Vorarlberg Unternehmen : Karlheinz Kopf neuer WK-Präsident: Vorarlberg vor großen Herausforderungen

Karlheinz Kopf, der neue Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, spricht beim Interview mit den Händen gestilkulierend.

„Es geht um Fachkräfte, es geht um leistbare Energiekosten, es geht um niedrigere Lohnnebenkosten, eine Stärkung der Innovationskraft. Es geht um geringere Bürokratie, um räumliche Entwicklungs- und Expansionsmöglichkeiten für unsere Betriebe und nicht zuletzt um neue Märkte für den Export“, so Kopf.  

- © WKO

Seit 1. Jänner 2025 ist Karlheinz Kopf der neue Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg. In einem Meinungsbeitrag gleich zu Beginn seiner Funktionsperiode stellt er klar, dass auch das Bundesland Vorarlberg „standortpolitisch“ gefordert ist. 

„Die Vorarlberger Wirtschaft hat in der Vergangenheit in solchen Zeiten immer wieder bewiesen, dass sie offensiv und innovativ auf solche Entwicklungen reagieren kann. Und darum schaue ich trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen und trotz der aktuell schwierigen Situation bei der Regierungsbildung in Wien mit einiger Zuversicht ins nahe Jahr 2025. Aber Zuversicht allein wird nicht reichen. Wir sind standortpolitisch gefordert“, so der neue WK-Präsident.  

Kopf skizziert, wo die Herausforderungen der nächsten Jahre liegen werden. „Es geht um Fachkräfte, es geht um leistbare Energiekosten, es geht um niedrigere Lohnnebenkosten, eine Stärkung der Innovationskraft. Es geht um geringere Bürokratie, um räumliche Entwicklungs- und Expansionsmöglichkeiten für unsere Betriebe und nicht zuletzt um neue Märkte für den Export“, so Kopf.  

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Bei Simplon finden positive Investorengespräche statt 

- © SIMPLON Fahrrad GmbH/Matak Studios

Erfolgsgeschichte Alge Electronic: Tradition und Innovation im Familienunternehmen

Dass es aber im Ländle an innovativen Wirtschaftstreibenden nicht mangelt, zeigen eindrucksvoll eine ganze Reihe von Best-Practice-Beispielen aus der Wirtschaft. 

Beispielsweise das Lustenauer Familienunternehmen alge electronics, das Ende 2024 mit Marc Albin Alge als Geschäftsführer in die dritte Generation startet. Als E²MS-Dienstleister entwickelt, bestückt und montiert alge electronic kundenspezifische Elektronikbaugruppen und Geräte in mittleren Serien. Diese finden in Mitteleuropa Anwendung, etwa in der Medizin- und Haustechnik. 

Produziert wird ausschließlich in Lustenau, eine Verlagerung ins Ausland ist für die Geschäftsführung keine Option. Mit 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus elf Nationen setzt alge electronic auf Teamgeist und individuelle Stärken. Das Familienunternehmen in dritter Generation bezeugt, dass Vorarlberg auf eine starke und traditionsreiche Unternehmerkultur aufbauen kann.  

Wiedereröffnung des Digital Solution House von Liebherr in Dornbirn. 

- © Liebherr

Simplon: Vom Sanierungsfall zum Erfolg

Dass sich Unternehmen auch durch eigene Kraft wieder auf Kurs bringen können, hat Simplon Fahrrad bewiesen. Seit rund einem Jahr hat die diese einen harten, aber erfolgreichen Sanierungskurs eingeschlagen. 

Bei dieser voranschreitenden Sanierung befindet sich der Fahrrad-Spezialist aus Hard seit längerem in positiven Verhandlungen mit potenziellen Investoren. Ein branchenweiter, deutlicher Umsatzrückgang in Höhe von rund 30 Prozent in der diesjährigen Radsaison führte jedoch zuletzt auch bei Simplon zu neuen, wirtschaftlichen Herausforderungen. 

