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Schutzgasverpackung : Warum Lebensmittel länger frisch bleiben müssen: Die Rolle der Schutzgasverpackung

vogelansicht auf verschiedene transparent verpackte lebensmittel

In der Lebensmittelindustrie kommen – je nach Anforderung – verschiedenste Formate zum Einsatz.

- © MESSER

Brot, Backwaren, Obst und Gemüse – besonders diese Lebensmittel landen früh im Mistkübel. Tatsächlich wirft jeder Mensch in Österreich im Schnitt 19 kg Lebensmittel pro Jahr weg. So ergeben sich täglich mehrere Tonnen.
 

Um diese Verschwendung zu reduzieren und die Qualität von der Produktion bis zum Endverbraucher zu sichern, braucht es innovative Lösungen. Ganz vorne mit dabei: Schutzgasverpacken von Lebensmitteln.
 

Diese Technologie beseitigt „die Hauptschuldigen“, die den Verderb von Lebensmitteln verursachen: Sauerstoff, Luftfeuchtigkeit, Licht und Mikroorganismen. Die Schutzgasverpackung ändert nun gezielt die Atmosphäre innerhalb der Verpackung: Statt normale Luft zu verwenden, werden spezielle Gaszusammensetzungen eingesetzt. Das Ergebnis ist eine deutlich längere Haltbarkeit – ohne dass der Frischecharakter des Produkts verloren geht.

Messer ist das weltweit größte privat geführte Industriegas-Unternehmen und seit mehr als 125 Jahren Ihr Spezialist für Industrie-, Medizin- sowie Spezialgase.

Modified Atmosphere Packaging: Die Technologie hinter der Frische

Das Fachkonzept hinter dieser Technologie ist Modified Atmosphere Packaging, oder kurz MAP. Die Gasmischung in der Verpackung wird speziell auf das jeweilige Lebensmittel abgestimmt. Rohes Fleisch etwa braucht eine ganz andere Gaszusammensetzung als Käse oder Backwaren.
 

Das Prinzip ist elegant: Die richtige Gaskombination verdrängt Sauerstoff, hemmt das Wachstum von Bakterien und Schimmel und bewahrt gleichzeitig Farbe und Geschmack. Dabei kommt ausschließlich zum Einsatz, was die Natur bereits vorgesehen hat – alle verwendeten Gase sind natürliche Bestandteile der Umgebungsluft.

Welche Gase halten Lebensmittel frisch?

Vier Gase werden am häufigsten in der Schutzgasverpackung eingesetzt:
 

  • Stickstoff ist ein reaktionsträges Gas, das den Sauerstoff in der Verpackung verdrängt und so Oxidationsprozesse verlangsamt. Mit 78% ist es der Hauptbestandteil der natürlichen Luft. Zusätzlich agiert Stickstoff als Stützgas – es verhindert, dass die Verpackung zusammenfällt, wenn andere Gase im Produkt gelöst werden.

     

  • Kohlendioxid wirkt antimikrobiell und hemmt das Wachstum von Bakterien und Schimmel gezielt. Das Gas löst sich besonders gut in Flüssig- und Fettphasen von Lebensmitteln und senkt dadurch den pH-Wert. Diese Eigenschaft macht CO2 zum „Arbeitstier“ der Schutzgasverpackung – besonders bei feuchteren Produkten.

     

  • Sauerstoff wird hinzugefügt, um die rote Farbe von Fleischprodukten zu erhalten oder die Atmung von Gemüse und Obst zu verbessern. In speziellen Fällen schützt Sauerstoff auch vor anaeroben Bakterien. Seine Anwendung ist daher immer gezielt und produktspezifisch.

     

  • Argon ist ein weiteres reaktionsträges Gas, das sich ähnlich wie Stickstoff verhält. Es verdrängt Sauerstoff und fungiert als Stützgas. Darüber hinaus hemmt Argon enzymatische Aktivitäten und verstärkt die antibakterielle Wirkung von Kohlendioxid.

