Flughafen Wien 3. Piste : Die große Absage am Flughafen Wien
Inhalt
- Baukosten explodierten auf zwei Milliarden Euro
- Refinanzierung scheiterte am Widerstand der Airlines
- 90 Millionen Euro für gescheitertes Pistenprojekt
- Flughafen Wien investiert Hunderte Millionen in Terminals
- Gewinnprognose sinkt wegen Wertberichtigungen
- Langwierige Gerichtsverfahren bremsten Projekt aus
- Von 1996 bis heute: Geschichte eines umstrittenen Vorhabens
- Reaktionen aus Politik: Von Zustimmung bis Kritik
Die Rahmenbedingungen durch die extrem lange Verfahrensdauer haben sich grundlegend verändert, heißt es vom Flughafen Wien.
- © APA/MAX SLOVENCIKDer Flughafen Wien-Schwechat verzichtet nun definitiv auf den Bau einer dritten Piste. Diese Entscheidung begründet Flughafen-Vorstand Julian Jäger mit deutlich höheren Kapazitäten als ursprünglich angenommen.
"Wir gehen davon aus, dass wir im Zwei-Pisten-System über 50 Millionen Passagiere abfertigen können und das ist einfach deutlich mehr, als wir in der Vergangenheit berechnet haben."
Das Management will künftig verstärkt in die Terminal-Infrastruktur investieren. 2024 nutzten 31,7 Millionen Reisende den Airport Wien-Schwechat.
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Baukosten explodierten auf zwei Milliarden Euro
Die Flughafenvorstände Julian Jäger und Günther Ofner nannten in einer gemeinsamen Aussendung mehrere Gründe für das Ende des jahrzehntelangen Projekts.
Die prognostizierten Baukosten seien massiv auf etwa zwei Milliarden Euro gestiegen. Zudem hätten sich die Rahmenbedingungen durch die extrem lange Verfahrensdauer grundlegend verändert.
"So wurden im Jahr 2005 pro Flugbewegung 71 Passagiere befördert, 2024 waren es durch den Einsatz größerer Flugzeuge bereits 139 Passagiere, was den Druck auf die Pistenkapazität mildert", erklärten die beiden Manager.
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Refinanzierung scheiterte am Widerstand der Airlines
Ein entscheidender Faktor für die Absage der 3. Piste war die fehlende wirtschaftliche Basis. Die Refinanzierung des Großprojekts erwies sich als nicht darstellbar.
"Mit ausschlaggebend für die Entscheidung ist auch, dass die größten Airline-Kunden am Standort dem Projekt negativ gegenüberstehen und ohne Refinanzierung durch höhere Tarife die wirtschaftliche Basis der Investition nicht darstellbar ist", so die Flughafenchefs.
Die AUA, größte Fluglinie am Standort, kann die Entscheidung nachvollziehen. "Die Kapazitäten der beiden Pisten reichen vollkommen aus, um auch zukünftiges Wachstum zu ermöglichen. Jetzt ist es wichtig, in die Qualität des Hubs und der Terminals zu investieren", ließ das Unternehmen mitteilen.
90 Millionen Euro für gescheitertes Pistenprojekt
Das Aus für den Pistenbau Wien-Schwechat bedeutet finanzielle Verluste in beträchtlicher Höhe. Über 25 Jahre hinweg investierte der Flughafen rund 90 Millionen Euro in das Vorhaben.
"Aber wir sparen uns jetzt eine Investition von zwei Milliarden", rechtfertigt Jäger. Das Wachstum könne auch im bestehenden Zwei-Pisten-System erfolgen. Eine dritte Piste schließe man nicht für immer aus, "aber wir werden frühestens in den 2040er Jahren wieder darüber nachdenken müssen".
Flughafen Wien investiert Hunderte Millionen in Terminals
Finanziell steht der Airport laut Jäger auf solider Basis: "Wir haben 400 Millionen Euro auf der hohen Kante" und seien schuldenfrei.
In den kommenden Jahren plane man jährliche Investitionen zwischen 200 und 300 Millionen Euro in die Terminal-Infrastruktur. "Ich glaube, der Fokus hat sich einfach von Pistenkapazität auf Terminalkapazität verschoben", so der Vorstand.
