellerie soll Wiener Budgetlöcher allein stopfen
Aus Ipps Sicht dient die Erhöhung vor allem einem Ziel: „In Wahrheit sollen mit diesem schmerzhaften Griff in die Kassen einer Branche die Löcher in der Stadtkasse gestopft werden. Aber dass 444 Wiener Hotels 80 Mio. aufbringen sollen und 125.000 andere Wiener Unternehmen keinen Cent, ist nicht einzusehen."
Die Hotellerie zahle ohnehin schon 3,2% vom Nächtigungsumsatz in die Stadtkasse. Ipp fordert, dass auch andere Branchen einen prozentuellen Anteil zur Sanierung der Gemeindefinanzen zahlen müssen – und zwar nach Unternehmensgröße gestaffelt und zeitlich befristet.
Reisebüros warnen vor falschem Signal für Kongressstadt Wien
Auch die Reisebranche wehrt sich. Gregor Kadanka, Obmann des Fachverbands der Reisebüros in der WKO, sieht die Erhöhung ebenfalls kritisch: „Gerade für eine Kongressstadt wie Wien ist das besonders schmerzhaft und ein völlig falsches Signal."
Kadanka macht deutlich, wen die Abgabenlast nach seiner Ansicht trifft: „Immer höhere Abgaben treffen nicht anonyme internationale Konzerne, sondern vor allem österreichische Familienbetriebe, ihre MitarbeiterInnen und regionale Wertschöpfung."
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