Tourismus in Österreich : Ferienhotellerie unter Druck: Fachkräftemangel, Investitionsstau und unsichere Nachfolge

Drei Rezeptionisten in einem Hotel bei der Arbeit, zwei davon am Telefon, alle verschwommen im Hintergrund. Im Vordergrund eine Glocke auf dem Tresen.

Vier von fünf Betrieben sind vom Fachkräftemangel betroffen.

- © adobe stock/davit85

Trotz eines anhaltenden Tourismusbooms und steigender Gästezahlen steht die österreichische Ferienhotellerie vor wirtschaftlichen Unsicherheiten. 

Eine aktuelle Branchenstudie von Alps Resorts in Kooperation mit P8 Business Strategy zeigt, mit welchen Entwicklungen touristische Entscheidungsträger konfrontiert sind.

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Zukunftsängste in der Ferienhotellerie: Fachkräftemangel, Investitionsstau und Nachfolgefragen

Die Stimmung in der Branche ist verhalten: Viele Betriebe blicken mit Unsicherheit auf die kommenden Jahre. 

"Viele Hoteliers stehen derzeit vor wirtschaftlich schwierigen Entscheidungen. Als Hotelkette möchten wir diese Herausforderungen analysieren und potenzielle Lösungswege aufzeigen", sagt Thomas Payr, Geschäftsführer von Alps Resorts.

Ein zentraler Ansatz sei die Zusammenarbeit mit professionellen Betreiberfirmen. Diese könne Synergien schaffen, betriebliche Prozesse verschlanken und den Zugang zu Kapital erleichtern. Zudem stelle sie für Familienbetriebe ohne Nachfolgeregelung eine Alternative dar.

Betriebsnachfolge bleibt ungelöst

Das Thema Nachfolge gewinnt in der österreichischen Ferienhotellerie zunehmend an Bedeutung. 26 Prozent der befragten Betriebe stehen in den nächsten fünf Jahren zur Übergabe an – mehr als die Hälfte davon ohne konkreten Plan. 

Während 90 Prozent eine Weiterführung ihres Unternehmens anstreben, könnten sich 48 Prozent eine Übernahme durch einen professionellen Betreiber vorstellen.

Lösungsansätze wie das Betreiberkonzept von Alps Resorts könnten dazu beitragen, Hoteliers ohne Nachfolge eine Alternative zu bieten. 

"Unser Modell erlaubt es Eigentümern, ihre Immobilie zu behalten, während wir den Betrieb übernehmen. So bleibt das Unternehmen in Familienbesitz, während es wirtschaftlich stabil bleibt", so Payr.

  • Thomas Payr, CMO von Alps Resorts, bei einer Präsentation vor Publikum.
    "Fehlende Investitionen können langfristig negative Folgen haben: Geringere Gästezufriedenheit, steigende Betriebskosten und ein sinkender Immobilienwert sind oft die Konsequenz."

    Thomas Payr, CMO von Alps Resorts

Fachkräftemangel führt zu Einsparungen im Service

Vier von fünf Betrieben sind vom Fachkräftemangel betroffen. Unter mittelgroßen Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden liegt die Quote sogar bei 90 Prozent. Die Studie zeigt, dass dies bereits konkrete Auswirkungen auf das Serviceangebot hat. 

Zwei Drittel der befragten Hoteliers haben Öffnungszeiten in der Gastronomie verkürzt, Rezeptionszeiten eingeschränkt oder die Zimmerreinigung reduziert.

Um den Personalmangel zu bewältigen, setzen einige Unternehmen auf alternative Betriebskonzepte

Alps Resorts etwa hat mit "Alps Kitchen" ein Gastronomiekonzept entwickelt, das mit weniger Personal auskommt. Flexible Arbeitszeitmodelle und Outsourcing zentraler Unternehmensbereiche sollen zudem die wirtschaftliche Stabilität sichern.

Wachstum bleibt für viele Betriebe außer Reichweite

Trotz eines allgemeinen Wachstumsinteresses sind finanzielle Hürden für viele Hoteliers unüberwindbar. Zwar streben 62 Prozent der Befragten eine Expansion an, jedoch verfügen nur 40 Prozent über die nötigen Mittel oder das Vertrauen, Investitionen zu tätigen. 

Rund ein Fünftel hat in den letzten fünf Jahren keine bedeutenden Investitionen vorgenommen, bei 44 Prozent gab es in den vergangenen zwei Jahren gar keine größeren Ausgaben.

"Fehlende Investitionen können langfristig negative Folgen haben: Geringere Gästezufriedenheit, steigende Betriebskosten und ein sinkender Immobilienwert sind oft die Konsequenz", warnt Payr. 

Alternative Finanzierungsmodelle wie Buy-to-let oder Crowdfunding könnten hier Spielraum schaffen. Zudem könne eine Partnerschaft mit einem professionellen Betreiber die Position bei Banken und Investoren stärken.

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