Voestalpine Böhler Bleche : Mürzzuschlag: Voestalpine Böhler Bleche in schwerer Krise – Kündigungen drohen
Aufregung um das Böhler Bleche-Werk in Mürzzuschlag. Symbolbild.
- © voestalpine/Klaus MorgensternDie Gerüchteküche brodelt: Steht das Böhler-Werk tatsächlich vor dem Aus? Der Betriebsrat verweist auf die offizielle Konzernkommunikation. Aus Linz heißt es dazu gegenüber Medien kryptisch:
„Die aktuelle wirtschaftliche Situation bleibt weiterhin volatil und unberechenbar, was sich auch auf die Produktion am Standort Mürzzuschlag auswirkt.“
Besonders im Bereich Werkzeugstahl verzeichnet das Unternehmen starke Rückgänge bei den Absatzmengen, die Auslastung bei Sonderwerkstoffen sei zwar besser, aber ebenfalls schwankend.
Deutlicher wird die Konzernleitung bei der Frage nach möglichen Kündigungen:
„Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Kapazitätsanpassungen nicht ausschließen.“
Man rechne nicht mit einer baldigen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und müsse sich „an die Bedarfe unserer Kund:innen anpassen“. Übersetzt: Kündigungen sind wahrscheinlich – auch wenn sie noch nicht offiziell angekündigt wurden.
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US-Zölle und Energiekosten setzen Werk unter Druck
Neben der schwächelnden Auftragslage machen dem Werk vor allem zwei externe Faktoren zu schaffen: Die stark gestiegenen Strafzölle der USA und die hohen Energiepreise. Laut Voestalpine sei insbesondere die Zollpolitik der Vereinigten Staaten ein entscheidender Faktor für die angespannte Situation. Damit werde die internationale Wettbewerbsfähigkeit erheblich geschwächt – mit gravierenden Folgen für den Standort Mürzzuschlag.
Rettungsprojekt angelaufen – Maßnahmen bis Jahresende
Der Konzern hat auf die dramatische Entwicklung reagiert und ein internes Restrukturierungsprojekt gestartet. Ziel sei es, die Voestalpine Böhler Bleche „trotz hoher Energie- und Standortkosten sowie wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen“ marktfähig aufzustellen. Seit Mitte September arbeitet eine externe Beraterfirma an einem Maßnahmenkatalog. Erste Ergebnisse und konkrete Schritte sollen bis spätestens Jahresende vorliegen und dann „rasch umgesetzt“ werden.
Hunderte Arbeitsplätze in Gefahr
Aktuell beschäftigt das Werk rund 450 Mitarbeitende. Im Geschäftsjahr 2024/25 lag der Umsatz bei 138 Millionen Euro. Das Unternehmen gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von kreuzgewalzten Edelstahlblechen und ist der einzige europäische Produzent von Titanblechen und -platten. Umso dramatischer wären Massenkündigungen – nicht nur für die Belegschaft, sondern für die gesamte Region, die stark von diesem Arbeitgeber abhängt.
Der steirische SPÖ-Chef Max Lercher schlägt Alarm und kritisiert die Untätigkeit der Landespolitik:
„Die Landesregierung will noch Monate an ihrer Strategie arbeiten – aber es brennt jetzt der Hut!“
Lercher fordert Soforthilfen, etwa in Form eines eigenen Energie-Tarifs für Industriebetriebe in der Steiermark, um die hohen Strompreise abzufedern. Damit könne man verhindern, dass hunderte gut bezahlte Arbeitsplätze verloren gehen.
Auch im Bereich Bauwirtschaft und Klimaschutz sieht Lercher dringenden Handlungsbedarf. Die zuletzt ausgelaufenen Förderungen für Heizungstausch und thermische Sanierung müssten dringend wiedereingeführt werden, so der SPÖ-Politiker:
„Diese Förderschienen waren volkswirtschaftlich absolut sinnvoll und haben mehr gebracht, als sie gekostet haben.“
Die Zukunft von Voestalpine Böhler Bleche in Mürzzuschlag ist ungewisser denn je. Zwischen internationalen Handelskonflikten, strukturellen Problemen und politischen Versäumnissen droht ein Industriebetrieb von europäischem Rang ins Wanken zu geraten. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich entscheiden, ob das Werk saniert werden kann – oder ob das Mürztal einen schweren Verlust für seine Wirtschaftsstruktur hinnehmen muss.