Österreich Forschung : Forschungskooperation Kärnten-Steiermark: Koralmtunnel als Beschleuniger?

Ein roter ÖBB-Zug hält bei schönem Wetter in der Station St. Stefan im Lavanttal, die Bahnsteige sind leer.

Die Koralmbahn lässt Kärnten und die Steiermark näher zusammenrücken und birgt viel Potenzial für die weitere Zusammenarbeit.

- © ÖBBChrisZenz

Bereits seit 2005 gestalten im Green Tech Valley in Graz über 300 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Kärnten und der Steiermark die grünen Lösungen der Zukunft. Seit Anfang 2024 ist auch das Burgenland Teil dieses Technologie-Netzwerks für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. 

Ein anderes Beispiel für bundesländergreifende Forschungskooperation sind auch die Silicon Austria Labs (SAL). An den Standorten Graz, Villach, konkret dem High Tech Campus, und Linz forschen aktuell über 300 Mitarbeiter. 

Sie arbeiten an Lösungen im Bereich Elektronik- und Softwarebasierte Systeme (ESBS) für Umweltschutz, Gesundheit, Energie, Mobilität und Sicherheit. Das geht von der Idee über das Design bis zur Simulation und einem industrietauglichen Prototypen. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen neben Sensorsystemen auch Leistungselektronik, Hochfrequenzsysteme und System Integration. 

Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Süden Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!

Bereits seit 2005 gestalten im Green Tech Valley über 300 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Kärnten und der Steiermark die grünen Lösungen der Zukunft.

In den Silicon Austria Labs wird besonders an Sensorsystemen, Leistungselektronik, Hochfrequenzsystemen und System Integration geforscht.

- © Gorodenkoff - stock.adobe.com

Digitale Transformation

Auch die Initiative Digital Innovation Hub (DIH) SÜD ist gelebte Kooperation. Sie wurde von Institutionen der Bundesländer Steiermark, Kärnten, Burgenland und Osttirol ins Leben gerufen, um kleinere und mittlere Unternehmen in der Südregion bei der digitalen Transformation mit Expertise, Vernetzung und Infrastruktur zu unterstützen. 

Getragen wird der DIH von den fünf Digitalzentren von FH Joanneum, Joanneum Research, TU Graz, Universität Klagenfurt und FH Kärnten. Als strategischer Partner ist die Kärntner Betriebsansiedlungs- und Beteiligungsgesellschaft (BABEG) mit an Bord. 

Darüber hinaus umfasst das Partnernetzwerk des DIH SÜD weitere Hochschulen, Forschungszentren und Inkubatoren aus den Regionen Kärnten, Steiermark, Osttirol und Burgenland. Darüber hinaus entwickeln die FH Kärnten und die FH Joanneum gemeinsam mit der Austro Control und AirLabs Austria im Forschungsprojekt SORA4UAM ein Framework für die quantitative Risikobewertung im Zusammenhang mit künftigen Drohnenanwendungen in der „Urban Air Mobility“ (UAM).  

A propos AirLabs Austria: Das vom BMK geförderte nicht-wirtschaftliche Innovationslabor zur Planung, Errichtung und zum Betrieb von zivilen Drohnentests in Österreich bietet mit ihren 25 Konsortialpartnern, darunter viele einzigartige Infrastrukturen an, insbesondere den niederschwelligen Zugang zu verschiedenen Luftraumbeschränkungsgebieten. Sie unterstützt innovative Projekte wie auch hier die Bereitstellung von Trainingsinfrastruktur für professionelle Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten.  

„Innovation und Kooperation sind die Kernthemen, die das Land Kärnten im Bereich der Forschung sowie der Technologie- und Standortentwicklung seit 2013 vorantreibt. Einerseits mit Ansiedlung und Ausbau bedeutender außeruniversitärer Forschungseinrichtungen wie der Joanneum Research, andererseits mit der Gründung beziehungsweise Beteiligung an Clustern und Netzwerken auf österreichischer und europäischer Ebene“, sagt dazu Kärntens Forschungslandesrätin Gaby Schaunig. 

