Interreg : Kreislaufwirtschaft Tirol: Was das Interreg-Projekt Inno Circle in zwei Jahren wirklich verändert hat

gruppenfoto beim Circular Day 2026 in innsbruck: Anna Köhl (Klimabündnis Tirol), Giovanni Libardoni (Eurac Research), Kristina Bogner (Klimabündnis Tirol), David Brötzner (Innovation Salzburg), Anett Brandl (Energieagentur Tirol), Ulrich Eberhard Prechsl (IDM Südtirol), Julia Scharting (Standortagentur Tirol), Martin Hauer (Universität Innsbruck), Marina Fusco (Universität Innsbruck), Christian Hoffmann (Eurac Research), Maria Rehbogen (Zukunftsagentur Bau), Valerio Francesco Scartezzini (IDM Südtirol), Werner Balika (Innovation Salzburg) und Simon Pezzutto (Eurac Research)

Freuten sich über den erfolgreichen Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekts Inno Circle und präsentierten Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen im Rahmen des Circular Day: Anna Köhl (Klimabündnis Tirol), Giovanni Libardoni (Eurac Research), Kristina Bogner (Klimabündnis Tirol), David Brötzner (Innovation Salzburg), Anett Brandl (Energieagentur Tirol), Ulrich Eberhard Prechsl (IDM Südtirol), Julia Scharting (Standortagentur Tirol), Martin Hauer (Universität Innsbruck), Marina Fusco (Universität Innsbruck), Christian Hoffmann (Eurac Research), Maria Rehbogen (Zukunftsagentur Bau), Valerio Francesco Scartezzini (IDM Südtirol), Werner Balika (Innovation Salzburg) und Simon Pezzutto (Eurac Research)

- © Standortagentur Tirol

Nach zwei Jahren endet das EU-Projekt Inno Circle, das die Standortagentur Tirol federführend begleitet hat. Insgesamt 31 kleine und mittlere Unternehmen aus Tirol, Südtirol und Salzburg haben in dieser Zeit erprobt, wie sich zirkuläres Wirtschaften konkret im Betriebsalltag verankern lässt. Beim abschließenden Circular Day in Innsbruck präsentierten die Projektbeteiligten Ergebnisse und Empfehlungen für die Praxis.
 

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Das vom EU-Förderprogramm Interreg unterstützte Projekt verfolgte ein klares Ziel: Unternehmen dabei zu unterstützen, Produkte und Prozesse so zu gestalten, dass Materialien länger im Umlauf bleiben und Rohstoffe geschont werden. 

Das Gesamtbudget lag bei 857.254,90 Euro, wovon 663.075,51 Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stammten. Neben der Standortagentur Tirol waren die Energieagentur Tirol, das Klimabündnis Tirol, IDM Südtirol, Eurac Research sowie die Innovation Salzburg GmbH als Kooperationspartner beteiligt.

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Coaching, Digitalisierung und überbetrieblicher Austausch

Das Herzstück von Inno Circle war ein praxisnahes Coaching-Programm, das digitale Tools mit Dialogformaten verknüpfte. Die teilnehmenden Unternehmen durchliefen mehrere Module zu zentralen Themen der Kreislaufwirtschaft. 

Ergänzt wurde das Angebot durch einen kuratierten Wissenspool, eine Übersicht verfügbarer digitaler Werkzeuge sowie Veranstaltungsformate wie die „Circularity Challenge" (mehr dazu unten).


Ein besonderes Merkmal des Programms war die ganzheitliche Betrachtung aller Produktphasen – von der Materialbeschaffung über das Produktdesign bis hin zur Wiederverwendung. „Kreislaufwirtschaft lässt sich nur umsetzen, wenn Unternehmen über Branchengrenzen hinweg kooperieren", sagt dazu Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol. "Inno Circle hat gezeigt, dass genau dort Innovation entsteht – im gemeinsamen Nachdenken und Ausprobieren."

Nachhaltigkeitsstrategie: Die wenigen, die sie haben, sind deutlich erfolgreicher

80 Studierende aus unterschiedlichsten Fachbereichen arbeiteten bei der Circularity Challenge zwei Tage lang in interdisziplinären Teams an Lösungen zur Kreislaufwirtschaft. Unterstützt wurden sie dabei von erfahrenen Coaches und Mentor:innen.

- © Hermann Auer

Von der Analyse zur Umsetzung: Ergebnisse auf Unternehmensebene

Viele der beteiligten Betriebe kommen aus dem produzierenden Bereich. Im Rahmen von Inno Circle analysierten sie das eigene Wirtschaften und fanden heraus, wo sich Rohstoffe, Produkte und Prozesse künftig nachhaltiger einsetzen lassen. 

„Kreislaufwirtschaft ist für Unternehmen nicht nur ein Umweltanliegen, sondern auch eine betriebswirtschaftliche Frage. Wer Ressourcen und Materialien bewusster einsetzt, kann Abhängigkeiten reduzieren, Prozesse robuster aufstellen und langfristig wirtschaftliche Vorteile erzielen", sagt Ulrich Prechsl, Bereichsleiter Nachhaltigkeit bei IDM Südtirol.

Konkrete Beispiele zeigen, dass Kreislaufansätze bereits gelebte Praxis sind. Bierol etwa, eine Tiroler Craft-Brauerei, und Second Ascent, eine Reparaturwerkstatt für Outdoor-Textilien, setzen entsprechende Prinzipien schon heute um.

Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Regionen

Inno Circle zielte nicht nur auf die Betriebsebene ab – auch sollen gewonnene Erkenntnisse in regionale Strukturen übertragen werden. Aus dem zweijährigen Programm entstand ein Leitfaden für Regionen, der zeigt, wie vergleichbare Coaching-Programme aufgesetzt werden können. 

Gemeinsam mit VerwaltungsmitarbeiterInnen wurden außerdem Empfehlungen für Politik und Verwaltung erarbeitet. In den kommenden Jahren sollen die entwickelten Formate in den Partnerregionen fortgeführt, weitere KMU bei der Integration von Kreislaufprinzipien begleitet und Kooperationen zwischen Wirtschaft und Forschung ausgebaut werden.

Die Circularity Challenge

Ein Teil von Inno Circle ist die Circularity Challenge. Diese fand zuletzt im November 2025 im Inncubator Innsbruck statt. Fünf Betriebe und 80 Studierende von verschiedenen Hochschulen verfolgten dabei das Ziel: Binnen zwei Tagen praxistaugliche Ansätze entwickeln, die:

  • Materialien wiederverwertbar machen,
  • Abfall verringern
  • und Produkte länger im Produktkreislauf halten.


Die fünf Betriebe aus Tirol, Salzburg und Südtirol stellten konkrete Problemstellungen aus ihrem Unternehmensalltag vor, um zentrale Fragen der Kreislaufwirtschaft anzupacken. Als Hochschulen waren unter anderem die Universität Innsbruck und die Technische Hochschule Rosenheim vertreten.

"Formate wie die Innovation Sprints eignen sich bestens, um neue Ideen zu entwickeln und gemeinsam innovative Lösungen auf den Weg zu bringen", gibt Hofer von der Standortagentur Tirol ein Beispiel.

Die Circular Economy wird für österreichische KMU zunehmend zum relevanten Wirtschaftsfaktor – entsprechend groß ist der Bedarf an Unterstützung bei der Umsetzung.

Close-up von dreiköpfigem jungen Team bei Circularity Challenge in Innsbruck 2025
Studierende aus unterschiedlichsten Fachbereichen wie Design, Technik oder BWL arbeiteten zwei Tage lang in Teams. - © Hermann Auer
Gerade in einem kleinen Markt wie Österreich entscheidet Zusammenarbeit darüber, ob eine Idee im Labor stecken bleibt oder den Sprung in die Welt schafft. Robert Schimpf, Co-Founder & Director des ­ InnCubator Innsbruck, und Manfred Rieger, Geschäftsführer und Standortleiter Forschung & Entwicklung bei Takeda Österreich, über erfolgreiche Kooperationen.

Innovation Sprints: Mehr als ein Jahrzehnt bewährte Methodik

Die Methode verbindet akademisches Wissen mit praktischen Anforderungen aus der Wirtschaft. Für viele bewährt sich dieser Ansatz schon seit Jahren.

„Seit über einem Jahrzehnt setzen wir auf Innovation Sprints und vergleichbare Formate, bei denen Studierende gemeinsam mit Unternehmen und Coaches frische Perspektiven, aktuelles Fachwissen und hohe Umsetzungskraft einbringen", sagt Katja Hutter von der Universität Innsbruck. "So entstehen in kurzer Zeit praxistaugliche Lösungen für Unternehmen und ein beispielloser Teamgeist. Neu ist, wie konsequent und professionell inzwischen KI und neue digitale Tools eingebunden werden, die immer mehr zu zentralen Treibern von Entwicklung werden."

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Das Team Heliotherm bei der Circularity Challenge in Innsbruck 2025.
Team Heliotherm - © Hermann Auer

Interdisziplinäre Teams arbeiten an Materialkreislauf-Konzepten

Zwei Tage lang entwickelten Studierende aus Design, Technik, BWL und weiteren Fachrichtungen in gemischten Teams ihre Konzepte. Erfahrene Innovation-Coaches und MentorInnen begleiteten die Arbeitsgruppen dabei. Die Aufgabenstellungen umfassten ein breites Spektrum: von Produktstrategien über Materialkreisläufe bis hin zu Verpackungslösungen.


Am zweiten Tag stellten alle Teams ihre Ergebnisse in Kurzpräsentationen vor – inklusive erster Prototypen. Eine Fachjury bewertete die Konzepte nach Umsetzbarkeit, Ressourceneffizienz und Innovationsgrad. Für jede Aufgabenstellung wurde ein Gewinnerteam gekürt.

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„Formate wie die Circularity Challenge zeigen, wie schnell aus guten Ideen umsetzbare Lösungen werden, wenn Unternehmen und Studierende zielgerichtet zusammenarbeiten", sagt Thomas Kohler, Geschäftsführer von conui und Lehrbeauftragter an der WU Wien. "Gerade in der Kreislaufwirtschaft zählen Tempo und Praxistauglichkeit – beides wird hier auf höchstem Niveau geleistet."

Heliotherm und Swarovski als teilnehmende Unternehmen

Heliotherm stellte die Aufgabe, eine modulare Lösung zur Wärmerückgewinnung aus Abwasser für künftige Fernwärmenetze zu entwickeln. Das Siegerteam entwarf ein skalierbares Auffangsystem, das thermische Energie aus Abwasser effizient zurückgewinnt.
 

Swarovski fokussierte sich auf die automatisierte Rückgewinnung von Kristallen aus nicht mehr reparierbarem Schmuck, um diese wieder in den Materialkreislauf einzuspeisen. Hier zeichnete die Jury gleich zwei Teams aus – beide überzeugten durch ihre Präsentationsstärke, technisches Know-how und Detailgenauigkeit.

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