Automobil-Cluster Österreich : Oberösterreich und Steiermark setzen auf Indien: Chancen für Export und Investment bei Automotiven

Eine österreichische Automotive-Wirtschaftsdelegation aus mehreren Leuten mit Schutzhelmen bei JMB in Neu-Delhi.

Eine österreichische Automotive-Wirtschaftsdelegation hat in der vergangenen Woche ihre Fühler weit nach Indien ausgestreckt. Im Bild: Die Delegation bei JMB in Neu-Delhi.

- © APA/INGRID KORNBERGER

Eine österreichische Wirtschaftsdelegation hat in den vergangenen Tagen Indien bereist, um Marktchancen im Automotive-Sektor auszuloten. Die von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) organisierte Reise führte nach Chennai, Pune und Neu-Delhi. 

Mit an Bord waren zahlreiche Unternehmen aus der Steiermark, Oberösterreich und anderen Bundesländern, die in Indien neue Absatzmärkte erschließen oder Produktionskapazitäten aufbauen wollen.

Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Donauraum Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!

Die Teilnehmer sahen in Indien vor allem drei zentrale Vorteile: einen dynamischen Absatzmarkt, günstige Produktionsbedingungen und die Möglichkeit, Fachkräfte zu rekrutieren

"Wir glauben, dass Indien ein sehr wichtiger Markt für die Zukunft ist", erklärte Julia Buchta, Marketing-Chefin des Grazer Messtechnikunternehmens Dewetron. Das Unternehmen hat seit 2024 eine Vertriebsniederlassung in Chennai und plant, den Export in die Region auszubauen.

KS Engineers aus der Steiermark gilt als ein Pionier unter den österreichischen Unternehmen am indischen Markt. Die Firma hat schon in den 90er-Jahren am Subkontinent Fuß gefasst, zuerst nur exportiert, seit 2003 mit einer Niederlassung in Pune und vor zwei Jahren wurde auch noch eine Produktion mit rund 30 Mitarbeitern hochgefahren. Im Bild: Geschäftsführer Wolfram Rossegger bei KS Engineers in Pune.

- © APA/INGRID KORNBERGER

Oberösterreich und Steiermark setzen verstärkt auf Indien

Auch Fronius, der oberösterreichische Spezialist für Schweißtechnik und Solarlösungen, ist bereits seit 2014 mit mehreren Standorten in Indien präsent. 

"Die Nachfrage nach unserer Schweißtechnik in Indien ist enorm", bestätigte Vishwanath Kamath, Managing Director von Fronius India.

Neben den steirischen Unternehmen zeigte auch der oberösterreichische Automobil-Cluster großes Interesse an Indien. 

"Die USA sind ein wichtiger Markt für uns, aber Zölle und Handelsbarrieren erschweren das Geschäft. Indien ist daher eine spannende Alternative", erklärte Florian Danmayr, Manager des Clusters.

Die steirische ACstyria-Geschäftsführerin Christa Zengerer sieht in Indien vor allem ungenutzte Potenziale: "Indien ist sprachlich einfacher als China, da viel Englisch gesprochen wird. Gleichzeitig gibt es dort viele Möglichkeiten für neue Kooperationen." 

Dennoch weist sie darauf hin, dass Entscheidungsprozesse in Indien oft länger dauern und spontane Anpassungen an der Tagesordnung sind.

Politische Rahmenbedingungen: Protektionismus als Herausforderung

Neben den Marktchancen standen auch wirtschaftspolitische Entwicklungen im Fokus. Indien setzt zunehmend auf Lokalisierungsanforderungen (Local Content Requirements, LCR), um ausländische Unternehmen zu verpflichten, einen Teil ihrer Wertschöpfung im Land zu belassen. 

"Wir sollten in Europa ähnliche Mechanismen in Betracht ziehen, um die eigene Automobilbranche zu stärken", forderte Danmayr. Die Europäische Kommission betrachtet solche Vorgaben allerdings als verdeckten Protektionismus.

Die österreichische Automotive-Wirtschaftsdelegation beim Mahindra Research Center in Chennaihat: (v.l.) Karl Hartleb (GF ICS), Kerstin Draxler (ACstyria), Maria Kollmann (AVL), Christa Zengerer (GF ACstyria), Julia Buchta (Dewetron) und Christina Ulrich (ICS) 

- © APA/INGRID KORNBERGER

Geopolitische Unsicherheiten als Treiber der Internationalisierung

Die Delegationsreise wurde auch durch geopolitische Entwicklungen beeinflusst. "Angesichts der Spannungen zwischen den USA und China ist eine Diversifikation der Exportmärkte notwendig", erklärte Karl Hartleb, Geschäftsführer des ICS. Indien könnte für österreichische Unternehmen eine "neutrale Option" zwischen diesen Wirtschaftsmächten sein.

Die Wirtschaftsreise machte deutlich, dass Indien für österreichische Unternehmen im Automotive-Bereich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Neben Fronius und Dewetron sind auch andere Unternehmen wie Tiger Coatings, KS Engineers und Nextsense aktiv oder evaluieren den Markteintritt. 

Trotz Herausforderungen durch Lokalisierungsvorgaben und administrative Hürden sehen viele Firmen in Indien langfristige Chancen für Wachstum und Innovation. (apa/red)

🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke gefällig?

Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden! 🚀💼

🎙️ Wirtschaft im Ohr – Ihr Wissensvorsprung! 🚀

Jetzt den neuen Wirtschafts-Nachrichten Podcast entdecken: Aktuelle Trends, Expert:innen-Insights & spannende Analysen – kompakt & auf den Punkt. 🎧

🔊 Jetzt reinhören: wirtschafts-nachrichten.at/podcasts