Besonders erstere wird in den kommenden Jahren an Intensität gewinnen – nicht zuletzt dank der Koralmbahn, die Graz und Klagenfurt ab Ende nächsten Jahres näher zusammenrücken lässt

„Kooperationen mit dem Nachbarbundesland Steiermark stehen im Fokus, da mit der Fertigstellung der Koralmbahn ein neuer Wirtschaftsraum Süd mit Anschluss an die Baltisch-Adriatische Achse entsteht, in dessen Einzugsgebiet mehr als 1,1 Millionen Einwohner leben. Wir erreichen damit die viel zitierte kritische Masse, die Voraussetzung für internationale Sichtbarkeit und Anziehungskraft ist. Ohne Kooperationen, die über die Bundeslandgrenzen hinausgehen, wäre eine solche Entwicklung nicht möglich“, ergänzt die Landeshauptmann-Stellvertreterin. 

Innovation und Kooperation sind die Kernthemen, die das Land Kärnten im Bereich der Forschung seit 2013 vorantreibt.

Mehr Sichtbarkeit für Mehrwert der Hochschulen

Die verstärkte Zusammenarbeit und Kooperation zwischen den beiden Hochschulräumen Kärnten und Steiermark war auch Thema der Konferenz der Kärntner und steirischen Hochschulen im Juli. Ziel der Hochschulen beider Bundesländer ist es, damit den Wirtschafts- und Forschungsraum Südösterreich, der durch die Koralmbahn entstehen wird, nachhaltig zu stärken und näher zusammen zu bringen. 

Ein Fokus liegt dabei auf der Sichtbarmachung der Scientific Community, um den Mehrwert der hochschulischen Einrichtungen für die Gesellschaft deutlich zu machen. 

„Kooperation hat an den steirischen Hochschulen eine lange Tradition und ist der Schlüssel unseres Erfolges als Forschungsland Nummer eins in Österreich", sagt die steirische Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl. "Mit der gemeinsamen Konferenz der steirischen und Kärntner Hochschulen an der Montanuniversität Leoben wollen wir die Zusammenarbeit über die Bundesländergrenzen hinweg forcieren und so den Süden Österreichs international noch sichtbarer machen. Die Koralmbahn wird einen weiteren wichtigen Beitrag leisten, um die Forschungsachse Süd weiter zu stärken und den Austausch zwischen unseren beiden Bundesländern zu fördern."

Forschungsland Kärnten

Laut der F&E Erhebung 2021 waren in Kärnten 4.367 Personen in diesem Bereich beschäftigt. Die Ausgaben beliefen sich auf 764,4 Millionen Euro. 90 Prozent der F&E-Ausgaben in Kärnten wurden im Unternehmenssektor getätigt. Allein 483,7 Mio. Euro oder 63 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben entstammen dem Wirtschaftszweig „Elektronische Bauelemente und Leiterplatten“. 

Die Auslandsfinanzierung spielt zudem eine sehr bedeutende Rolle. Die Forschungsquote (F&E-Ausgaben / Bruttoregionalprodukt) für Kärnten beträgt 3,1 Prozent. 

Die Koralmbahn wird einen weiteren wichtigen Beitrag leisten, um die Forschungsachse Süd weiter zu stärken.

Forschungsland Steiermark

Der F& E Erhebung 2021 zufolge weist die Steiermark mit 5,1 Prozent im Bundesländervergleich die höchste Forschungsquote auf, der Österreich-Schnitt liegt bei 3,3 Prozent. 

Insgesamt wurden im Beobachtungszeitrum in der Steiermark  rund 2,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Davon stammen 74,1 Prozent, und somit fast drei Viertel, von Unternehmen. Rund 18.006 Menschen waren in dem Bereich beschäftigt.