Individuelle Gasgemische für jedes Produkt

In der Praxis werden diese Gase selten einzeln verwendet. Stattdessen werden individuelle Gasgemische für jedes Produkt zusammengestellt. Die optimalen Verhältnisse hängen von Produkttyp, Fettgehalt, Wassergehalt und gewünschter Haltbarkeitsdauer ab:
 

Lebensmittel          CO2-Anteil    Stickstoff    Sauerstoff
Frischfleisch, rot    20-35%         65-80%      bis 20%
Fisch                       30-60%         40-70%        -
Geflügel                  25-100%        0-75%         -
Käse                        30-100%        0-70%         -
Backwaren              50-100%        0-50%         -
Kaffee und Nüsse    -                    100%            -
 

Die Zusammensetzungen sind wohlerforscht und das Ergebnis jahrzehntelanger Praxis. 

Verpackungsmaterialien für Schutzgasatmosphäre

Bei Verpackungen kommt es aber auch auf Äußerlichkeiten an. Die Schutzgasatmosphäre ist nur so gut wie das Material, das sie enthält. 

Die ideale Verpackung ist völlig undurchlässig für Mikroorganismen, Gase, Wasser, Wasserdampf, Aromen und Licht. Gleichzeitig muss sie wirtschaftlich sein und den Anforderungen des Marktes entsprechen.
 

In der Lebensmittelindustrie kommen – je nach Anforderung – verschiedenste Formate zum Einsatz: von Blechdosen bis hin zu Glas. Erstere bieten maximale Haltbarkeit – aber keine Transparenz. Die Kombination aus Transparenz mit absoluter Dichtheit ist wiederum der große Vorteil von Gläsern. Auch Kunststofffolien und Tiefziehpackungen ermöglichen Sichtbarkeit und werden in verschiedensten Qualitätsstufen angeboten.
 

Schlauchbeutelpackungen und Siegelrandbeutelpackungen bieten flexible, kosteneffiziente Alternativen. Bei frischen Produkten wie Obst und Gemüse werden spezielle Verpackungen mit kontrollierten Gasaustauschraten verwendet. Dieses Konzept – EMAP (Equilibrium Modified Atmosphere) genannt – ermöglicht eine sanfte, kontrollierte Pflanzenatmung.

Haltbarkeitsverlängerung durch Schutzgasatmosphäre

Verschiedene Konservierungsmethoden gibt es schon lange. Doch sie alle – Kühlung, Gefrieren, Hitzesterilisierung, pH-Wert-Absenkung durch Zusätze oder Milchsäuregärung – greifen in den Produktcharakter ein. Weitere Haltbarkeitsmethoden wie Trocknung oder Vakuumverpackung wiederum bewahren nicht die Frische.
 

Die Schutzgasverpackung mit Stickstoff und Kohlendioxid hingegen verändert den Frischecharakter der Lebensmittel kaum bis gar nicht. Der Geschmack bleibt erhalten, die Struktur wird nicht beeinträchtigt. Das macht sie besonders wertvoll für hochwertige Produkte, wo Qualität zentral ist.

Gase in der Getränkeindustrie

Auch Getränke profitieren stark von Schutzgastechniken. Die Anwendungen sind dabei sehr unterschiedlich – von Bierproduktion bis zur Abfüllung von Mineralwasser.
 

Kohlendioxid in der Bierproduktion: In Brauereien entsteht Kohlendioxid natürlich während der Gärung und verleiht dem Bier seine charakteristische Spritzigkeit. Zusätzlich wird CO2 oft hinzugefügt, um den Kohlensäuregehalt zu regulieren und das Bier vor Oxidation zu schützen. Beim Schankbetrieb spielt Kohlendioxid eine weitere entscheidende Rolle – es sorgt für den richtigen Druck beim Zapfen und garantiert, dass das Bier frisch und mit optimaler Schaumbildung serviert wird.
 

Stickstoff und Argon beim Wein: In der Weinproduktion werden Stickstoff und Argon häufig verwendet. Argon wird bei der Weinlagerung und -abfüllung eingesetzt, um Oxidation zu verhindern. Das Gas bildet eine schützende Schicht über dem Wein, die den Kontakt mit Sauerstoff minimiert. Stickstoff wird genutzt, um Weinfässer und Tanks zu inertisieren – der Tank wird zuerst mit Stickstoff gespült, um Sauerstoff zu verdrängen, bevor der Wein eingefüllt wird.
 