Gewinnprognose sinkt wegen Wertberichtigungen
Die Absage des Runway-Projekts hat bilanzielle Konsequenzen.
"Die getroffene Entscheidung führt dazu, dass die von 2018 bis 2020 angefallenen Zahlungen aus dem Mediationsvertrag an den Umweltfonds und an Anrainergemeinden, die auf das Pistenprojekt aktiviert wurden, mit 55,9 Mio. in der Bilanz 2025 nicht liquiditätswirksam wertzuberichtigen sind", teilte das Unternehmen mit.
Aufgrund dieser Wertberichtigung rechnet der Flughafen 2025 mit einem Nettoergebnis vor Minderheiten von 210 Millionen statt der ursprünglich erwarteten 230 Millionen Euro.
Langwierige Gerichtsverfahren bremsten Projekt aus
Ein weiterer Grund für das Scheitern der dritten Piste am Flughafen Wien waren die extrem langen Verfahrensdauern. Laut Mitteilung vom Dienstagabend steht nach 17 Monaten noch immer die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) im Rechtsmittel gegen eine abändernde Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Bauzeitverlängerung aus.
Diese Verzögerungen kritisierten Flughafenvertreter wiederholt. Der VwGH prüft derzeit im Rahmen einer Beschwerde des Flughafens Wien, ob die vom Bundesverwaltungsgericht (BVwG) verkürzte Baugenehmigung von 2033 auf 2030 rechtlich haltbar ist. Eine Entscheidung wird erst für 2026 erwartet – jenes Jahr, in dem der Flughafen ursprünglich über den endgültigen Bau entscheiden wollte.
Von 1996 bis heute: Geschichte eines umstrittenen Vorhabens
Die Planungen für einen Flughafenausbau reichen weit zurück. Bereits 1996 plante der Airport eine dritte Piste, die 2015 fertiggestellt werden sollte.
Damals herrschten andere Bedingungen: 1995 zählte man in Wien 8,5 Millionen PassagierInnen. Mit der Pistenplanung wollte man auf gut 23 Millionen kommen. Heute bewältigt der Airport mit zwei Pisten über 30 Millionen Reisende.
Wirtschafts- und TourismusvertreterInnen in der Ostregion unterstützten das Projekt mehrheitlich. UmweltschützerInnen und AnrainerInnen opponierten dagegen. Der Streit zog sich über viele Jahre, zeitweise sehr intensiv.
Der Flughafen Wien gehört zu je 20 Prozent der Stadt Wien und dem Land Niederösterreich. Die Flughafen Wien Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung hält 10 Prozent. Die Airports Group Europe besitzt rund 44 Prozent, der Streubesitz etwa 6 Prozent.
Reaktionen aus Politik: Von Zustimmung bis Kritik
Die Landesregierungen Wiens und Niederösterreichs reagierten am Dienstagabend auf die Absage. Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sprach von einer "wirtschaftlichen Entscheidung" des Airports.
Ausbau und Modernisierung von Flughafen und Airportregion müssten weiter vorangetrieben werden. "Unser Flughafen bleibt die zentrale Verkehrsdrehscheibe Österreichs und wird weiter wachsen", so Mikl-Leitner.
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Wiens Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) verwies ebenfalls auf geplante Terminal-Erweiterungen und Modernisierungen. Sie ortete "eine verantwortungsvolle und vorausschauende Entscheidung", "ein klares Signal in Richtung Nachhaltigkeit" und nun gegebene Planungssicherheit.
Die Mobilitätssprecherin der Grünen, Elisabeth Götze, bezeichnete die Absage als Erfolg der "Zivilgesellschaft" und einen Sieg der "ökonomischen und ökologischen Vernunft". Auch Greenpeace und die Umweltorganisation Virus begrüßten die Entscheidung des Flughafens, den geplanten Bau endgültig abzusagen.
Für Manfred Peter, Obmann der ARGE gegen Fluglärm, gelte es nun, weiterhin an der Reduzierung der Lärmbelastung für die Anrainergemeinden zu arbeiten. Er wies darauf hin, dass manche Gemeinden mit einer dritten Piste weniger Fluglärm gehabt hätten. Dazu zählten Margarethen am Moos und Trautmannsdorf südlich sowie Groß-Enzersdorf und Gänserndorf nördlich der bestehenden Piste 16/34. (LB/APA)
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