Inzwischen verlaufen die Investorengespräche positiv und das Unternehmen sollte in fünf bis sieben Jahren wieder langfristig abgesichert sein. Auch das ist eine Erfolgsgeschichte. 

Marc Albin Alge ist geschäftsführender Gesellschafter in dritter Generation bei Alge electronics. An seiner Seite steht Betriebsleiter und Prokurist Alexander Amann.

- © Lukas Hämmerle

Digital Solution House: Die Zukunft der Industrie in Vorarlberg

Dass in Vorarlberg aber auch auf die digitalen Lösungen der Zukunft nicht vergessen wird, zeigt die Wiedereröffnung des Digital Solution House von Liebherr in Dornbirn. Das 2018 gegründete Digital Solution House ist zentraler Bestandteil der Innovationsstrategie von Liebherr. 

Ziel ist die Optimierung von Prozessen durch moderne IoT-Lösungen. Liebherr hat sich vom Maschinenhersteller zum Lösungspartner entwickelt und bietet digitale Lösungen, die alle Beteiligten unterstützen. Interdisziplinäre Teams arbeiten in einem agilen Umfeld an marktorientierten Innovationen. 

Die Nähe zum Werk in Nenzing schafft Synergien. Die Kooperation mit der FH Vorarlberg fördert Talente, die Theorie und Praxis verbinden und so zu einem wichtigen Partner macht. Agile Prozesse, schnelle Entscheidungen und ein offenes Konzept setzen neue Maßstäbe in der Produktentwicklung. 

Gesundes Wachstum: Vorarlberg als Wirtschaftsstandort der Zukunft

WK-Präsident Karlheinz Kopf sieht Vorarlberg jedenfalls für die Zukunft gut gerüstet. Ein gesundes Wachstum sei ein investitionsgetriebenes Wachstum. 

„Wir sind sowohl im Hinblick auf den Branchenmix als auch was die Unternehmensgrößen anbelangt sehr breit aufgestellt. Dadurch werden sektorale Schwankungen in Summe besser abgefangen. Aber die Schwäche der europäischen Industrieproduktion schlägt in einem Industrieland wie Vorarlberg besonders stark durch“, so Kopf. 

Gut sei, dass sowohl auf europäischer wie auch auf nationaler Ebene die dringende Notwendigkeit einer forcierten Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und des europäischen Binnenmarktes erkannt wurde. Und auch das Arbeitsprogramm der neuen Landesregierung in Vorarlberg spreche laut Kopf die richtigen Standortthemen an. 

„Wenn auf allen Ebenen rasch und beherzt gehandelt wird, besteht absolut Anlass zu einem gewissen Optimismus“, bleibt Kopf zuversichtlich. 

Gründungsboom: Vorarlberg als Hotspot für junge Unternehmen

Dass in Vorarlberg die wirtschaftliche Dynamik stimmt, zeigen schließlich auch die Gründungszahlen.  1.306 Neugründungen im Jahr 2024 bestätigen die hohe Attraktivität der Selbstständigkeit. Besonders erfreulich ist der hohe Frauenanteil von 49,5 Prozent, der über dem österreichischen Durchschnitt liegt. 

„Die Zahlen zeigen, dass Unternehmertum in Vorarlberg nach wie vor einen hohen Stellenwert hat – wir müssen diesen Trend aktiv unterstützen“, sagt Matthias Frieß, Leiter des Gründerservice Vorarlberg. 

Einer der wichtigsten Höhepunkte des Jahres 2024 war der Beginn der Startup Vorarlberg GmbH, die technologieorientierte und wachstumsstarke Gründungsvorhaben unterstützt. 

„Wir wollen Vorarlberg als attraktiven Standort für Startups weiterentwickeln und die besten Rahmenbedingungen für junge, innovative Unternehmen schaffen“, betont WKV-Präsident Kopf abschließen. 

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