Getränke allgemein: Bei alkoholfreien Getränken und Mineralwasser kommt ebenfalls Stickstoff zum Einsatz. Er stabilisiert den Druck in den Flaschen, was Stapeln, Lagern und Transportieren erleichtert. Bei kohlensäurehaltigen Getränken wie Limonaden wird Kohlendioxid präzise dosiert – es erzeugt nicht nur die spritzige Textur, sondern besitzt auch antibakterielle Eigenschaften und hemmt das Wachstum von Mikroorganismen.
 

Bei kohlensäurefreien Getränken kommt eine spezielle Technologie zum Einsatz: der Kryogen-Injektor. Flüssiger Stickstoff wird unmittelbar vor dem Verschließen auf die Flüssigkeitsoberfläche injiziert. Im verschlossenen Behälter verdampft er und verdrängt Sauerstoff. Der dabei entstehende Innendruck hält die Flaschen stapelfähig. Zusätzlich ermöglicht diese Methode dünnwandige Behälter – das senkt Materialkosten erheblich.

Gasversorgungssysteme für Zuverlässigkeit

Die beste Gaszusammensetzung nützt nichts ohne zuverlässige Versorgung. Gasversorgungssysteme sind die unsichtbare Infrastruktur hinter jeder modernen Verpackungsanlage; vereinen lückenlose Versorgung, Sicherheit und Kosteneffizienz.
 

Das System beginnt mit der Wahl des optimalen Gases und erstreckt sich auf spezialisierte Hardware: Ventile, Druckregler, Entnahmestellen, Entspannungsstationen und Zubehör. Jede Komponente muss präzise auf die spezifischen Anforderungen des Betriebs abgestimmt sein.
 

Ein starker Partner für diese Infrastruktur ist das Unternehmen Messer Austria. Von der Beratung bis hin zur kompletten Automatisierung der Gasversorgung werden hier alle Aspekte abgedeckt. Das Portfolio umfasst nicht nur die Gourmet-Gase, sondern alle marktüblichen Lebensmittelgase sowie maßgeschneiderte Gasgemische.

Qualität und Regulierung

Alle in der Lebensmittelverpackung eingesetzten Gase müssen EU-Lebensmittelgase sein. Sie werden nach europäischen Richtlinien klassifiziert und erhalten E-Nummern. Stickstoff trägt die Bezeichnung E 941, Kohlendioxid E 290, Sauerstoff E 948 und Argon E 938.
 

Diese Regulierung schützt Verbraucher und stellt sicher, dass Reinheit, Rückverfolgbarkeit und Sicherheit garantiert sind. Gasgemische werden stets auf das jeweilige Produkt abgestimmt und erfüllen sämtliche Gesetze und Normen für Lebensmittelprodukte.


Messer bietet Lebensmittelgase in zwei Bereitstellungsformen an: als fertige Standardgemische in Flaschen oder vor Ort individuell zusammengestellt mittels Gasmischgeräten aus Flaschen oder Tankanlagen. Diese Flexibilität ermöglicht es Herstellern, ihre Verpackung optimal auf ihre spezifischen Anforderungen abzustimmen.

Fazit: Verpackung als Qualitätsmerkmal

Schutzgasverpackung ist längst nicht mehr nur ein technisches Verfahren – sie ist ein Qualitätsmerkmal. Sie verlängert die Haltbarkeit um ein Vielfaches, bewahrt Frische, Farbe und Geschmack und ermöglicht es, Produkte wirtschaftlich zu transportieren und zu lagern.
 

Ein positiver Nebeneffekt: Die längere Haltbarkeit reduziert Lebensmittelverschwendung und damit auch Umweltbelastung. Weniger Verderb bedeutet weniger Neuproduktion, weniger Transport, weniger Abfall – ein echter Beitrag zum Klimaschutz.
 

Für Lebensmittelhersteller, die ihre Produkte optimal bewahren möchten, ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Gaslieferanten unverzichtbar. Die richtige Gaszusammensetzung, hochwertige Materialien und zuverlässige Infrastruktur bilden zusammen das Fundament für Produktqualität, Verbraucherzufriedenheit und wirtschaftlichen Erfolg.