Gebäudetyp e : Baustandards in Österreich: Wie viel Regelwerk braucht die Branche wirklich?

Ein Bildschirm zeigt das Coverbild mit Logo des 7. Baustammtisches von Austrian Standards.

Der 7. Baustammtisch debattierte Vorstöße zum Bauen außerhalb, aber nicht abseits der Norm.

- © Austrian Standards/APA-Fotoservice/Juhasz Fotograf/in: Krisztian Juhasz

Am 26. März veranstaltete Austrian Standards seinen jährlichen Baustammtisch in Wien. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten die Diskussionen vor Ort und via Live-Stream. 

Zentrales Thema war das Spannungsfeld zwischen bestehenden Normen und dem Wunsch nach vereinfachtem Bauen. Ein Blick auf Deutschlands "Gebäudetyp-e" diente als Modell für eine mögliche Neuausrichtung.

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Regelwerke: Hemmschuh oder Qualitätsgarant?

Österreichs Bauwirtschaft ist bekannt für hohe Qualität und Verlässlichkeit. Wesentlichen Anteil daran haben gesetzliche Vorgaben und Normen, die von der Planung bis zur Nutzung eines Gebäudes Klarheit schaffen. 

Doch nicht alle Akteure sehen den aktuellen Regulierungsumfang als Vorteil. Beim Baustammtisch wurde diskutiert, ob und wie ein reduziertes Regelwerk Innovationen fördern könnte.

"Wir sind kein Gesetzgeber. Wir moderieren die Entstehung von Normen und sorgen für ihre Bereitstellung. In den meisten Fällen werden sie freiwillig genutzt", erklärte Valerie Höllinger, CEO von Austrian Standards. "Normen sind Blaupausen für einen guten Standard und tragen zur Wertschöpfung bei. Doch wir sind offen für neue Ansätze."

Normen können als Blaupausen für einen guten Standard betrachtet werden.

- © Adobe Stock / Petair

Der "Gebäudetyp-e" als Vorbild?

Ein Blick nach Deutschland zeigte, wie dort mit dem "Gebäudetyp-e" ein Modell für einfacheres und kostengünstigeres Bauen erprobt wird. Der Ansatz verzichtet bewusst auf bestimmte Normen und setzt auf ein pragmatisches Regelwerk.

Fabian Blomeyer, Geschäftsführer Recht und Verwaltung der Bayerischen Architektenkammer, stellte das Konzept vor: "Wir sind mit dem Gebäudetyp-e schon sehr weit gekommen. Sollte die neue Bundesregierung eine zivilrechtliche Absicherung ermöglichen, könnte das einfachere Bauen weiter an Fahrt aufnehmen."

Was bedeutet das für Österreichs Bauwirtschaft?

Auch in Österreich gibt es bereits Möglichkeiten, von Normen abzuweichen. 

Robert Jansche, Vorstand des Österreichischen Instituts für Bautechnik, betonte: "Die Inhalte des Gebäudetyp-e waren Grundlage für die OIB-Richtlinien. Diese erlauben Abweichungen, wenn das Schutzziel auf anderem Wege gleichwertig erfüllt wird."

Anton Rieder, Bundesinnungsmeister-Stellvertreter Bau der Wirtschaftskammer Österreich, sieht Handlungsbedarf: "Wohnraum ist kaum mehr leistbar. Wir brauchen einen Kurswechsel, um Kosten zu senken. Ich spreche nicht von der Abschaffung von Normen, sondern von mehr Flexibilität, Mut und Freiwilligkeit."

Robert Jansche, Vorstand Österreichisches Institut für Bautechnik, sitzt in ein Mikrofon sprechend bei einer Gesprächsrunde.
Robert Jansche, Vorstand Österreichisches Institut für Bautechnik: "Die Inhalte des Gebäudetyp-e waren Grundlage für die OIB-Richtlinien. Diese erlauben Abweichungen, wenn das Schutzziel auf anderem Wege gleichwertig erfüllt wird." - © Austrian Standards/APA-Fotoservice/Juhasz Fotograf/in: Krisztian Juhasz

Ausblick: Bleibt alles beim Alten oder kommt die Trendwende?

Ob Österreich sich am "Gebäudetyp-e" orientieren wird, hängt von politischen Entscheidungen und der Bereitschaft der Branche ab. Austrian Standards beobachtet die Entwicklungen mit Interesse und will als neutrale Plattform Wissen bereitstellen. 

Die Diskussion zeigt: Die Zukunft des Bauens könnte flexibler werden – wenn alle Beteiligten den Mut haben, neue Wege zu beschreiten.

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